Mit einer spektakulären Technologie aus Hollywood legst Du bei Videokonferenzen im Home-Office während des Lockdowns den perfekten Auftritt hin. Per Greenscreen kannst Du außerdem professionelle Web-Streams anfertigen. Die Technik ist nicht teuer, funktioniert mit ein bisschen Experimentieren ganz einfach – und liefert beachtliche Ergebnisse. So kannst Du einen Greenscreen selber machen.
- Greenscreen: Von Hollywood ins Home-Office
- Diese Hardware brauchst Du für Deinen Greenscreen
- Hardware für den Greenscreen aufbauen
- Die beste Software: Mit OBS-Studio gestaltest Du Dein Bild
- Tipps und Tricks: So konfigurierst Du OBS Studio für den Greenscreen
- Die Möglichkeiten des Greenscreens sind noch viel größer
Greenscreen: Von Hollywood ins Home-Office
Wer sein Home-Office etwa in Küche oder sogar dem Kinderzimmer eingerichtet hat, muss darauf achten, dass nicht ungewaschenes Geschirr oder Spielzeugberge den Hintergrund des Webcam-Bildes optisch kontaminieren. Videokonferenz-Programme wie etwa Microsoft Teams gestatten es, den Hintergrund auszublenden und durch ein anderes Bild zu ersetzen. Aber: Eigene Hintergründe zu verwenden ist nur per Trick möglich. Und der Hintergrund lässt sich beispielsweise nicht vergrößern oder verkleinern. Zudem erfordert die Lösung reichlich Rechenpower und sieht mitunter nicht optimal aus. Und Gamer brauchen zum Streamen das Spiel als Hintergrund.

Die Idee des austauschbaren Hintergrundes wie in der "Tagesschau" hat mich neugierig gemacht, und ich habe mir das Greenscreen-Verfahren genauer angeschaut. Hollywood verwendet mittlerweile in nahezu allen Filmen Greenscreens, um eindrucksvolle Spezialeffekte zu erzielen. Die Methode ist im Grunde simpel: Die Schauspieler agieren vor einem einfarbigen grünen Hintergrund (früher vor einem blauen). Per Computer wird dann der grüne Farbton durch andere Inhalte digital ersetzt. So steht ein Schauspieler auf dem Filmbild im Wald, während hinter ihm in Wirklichkeit die grüne Wand des Studios ist. Und das geht mit sehr einfachen Mitteln auch zu Hause per PC und angeschlossener Webcam.
Diese Hardware brauchst Du für Deinen Greenscreen

Meine ersten Versuche, einen einfarbigen Hintergrund hinter mir an der Wand zu bekommen, habe ich mit großen grünen Handtüchern und mit violettem Stoff gemacht. Die Handtücher waren aber deutlich zu klein und zu dunkel, und der violette Stoff ist wegen der Farbe ungeeignet. Man verwendet grüne oder blaue Hintergründe, weil diese Farben in der Hautfarbe nicht vorkommen. Wenn man rötliche oder gelbe Töne für den Hintergrund nutzt, was technisch kein Problem ist, blendet die Software beim Erstellen des Bildes nicht nur den Hintergrund aus, sondern eben auch die Anteile der Farbe, die sie in der Haut erkennt. Folge: Man hat virtuelle Löcher im Kopf.
- Ein einfarbiges grünes oder blaues Tuch ist also Pflicht, es sollte auch nicht zu dunkel sein. Da ich kein entsprechendes Bettlaken besitze, habe ich mir ein spezielles grünes Greenscreen-Tuch für etwa 30 Euro gekauft. Ich habe die Größe 4 × 2 Meter gewählt, es gibt auch andere Maße. Wer mobil ist und unterwegs einen Greenscreen benötigt, kann sich praktische ausklappbare Panels kaufen.
- Um Dein Bild aufzunehmen, brauchst Du eine geeignete Webcam. Je besser sie ist, desto besser wird auch das Bild. Man kann problemlos die Kameras verwenden, die in Laptops eingebaut sind.
- Sehr wichtig ist das Licht. Eigentlich benötigst Du für die perfekte Ausleuchtung eines Greenscreen fünf Leuchten: Zwei Lampen hinter Dir für den Hintergrund, eine für Deinen Kopf und zwei links und rechts neben der Kamera. Da ich erst einmal nur experimentiere, habe ich es mit Tageslicht versucht – und damit durchaus ansehnliche Ergebnisse erzielt. Wer hohe Qualitätsansprüche hat, kommt aber um eine zusätzliche Beleuchtung nicht herum, das Minimum sind drei Lichtquellen.
- Der Computer sollte nicht zu alt und schwach sein. Mein PC mit Xeon-CPU (3,4 GHz) und 16 GB ist jetzt fünf Jahre alt und schafft es problemlos. Mein MacBook Pro (Retina, 13 Zoll, 2,6 GHz, 8 GB) wirft heftig den Lüfter an und kommt ganz schön in Fahrt, es läuft aber flüssig. Gut zum Einrichten und Produzieren sind in jedem Fall zwei Bildschirme.

Hardware für den Greenscreen aufbauen
Beim Aufhängen des grünen Tuchs habe ich einiges probiert. Ich habe mich dann entschieden, es möglichst faltenfrei mit Reißzwecken am Holzregal und an der Wand zu befestigen. Das hat den Vorteil, dass man das Tuch schnell wieder abbauen kann. Im Regal sind die kleinen Löcher kaum sichtbar, und in der Wand lassen sie sich schnell mit etwas weißer Farbe oder Tipp-Ex beseitigen – wenn man eine weiße Wand hat. Du kannst das Tuch aber auch über eine gespannte Leine aufhängen, und es gibt sicher noch viele andere Möglichkeiten. Es sollte so faltenfrei aufgehängt und so gleichmäßig und schattenlos ausgeleuchtet sein wie möglich.

Die Kamera klemmst Du vor Dir auf den Bildschirm und schaust, welcher Winkel und welche Entfernung optimal sind – soweit sich das eben ändern lässt. Gut fürs Bild ist es, wenn Du mit ein wenig Abstand vor dem grünen Hintergrund sitzt oder stehst. Auf jeden Fall sollte so viel Fläche des Kamerabildes wie möglich von dem grünen Tuch abgedeckt sein. Alles, was sich davor befindet und nicht grün ist, wird später im Bild sichtbar. Solltest Du Licht einsetzen, sorge zuerst dafür, dass der Hintergrund beleuchtet ist. Dafür platzierst Du die Lichtquelle am besten hinter Dir, dann gibt es keine störenden Schatten.
Die beste Software: Mit OBS-Studio gestaltest Du Dein Bild

Ist alles aufgebaut, benötigst Du ein Programm, mit dem Du Deine Greenscreen-Bilder komponierst. Profis verwenden dafür teure Videobearbeitungs-Programme – ich empfehle OBS Studio. Das ist für die Videokonferenz, zum Streamen und für andere heimische Zwecke mehr als ausreichend und vor allem kostenlos (unter der GNU General Public Lizenz v2. 0 frei verfügbar). Es gibt Versionen für Windows, MacOS und Linux, die Bedienung zumindest der Standard-Funktionen ist einfach. Willst Du Dich stärker in die Materie vertiefen, bietet das Programm unendlich viele Möglichkeiten und ist sehr mächtig. Zum Start mit dem Programm musst Du einiges wissen:
- Die Systemvoraussetzungen: mindestens Windows 7 SP1 und eine mit DirectX 10.1 kompatible Grafikkarte. Bei macOS ein Intel-Prozessor, mindestens macOS 10.12 und eine mit OpenGL 3.2 kompatible Grafik.
- Bei der Installation kannst Du OBS Studio entweder fürs Streamen einrichten und beispielsweise mit einem Twitch-Account verbinden. Oder Du lässt die Software automatisch für die lokale Aufnahme und die Videokonferenz konfigurieren. Alle Einstellungen kannst Du natürlich später noch ändern.
- Ganz wichtig: Um OBS Studio für Videokonferenzen zu nutzen, benötigst Du zusätzlich eine virtuelle Webcam, damit Programme wie Microsoft Teams und Zoom darauf zugreifen können. Für Mac-Nutzer ist die Sache hier leider etwas schwieriger. Es gibt zwar ein Plug-in, aber Du solltest unbedingt testen, ob das mit Deinem Videokonferenz-Programm auch wirklich funktioniert. Auf meinem MacBook klappt es beispielsweise mit Google Hangouts.
- Tipp: Um die tollen Filter von Snapchat in Deine Greenscreen-Aufnahmen einzubauen, kannst Du Dir das Programm Snapcam herunterladen. Du musst dann in OBS Studio Snapcam als Quelle angeben. Bei mir hat das nach etwas Probieren und einem Neustart geklappt. Wichtig: Starte Snapcam vor OBS Studio, damit Snapcam die Kamera nicht als blockiert erkennt. In OBS Studio musst Du als Quelle "Snapcam" wählen, statt Deiner Webcam. In Snapcam kannst Du dann Filter aktivieren und deaktivieren, wenn Du keine lustigen Bilder von Dir in der Videokonferenz mit dem Chef oder dem Lehrer brauchst.
Tipps und Tricks: So konfigurierst Du OBS Studio für den Greenscreen
Es ist nicht möglich, die ganzen Funktionen und Einstellmöglichkeiten von OBS Studio auch nur ansatzweise zu beschreiben. Deshalb kommt hier nur ein kurzer Konfigurations-Guide, wie Du Deinen ersten Greenscreen für Videokonferenzen erstellen und einstellen kannst.
- Programm starten und Quellen wählen: Wenn Du das Programm startest, solltest Du zuerst eine Quelle wählen, es gibt sehr viele Möglichkeiten. Fange am besten mit Deiner Webcam an, Du findest sie unter dem Punkt "Videoaufnahmegerät". Klicke dazu auf das "+" unter "Quellen". Du nennst die Quelle am besten einfach "Webcam". Wenn Du alles richtig gemacht hast, solltest Du Dich jetzt vor Deinem grünen Tuch sitzen sehen.
- Chroma-Key-Filter aktivieren und einstellen: Um den grünen Hintergrund auszublenden und durch andere Inhalte zu ersetzen, musst Du den Chroma-Key-Filter für Deine Webcam-Quelle installieren. Klicke dazu mit der rechten Maustaste auf dein Webcam-Bild und wähle fast ganz unten "Filter" aus. Im folgenden Dialog klickst Du unter "Effektfilter" auf das "+" und aktivierst dann "Chroma Key". Hier kannst Du wählen, welche Farbe Dein Hintergrund hat. Standardmäßig stehen zur Verfügung "Grün", "Blau" und "Magenta". Hast Du alles bestätigt und richtig gemacht, wird der grüne Hintergrund hinter Dir grau oder schwarz. Der Filter hat diverse wichtige Einstellungen, für den Anfang solltest Du Dich vor allem mit "Ähnlichkeit" und "Glätte" befassen. Damit legst Du fest, in welchem Grüntonbereich der Filter aktiv wird. Bei schlechteren Lichtverhältnissen kannst Du mit dem Regler "Ähnlichkeit" viele Schatten ausgleichen. Mit "Glätte" verfeinerst Du den Effekt noch einmal. Spiele an den Reglern herum. welche Einstellungen für Dich ideal sind.
- Quellen zuschneiden und Reihenfolge festlegen: Um die Effekte zu erzielen, solltest Du die Kamera-Quelle so beschneiden, dass hinter Dir nur schwarze Fläche sichtbar ist. Dazu klickst Du auf das Bild, hältst die Alt-Taste gedrückt und ziehst an den Anfassern des Bildrahmens an den Seiten Dein Bild so zurecht, dass es passt. Möglicherweise reicht Dein grünes Tuch nicht in alle Ecken, die die Kamera aufnimmt – diese Bereiche lassen sich aus dem Bild schneiden, indem Du es verkleinerst. Füge dann wie oben in Schritt eins beschrieben eine weitere Quelle hinzu, etwa ein Bild, das auf Deinem Computer gespeichert ist. Indem Du die Reihenfolge festlegst, in der die Quellen virtuell aufeinandergestapelt sind, erzielst Du die Effekte. Lege die Webcam ganz nach oben, indem Du sie im Quellen-Feld mit der Maus per Drag und Drop an die erste Stelle ziehst. Genauso verfährst Du mit den vielen anderen Quellen, die möglich sind: Webbrowser, Filme, Farben, Bildschirme, Töne, Spiele und vieles mehr.
- Virtual Cam starten: Damit Dein Bild zum Beispiel in einer Videokonferenz ankommt, musst Du jetzt unter "Werkzeuge" die Virtual Cam starten. Klicke dazu einfach auf "Start" und schließe das Fenster wieder. Im Videokonferenz-Programm wählst Du nun die "OBS-Camera" als Quelle aus – und Dein in OBS Studio komponiertes Bild erscheint in der Videokonferenz.
Die Möglichkeiten des Greenscreens sind noch viel größer
Ich bin selbst Einsteiger in Sachen Greenscreen-Technologie und will betonen, dass die Möglichkeiten noch viel umfassender sind, als ich hier zeigen kann. Wer die Technik ausprobieren möchte, kann dies aber ohne viel Aufwand machen – mit beachtlichen Ergebnissen. Wer die Technologie ausreizen will, benötigt aber deutlich mehr als ein grünes Tuch an der Wand:
- sehr gutes Licht
- eine faltenfreie Greenscreen-Lösung
- viel Platz
- eine gute Webcam mit hoher Auflösung
- viel Erfahrung mit OBS Studio
- und jede Menge Ideen und Kreativität
Dann sind mit immer noch vertretbarem Aufwand sogar Lösungen drin, die professionellen Ansprüchen genügen. Denn von der Grundidee her passiert in Hollywood-Studios auch nichts anderes.