"Split" ist ein heimliches Sequel zu "Unbreakable" – und "Glass" soll die Trilogie zu ihrem Abschluss bringen! Als diese Neuigkeit vor einiger Zeit die Runde machte, war die Aufregung unter vielen Fans in aller Welt verständlicherweise groß. Nun steht der Kinostart von Regisseur M. Night Shyamalans jüngstem Film kurz bevor. Doch kann das Sequel die hohen Erwartungen wirklich erfüllen? Unsere Filmkritik schafft Aufklärung.
Die Story: Darum geht's in "Glass"
In "Glass" führt Regisseur M. Night Shyamalan die Handlungen von "Unbreakable – Unzerbrechlich" und "Split" zusammen. David Dunn (Bruce Willis) ist inzwischen als "The Overseer" in ganz Philadelphia als Selbstjustizler bekannt und klebt zu Beginn der Handlung an den Fersen von Kevin Wendell Crumb aka "die Horde" (James McAvoy). Der hat erneut mehrere Teenager entführt, um sie dem Biest zu präsentieren – und Fans von "Split" wissen, dass das für die jungen Damen vermutlich kein gutes Ende nehmen dürfte.
Kein Wunder, dass Dunn mit der Hilfe seines nun erwachsenen Sohnes (Spencer Treat Clark) all seine Energie in die Rettung der Mädchen steckt. Davon hält die Polizei allerdings recht wenig und ist ihm und seinem ungewöhnlichen Widersacher daher bereits auf der Spur. Und auch Psychiaterin Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson) hat so ihre Pläne mit David und Kevin. Als zu allem Überfluss Elijah Price aka Mr. Glass (Samuel L. Jackson) ins Spiel kommt, beginnt die Situation, zunehmend aus dem Ruder zu laufen.
Aus zwei mach eins?
So weit, so kompliziert. Tatsächlich kann es nicht schaden, zuerst "Unbreakable – Unzerbrechlich" und "Split" (noch einmal) anzusehen, um die einzelnen Handlungsfäden frisch im Kopf zu haben. Denn obwohl Regisseur Shyamalan diverse Male Filmmaterial aus den beiden Vorgängerfilmen verbaut, kommen Erklärungen zu den Geschehnissen, die zu "Glass" hingeführt haben, eher kurz.
Nun ist es ja zugegebenermaßen auch nicht unbedingt die Aufgabe eines Sequels, die Handlung seiner Vorgänger erneut Revue passieren zu lassen. Doch bei "Glass" steht der Zuschauer – genau wie offenbar auch Regisseur Shyamalan – damit vor einem Problem. Immerhin waren "Unbreakable" und "Split" durchaus ziemlich unterschiedliche Filme. Die Erzählweisen und Figuren in eine gemeinsame Handlung zu verbauen, erfordert daher einiges an Finesse.
Ein Film wie zersplittertes Glas
Und hier schwächelt "Glass" deutlich. Der Film, der eigentlich der krönende Abschluss der "Eastrail 177"-Trilogie sein sollte, scheint – ähnlich wie seine Figur Kevin – einfach zu viele Persönlichkeiten in einer Brust vereinen zu müssen. Als Zuschauer verlässt man das Kino daher mit der bohrenden Ungewissheit, ob man denn nun einen Actionfilm, ein Superhelden-Movie oder ein psychologisches Drama gesehen hat?
Die teils sehr überzogen wirkenden Einschübe zum Thema Comics und Fan-Kultur sorgen für unnötige Längen in der Handlung. Beinahe begraben sie sogar die unterschwellig eingebaute Gesellschaftskritik in "Glass". Wer genau zwischen den Zeilen liest, dem fällt allerdings auf, dass Regisseur Shyamalan die Therapieversuche seiner Psychologin nutzt, um alle abzustrafen, die Fantasy als reine Realitätsflucht abtun.
Doch insgesamt sind solche tiefgründigen Lichtblicke in dem "Split"-Sequel leider eher selten. Und auch der Umstand, dass die titelgebende Figur Mr. Glass nun sozusagen hochoffiziell als Antagonist im Spiel ist, macht das Ganze nicht unbedingt besser. Während man in "Unbreakable" noch irgendwie mit dem gestörten Mastermind mitfühlen konnte, bleibt diese "Verbundenheit" im dritten Teil der Reihe fast vollständig auf der Strecke.
Letzte Rettung, oder: Das Beste an "Glass" ist der Cast
Wobei das keineswegs an der Performance von Darsteller Samuel L. Jackson liegt. Überhaupt sind die drei Hauptdarsteller, Bruce Willis, James McAvoy und Jackson, im Grunde das, was "Glass" ein wenig rettet.
Vor allem McAvoy tut sich einmal mehr als grandioser Schauspieler hervor und könnte den Film eigentlich auch als Ein-Mann-Show tragen. Mühelos wechselt er zwischen den insgesamt 24 unterschiedlichen Persönlichkeiten seiner Figur und schafft es dabei sekundenschnell, allein durch Körpersprache und Mimik in eine andere Haut zu schlüpfen. Die zumindest im englischen Original ebenfalls jeweils optimal passende Sprechweise macht die Verwandlung perfekt.
Bruce Willis' etwas ruhigere Interpretation des inzwischen um ganze 19 Jahre gealterten David Dunn sorgt für ein schönes Gegengewicht zu McAvoys enormer Energie. Und auch die Chemie mit dem dritten im Bunde, Samuel L. Jackson, stimmt durchaus.
Stellt sich eigentlich nur noch die Frage, wie Sarah Paulson in diese Männerrunde hineinpasst? Tatsächlich wirkt ihre Figur Dr. Ellie Staple ein wenig, als hätte man ein fremdes Gewächs in ein sonst sehr einheitliches Beet verpflanzt. Zwar bemüht sich Paulson mit der ihr eigenen schauspielerischen Qualität, dem Charakter Leben einzuhauchen. Gegen das irgendwie unpassende Storytelling kann aber selbst die Golden-Globe-Preisträgerin kaum ankommen. Auch die bereits erwähnte mangelnde Durchschlagskraft der von ihr transportierten Gesellschaftskritik dürfte hierin übrigens ihren Ursprung haben. Schade.
Fazit: Starke Schauspieler, schwache Handlung
Insgesamt merkt man "Glass" an, dass sich hinter der zersplitterten Handlung durchaus interessante Gedanken verstecken. Doch diese zu ergründen, gelingt dem Film leider kaum. So werden diverse Handlungsfäden aus "Unbreakable" und "Split" zwar wieder aufgenommen – dafür entstehen an anderer Stelle neue lose Enden.
Allein die schauspielerischen Leistungen von James McAvoy, Bruce Willis und Samuel L. Jackson retten den Film und sorgen dafür, dass man als Zuschauer nicht vollends vor der zersplitterten Handlung resigniert. Vor allem McAvoy liefert eine denkwürdige Performance als Figur mit multipel gespaltener Persönlichkeit ab und ist der eigentliche Fokus, auf den man als Kinobesucher seine Aufmerksamkeit richten sollte.