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Serien-Tipp

Auf James-Bond-Entzug? Dann wirf einen Blick auf die Serie "Spy City"

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Dominic Cooper ist in "Spy City" einem Maulwurf auf der Spur. Bild: © Odeon Fiction / Dusan Martincek 2020

Die neue Mission von 007 verzögert sich weiterhin, "Keine Zeit zu sterben" soll erst im April in den Kinos anlaufen. Was tun? Du kannst natürlich die alten Bond-Filme einwerfen und in die vergangenen 24 Missionen des Gentlemanspions eintauchen. Die Wartezeit lässt sich jedoch auch anders überbrücken, zum Beispiel mit der Serie "Spy City", die gerade auf Magenta TV erschienen ist.

Spionage, Doppelagenten, sadistische Antagonisten, feurige Liebschaften, coole Kleidung und nicht zuletzt eiskalte Drinks: "Spy City" fährt alles auf, was wir an der Bond-Reihe so lieben. Und das in einem 1960er-Jahre Setting, das an die filmischen Ursprünge des Agenten ihrer Majestät erinnert.

Berlin im Kalten Krieg: Die Handlung

"Spy City" entführt uns ins Berlin Anfang der 1960er-Jahre. Die Mauer ist noch nicht gebaut, dennoch ist die Stadt geteilt: Die Besatzungsmächte Großbritannien, Russland, Frankreich und die USA regieren in ihrem jeweiligen Sektor. Wir befinden uns auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, die Lage ist angespannt und Berlin ein Hotspot für Spione des KGB, MI6, SDECE und der CIA.

Mittendrin ist der MI6-Agent Fielding Scott (Dominic Cooper), der nach einer missglückten Mission zurück nach Berlin geschickt wird, um einen befreundeten ostdeutschen Wissenschaftler in den Westen zu schleusen. Doch auch diese Mission scheitert. Scott vermutet einen Spitzel in den eigenen Reihen, den er mit seinen eigenen Methoden dingfest machen möchte. Unterstützung bekommt der aalglatte Agent dabei unter anderem von der französischen Agentin Severine Bloch (Romane Portail), mit der es auch amouröse Verwicklungen gibt. Severine selbst hat eine ganz persönliche Mission: Sie will den Mörder und Peiniger ihres verstorbenen Mannes aufspüren, der sich unter neuer Identität in Berlin versteckt.

"Mein Name ist Scott, Fielding Scott!"

Das Setting macht es deutlich, wir befinden uns in der Hochphase der Spionage. Der Kalte Krieg: Osten gegen Westen. Ich gebe es zu, ich bin (in der Fiktion) ein Fan dieser klassischen Konstellation. Und auch bei James Bond ist sie bis weit in die 1980er-Jahre ein sehr beliebtes Thema. Zudem ist der Beginn der 1960er-Jahre stylingtechnisch einfach ein Hingucker. Die Herren in eleganten Anzügen, die Damen in kleidsamen Kostümen. Das allein lässt einen in andere Zeiten eintauchen. Um die Zeitreise zu unterstützen, werden in "Spy City" immer wieder Archivaufnahmen von Berlin eingeblendet.

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Fielding Scott (Dominic Cooper) arbeitet als Spion in Berlin. Bild: © Odeon Fiction / Dusan Martincek 2020
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Der Agent hat mehr als kollegiale Gefühle für die französische Agentin Severine Bloch (Romane Portail). Bild: © Odeon Fiction / Dusan Martincek 2020
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Unser Protagonist ist der MI6-Agent Fielding Scott, der von Dominic Cooper verkörpert wird. Cooper hat bereits in Formaten wie der DC-Serie "Preacher" bewiesen, dass er Starpotenzial hat. Außerdem tritt er im Marvel Cinematic Universe (MCU) wiederholt als Howard Stark auf, ja genau, dem Papa von Iron Man höchstpersönlich. Cooper geht in seiner Rolle als MI6-Agent sichtlich auf und flirtet genauso lässig mit seiner französischen Kollegin, wie er im nächsten Moment kaltblütig tötet. Mit den Anweisungen von Vorgesetzten hat er es nicht so. Lieber zieht er auf eigene Faust los, um den Maulwurf dingfest zu machen.

Auf den Spuren von James Bond ...

Kommt Dir das bekannt vor? Ja, Fielding Scott erinnert deutlich an James Bond. Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass das Drehbuch zu "Spy City" von William Boyd stammt. Der schottische Schriftsteller hat mit "Solo" einen offiziellen Bond-Roman geschrieben, der 2013 veröffentlicht wurde. Er spielt genauso wie "Spy City" in den den 1960er-Jahren.

Auch zuvor hat der Autor ein Händchen für Spionageromane bewiesen. In "Any Human Heart" ließ Boyd sogar den Bond-Schöpfer Ian Fleming selbst auftreten. Apropos Ian Fleming: Dominic Cooper verkörperte den britischen Schriftsteller in der britischen Miniserie "Fleming: Der Mann, der Bond wurde". Es wurden also vor und hinter der Kamera Menschen zusammengetrommelt, die auf die eine oder andere Weise mit James Bond in Berührung gekommen sind – und das ist zu spüren.

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60ies-Vibes satt: Fielding Scott auf Geheimmission in Berlin. Bild: © Odeon Fiction / Dusan Martincek 2020

Beim Casting setzt "Spy City" auf eine Mischung aus gestandenen Darstellern und Newcomern. "Game of Thrones"-Star Rupert Vansittart zieht als Scotts Vorgesetzter aus London die Fäden, in Berlin untersteht der Spion Aldous Petrie, der von Adrian Lukis ("The Crown") verkörpert wird. Die russischen, amerikanischen und französischen Darsteller mögen international nicht so bekannt sein, brauchen sich jedoch nicht zu verstecken. Vor allem Romane Portail ("Sense8") und Seumas F. Sargent ("Point Break") überzeugen. Die deutsche Besetzung ist erstklassig: Mit Johanna Wokalek ("Die Päpstin") und Leonie Benesch ("Babylon Berlin") konnten zwei sehr profilierte Darstellerinnen für die Serie gewonnen werden.

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Seumas Sagent spielt einen CIA-Agenten und Verbündeten von Scott. Bild: © Odeon Fiction / Dusan Martincek 2020
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Romane Portail gibt die undurchsichtige SDECE-Spionin Severine Bloch. Bild: © Odeon Fiction / Dusan Martincek 2020
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Rupert Vansittart steuert als hochrangiges MI6-Mitglied Scotts Mission in Berlin. Bild: © Odeon Fiction / Dusan Martincek 2020
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"Spy City" zeigt auch Einzelschicksale

Ein vollwertiger Ersatz für einen offiziellen "Bond"-Film ist "Spy City" trotz der guten Besetzung nicht. Es fehlt die Raffinesse und überbordende Action, durch die sich die Filmreihe auszeichnet. Und das lässt sich nun mal nicht so leicht kopieren, vor allem, wenn das Budget nicht mit einem Hollywood-Blockbuster mithalten kann. Dafür punktet die Serie allerdings mit etwas, das besonders die hiesigen Zuschauer ansprechen dürfte: Sie zeigt nicht nur die Welt der Spionage, sondern auch das Leben der deutschen Bevölkerung im besetzten Berlin. Vor allem das Leben von zwei Frauen wird näher beleuchtet.

Da ist zum einen Scotts Sekretärin Elisa Hahn (Leonie Benesch). Die junge Frau lebt im Westsektor von Berlin, ihr Freund Reinhart im Ostsektor. Der politische Liedermacher saß während der Studentenrevolten 1953 in Haft. Nur Elisa ist es zu verdanken, dass Reinhart frei ist. Das hat jedoch seinen Preis: Sie wird fortan von dem Stasi-Offizier August Froben dazu erpresst, den MI6 auszuspionieren. Elisa träumt davon, mit Reinhart nach London auszuwandern.

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Elisa (Leonie Benesch) wird gezwungen, Scott für die Stasi auszuspionieren. Bild: © Odeon Fiction / Dusan Martincek 2020
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Sie tut alles, damit ihr Freund Reinhart nicht wieder ins Gefängnis kommt. Bild: © Odeon Fiction / Dusan Martincek 2020
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Dann gibt es da noch Ulrike Faber (Johanna Wokalek). Die ehemalige Kriegsfotografin ist Teil der intellektuellen Künstlerszene. Die Ostberlinerin macht das Beste aus der Situation, verdient sich durch die Zusammenarbeit mit Scott und anderen eine goldene Nase. Es sind diese Figuren, die "Spy City" mehr Tiefe verleihen und den Geschehnissen, die zum Mauerbau führen, ihre Tragik geben.

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Ulrike Faber (Johanna Wokalek) führt ein angenehmes Leben in Ostberlin. Bild: © Odeon Fiction / Dusan Martincek 2020
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Scott bittet die Fotografin wiederholt um Hilfe. Bild: © Odeon Fiction / Dusan Martincek 2020
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Fazit: Ein Blick lohnt sich

"Spy City" mag nicht auf dem Niveau von HBO-Formaten sein und Dominic Cooper ist sicher kein James Bond. Die Serie stillt jedoch das Verlangen nach klassischer Spionagekost und wandelt ganz auf den Spuren von 007. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich "Spy City" unbedingt im Originalton ansehen. Das Springen zwischen Englisch, Deutsch, Französisch und Russisch unterstreicht das multikulturelle Zusammenleben der Besatzungsmächte. "Spy City" spielt übrigens kurz vor James Bonds erstem Leinwandabenteuer "James Bond jagt Dr. No" von 1962. Was liegt da näher, als nach "Spy City" direkt damit fortzufahren, bis im April (hoffentlich) wieder echter 007-Nachschub in die Kinos kommt?

Sendehinweis
Alle sechs Folgen von "Spy City" sind auf Magenta TV abrufbar.
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