Digitalen Nachlass regeln: Das solltest Du wissen

Du solltest an die Nachlassverwaltung Deiner Online-Accounts denken.
Du solltest an die Nachlassverwaltung Deiner Online-Accounts denken. Bild: © ipopba - stock.adobe.com 2022

Heute musst Du neben dem materiellen auch den digitalen Nachlass von Verstorbenen regeln. Wir haben einige Tipps, damit Angehörigen die Verwaltung von Online-Nutzerkonten & Co. leicht fällt und Hinterbliebene keinen zusätzlichen Ärger haben.

Von Sebastian Weber

Digitalen Nachlass per Testament regeln

Ein Testament ist grundsätzlich der beste Weg, um zu regeln, wer im Todesfall etwas erben soll oder was sonst mit den Hinterlassenschaften passiert. Wichtig ist hierbei, dass das Testament handschriftlich angefertigt und anschließend unterschrieben wird, damit es rechtswirksam ist.

Im Testament oder in einem eigens für den digitalen Nachlass angefertigten Testament lässt sich klar auflisten, welche Online-Konten wie etwa bei Facebook oder Instagram gelöscht werden sollen sowiewelche Daten den Angehörigen zur Verfügung gestellt werden sollen und welche nicht.

Zudem lässt sich dort auch klar bestimmen, wer sich um den digitalen Nachlass wie angewiesen kümmern soll, ob es ein Angehöriger ist oder eine Vertrauensperson.

Online-Aktivität und Passwörter auflisten

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Deine Erben sollten Deine – hoffentlich sicheren – Passwörter erfahren. Bild: © Adobe Stock / ronstik 2019

Selbst wenn Du Deinen digitalen Nachlass per Testament geregelt hast, hilft dies nichts, wenn den Hinterbliebenen die Information fehlt, um welche digitalen Inhalte und Dienste sie sich kümmern müssen.

Daher ist es ratsam, eine Liste der relevanten Online-Aktivitäten anzulegen. Dabei kommt es nicht auf jede Website an, die geöffnet wird. Vielmehr geht es um Dienste wie Facebook, Instagram und ähnliche soziale Netzwerke. Ebenso andere Anbieter, bei denen ein Nutzerkonto vorliegt, ob es nun Amazon, eBay und weitere Shopping-Dienste sind oder Software-Anbieter wie Microsoft und Adobe. Auch an die Accounts bei Google und Apple solltest Du denken.

Mit einer solchen Übersicht können Hinterbliebene später leichter überprüfen, ob es noch laufende Verträge und Abonnements gibt. Sie können Konten, wie im Nachlass geregelt, löschen beziehungsweise deaktivieren sowie Daten sichern. Wichtig hierbei: Viele Dienste verlangen eine Sterbeurkunde als Nachweis.

Zusätzlich zu den Online-Aktivitäten sollten auch die Kontoinformationen und Passwörter aufgelistet werden – das müssen stets die aktuellen Passwörter sein. Dies kann schlicht mit einer Liste geschehen, am besten in Papierform oder mit einem Passwortmanager, der die Daten verschlüsselt speichert. Das Master-Passwort für den Passwortmanager muss den Hinterbliebenen zugänglich gemacht werden.

Verträge gehen auf Erben über

Der Zugang zu den verschiedenen Online-Konten ist nicht nur wichtig, damit die Hinterbliebenen Daten sichern oder löschen oder Accounts in den sogenannten Gedenkzustand versetzen können, etwa auf Facebook.

Vielmehr gilt es, nach dem Tod eines Angehörigen bestehende Verträge zu kündigen oder zu stornieren, denn diese gehen auf die Erben über und laufen weiter, ob es nun offene Bestellungen sind oder gebuchte Reisen und Co.

Was geschieht mit eBooks und anderem digitalen Besitz?

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Leider kannst Du eBooks sowie digitale Musik und Filme nicht vererben. Bild: © TURN ON 2019

Wenn es ums Erben geht, ist der physische Besitz des Verstorbenen einfach zu handhaben. Je nach Testament oder den gesetzlichen Regelungen, gehen die Bibliothek oder die Schallplattensammlung vom verstorbenen Eigentümer an den oder die Erben über.

Bei den digitalen Besitztümern sieht die Sache allerdings anders aus. Eine große Sammlung von eBooks oder Musik und Filmen sind laut den Nutzungsbedingungen der allermeisten Anbieter nur Besitz, aber kein Eigentum. Entsprechend hat der Kontoinhaber lediglich ein Nutzungsrecht, das erlischt, sobald es zum Todesfall kommt. Entsprechend lassen sich solche Inhalte nicht vererben.

Apple und Google: Nachlasskontakt bestimmen

Neben Diensten wie Facebook, Instagram, E-Mail-Konten und Co. sind heute die Nutzerkonten bei Apple und Google wohl die wichtigsten Anlaufstellen, wenn es um das Sichern und Sichten von Daten eines Verstorbenen geht. Beide Firmen bieten daher Optionen an, um Familienmitgliedern oder anderen Vertrauenspersonen Zugriff auf die persönlichen Daten zu gewähren, wenn es nötig wird.

Apple: So fügst du einen Nachlasskontakt hinzu

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Auf Deinem iPhone kannst Du einen Nachlasskontakt hinzufügen. Bild: © TURN ON 2021

Apple bietet die Option an, einen Nachlasskontakt zur Apple-ID hinzuzufügen. Dazu rufst Du Deine Apple-ID auf, die Du auf dem iPhone, iPad oder iPod unter den Einstellungen findest, wenn Du auf Deinen Namen klickst. Auf dem Mac rufst Du die Systemeinstellungen auf und klickst dann auf den Punkt "Apple-ID".

Im nächsten Schritt navigierst Du zum "Punkt Passwort & Sicherheit" und suchst dort den Eintrag "Nachlasskontakt", wo es die Option gibt, einen Nachlasskontakt hinzuzufügen. Falls Du eine Familiengruppe angelegt hast, zeigt Dir das nächste Fenster die Personen in der Gruppe an, welche Du ganz einfach auswählen kannst. Sonst lassen sich auch andere Angehörige oder Freunde per E-Mail oder Telefonnummer ergänzen.

Im nächsten Schritt erstellt Apple einen Zugriffsschlüssel für Deinen Nachlasskontakt, den Du mit dieser Person teilen solltest. Nur mit diesem Schlüssel und der Sterbeurkunde erhält der Nachlasskontakt später Zugriff auf das Apple-Konto.

Google: Kontoinaktivität-Manager aktivieren

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Auch Google bietet eine Nachlassverwaltung. Bild: © TURN ON 2020

Wer ein Google-Konto nutzt, der sollte den sogenannten "Kontoinaktivität-Manger" aktivieren. Dabei handelt es sich um einen Dienst, der Angehörigen automatisch Zugriff auf ausgewählte Daten gewährt, wenn der Nutzer des Kontos eine bestimmte Zeit nicht mehr aktiv war.

Wenn Du diese Option aktivieren möchtest, dann funktioniert dies über eine recht einfach gehaltene Einstellungs-Website. Google führt Dich hier Schritt für Schritt durch den Einstellungsprozess, wobei zunächst Deine Telefonnummer und E-Mailadresse hinterlegt werden müssen. Zudem wird festgelegt, wie lange der Account inaktiv gewesen sein muss, bevor der Dienst aktiv wird. Nach Ablauf der Zeit, ob nun drei, sechs oder bis zu achtzehn Monate, kontaktiert Google sowohl die Telefonnummer als auch die E-Mailadresse, um sicherzustellen, dass Du tatsächlich nicht mehr reagierst.

In den nächsten Schritten legst Du fest, welcher Angehörige oder welche Vertrauensperson im Anschluss Zugriff erhalten soll und auf welche Daten. Bis zu zehn Personen sind hier möglich und der Datenzugriff lässt sich pro Person unterschiedlich festlegen.

Zudem bietet Google hier auch an, dass der Account im Anschluss gelöscht wird. Dann haben die festgelegten Hinterbliebenen für eine bestimmte Zeit Zugriff, bevor Google die Daten vernichtet.

Zusammenfassung

  • Der digitale Nachlass lässt sich wie der "normale" Nachlass am besten per Testament regeln.
  • Eine Auflistung der Online-Aktivitäten sowie der Nutzerkonten und Passwörter hilft Hinterbliebenen, Daten zu sichern, Accounts zu löschen und so weiter.
  • Digitaler Besitz wie Ebooks und Co. lässt sich in der Regel nicht vererben.
  • Bestehende Verträge gehen auf Erben über
  • Apple und Google bieten einfache Funktionen, um Nachlasskontakte dem eigenen Nutzerkonto hinzuzufügen.
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