HTC Desire 10 Lifestyle im Test: Einfallsreicher Einsteiger

Das HTC Desire 10 Lifestyle bietet ein frisches, elegantes Design.
Das HTC Desire 10 Lifestyle bietet ein frisches, elegantes Design. Bild: © TURN ON 2016

Das HTC Desire 10 Lifestyle möchte mit einem stilvollen Äußeren und Hi-Fi-Sound begeistern. Ob das Einsteiger-Smartphone seine Versprechen einhält, was es sonst noch bietet und wo gespart wurde, haben wir uns im Test angesehen.

HTC macht auf der Produktwebsite zum Einsteiger-Smartphone HTC Desire 10 Lifestyle für rund 300 Euro allerlei Versprechungen. Dazu gehören jene, dass sich "dieses unverwechselbare Telefon von der Masse" abhebt, "Sound in Studioqualität" sowie ein frei anpassbares Freestyle-Layout für den Homescreen biete, dass es Dich "beeindruckende Fotos mit der Front- und Rückkamera" knipsen lässt und "mehr Raum" (viel Speicherplatz) ist angeblich auch an Bord. Im Test haben wir geprüft, was an den Versprechungen dran ist – und was HTC vielleicht nicht erwähnt.

Stilvolles Plastik: Das Design

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Die kontrastreiche Goldkontur lässt das Plastik-Smartphone edel wirken. Bild: © TURN ON 2016

Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass HTC sein Versprechen in puncto Design halten kann. Das Smartphone hebt sich mit seinen goldfarbenen Linien an den Rändern im Kontrast zum matten Gehäuse tatsächlich von der Masse ab. Neben unserem schwarzen Modell stehen noch blaue und weiße Modelle zur Auswahl. Sicher: Wenn HTC von einer "metallischen" Umrandung spricht, ist damit nur Plastik gemeint, das nach Metall aussehen soll.

Aber sei es drum, denn Smartphones aus echtem Metall haben eine Reihe von Nachteilen, vor allem jene, dass das Material leichter zerkratzt. Plastik ist eine pragmatische Wahl für einen Gebrauchsgegenstand und es handelt sich nun einmal um ein Einsteiger-Gerät. Vom ungewöhnlichen Design abgesehen verspricht HTC eine "gute Griffigkeit" des Handys. Und tatsächlich: Das Smartphone besticht durch eine solide, sichere Handhabung ohne großes Rutsch-Risiko.

Urteil: Versprechen erfüllt

Gemischte Gefühle: Die technischen Daten

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Sowohl Dual-SIM als auch ein microSD-Eingang werden geboten. Bild: © TURN ON 2016

Auf den ersten Blick überzeugen auch die technischen Daten: Ein 5,5 Zoll großes IPS-Display, wenn auch nur mit einer HD-Auflösung von 1280 x 720 Pixeln, 32 GB interner Speicher (etwa 25 GB frei), der sich via microSD-Karte um bis zu 256 GB erweitern lässt und 3 GB RAM sprechen für ein solides Einsteiger- bis Mittelklasse-Gerät. Die Dual-SIM-Funktion ist nett und die Kameras mit ihrer Auflösung von 13 MP und 5 MP bei der Selfie-Cam gehen zumindest in Ordnung.

Doch beim Blick auf den Prozessor rutscht mir das Monkokel aus dem Auge: Ein Qualcomm Snapdragon 400 in der Quad-Core-Variante. Dieser Prozessor wurde Mitte des Jahres 2013 vorgestellt, ist also schon mehr als drei Jahre alt. Dazu kommt: Bereits 2013 gehörte er nur zur Einstiegsklasse. Das kann man sich heute eigentlich nicht mehr erlauben.

Urteil: Gute Ausstattung bis auf den lahmen Prozessor

Geht in Ordnung: Performance und Display

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Mit dem Freestyle-Homescreen kann man der Benutzeroberfläche einen völlig anderen Look verpassen, als man ihn von Android kennt. Bild: © TURN ON 2016

Trotz des theoretisch extrem lahmen Prozessor navigiert es sich flüssig durch die Homescreens. Das Starten und Nutzen von Apps dauert teils etwas länger, allerdings hat HTC auch hier alles rausgeholt, was aus dem alten Chip rauszuholen war. Grundfunktionen und einfache Apps wie Telefonieren, Rechner, Google Play Music und Kontakte öffnen sich sogar recht flott.

Für das Surfen im Web sollte man sich hingegen eine Kaffeepause gönnen, denn Websites brauchen schon einmal gut zehn Sekunden zum Laden. Bild- und Videobearbeitung sowie das Starten von Spielen wird dann endgültig zur Geduldsprobe. Erstaunlicherweise funktioniert aber selbst das neue "Asphalt Xtreme" noch in den höchsten Einstellungen recht flüssig. Das liegt wohl an der verhältnismäßig geringen Bildschirmauflösung. Dafür genehmigt es sich viel Zeit zum Laden.

Das Display ist etwas dunkel für eine direkte Sonneneinstrahlung und bietet nur eine HD-Auflösung. Davon abgesehen überzeugt es jedoch durch gute Farben, Kontraste und Blickwinkel. HTCs Freestyle-Layout für die individuelle Gestaltung des Homescreens bietet tatsächlich einen ganz anderen Look, als man es von Android gewöhnt ist und man kann sich gut gemachte Themen und Sticker dafür gratis von HTC herunterladen.

Urteil: HTC holt überraschend viel aus dem alten Prozessor raus und das Display weiß für die Preisklasse zu überzeugen

Rockt nur mit Kopfhörern: Audio

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Mit Kopfhörern rockt das Desire 10 Lifestyle, aber die "BoomSound"-Lautsprecher taugen hier nichts. Bild: © TURN ON 2016

HTC wirbt mit Dolby Audio und der Unterstützung von 24-Bit-Audiodateien. Beides sind Software-Lösungen plus eine Dolby-Lizenz, damit man den Namen verwenden darf. Theoretisch lassen sich diese Features also nachträglich auf jedem Android-Smartphone unterbringen. HTC verspricht trotzdem: "Du kannst helle Stimmen, tiefe Bässe und feinde Audiodetails hören". Außerdem sollen die BoomSound-Stereolautsprecher "eine bei Smartphones noch nie gekannte Audioqualität" bieten.

Nun, das tun sie nicht. Die BoomSound-Lautsprecher klingen wie durchschnittliche Smartphone-Lautsprecher und nicht besser. Man kann ihnen höchstens zugute halten, dass man Stimmen klar versteht, aber Musik scheppert bereits bei niedrigeren Lautstärken und Bass ist praktisch nicht zu hören. Anders sieht es aus, wenn man die mitgelieferten In-Ears oder andere Kopfhörer an das Smartphone anschließt. Dann besticht Musik tatsächlich durch eine höhere Qualität mit besserer Stereo-Kanaltrennung, als man das von den meisten anderen Smartphones kennt. Für Hi-Fi-Kopfhörer hat das Smartphone zu wenig Power, aber durchschnittliche Kopfhörer werden gut versorgt.

Urteil: Sehr guter Sound über Kopfhörer, aber mäßige "BoomSound"-Lautsprecher

Kunterbunte HDR-Welt: Die Kameras

Die Selfie-Cam macht ordentliche Bilder und beherrscht auch HDR. fullscreen
Die Selfie-Cam macht ordentliche Bilder und beherrscht auch HDR. Bild: © TURN ON 2016
Mit dem farb- und kontrastverstärktenden HDR wirkt die Barmbeker Straßenbrücke im Herbst fast ein wenig gespenstisch. fullscreen
Mit dem farb- und kontrastverstärktenden HDR wirkt die Barmbeker Straßenbrücke im Herbst fast ein wenig gespenstisch. Bild: © TURN ON 2016
Ohne HDR sind Fotos etwas düsterer als die Realität, aber die Qualität geht bei Tageslicht trotzdem in Ordnung. fullscreen
Ohne HDR sind Fotos etwas düsterer als die Realität, aber die Qualität geht bei Tageslicht trotzdem in Ordnung. Bild: © TURN ON 2016
Die intensive Cartoonoptik von HDR-Aufnahmen hat einen gewissen Reiz. fullscreen
Die intensive Cartoonoptik von HDR-Aufnahmen hat einen gewissen Reiz. Bild: © TURN ON 2016
Stimmen die Lichtverhältnisse und wählt man den richtigen Modus, dann gelingen mit dem Desire 10 Lifestyle schöne Aufnahmen am Tag. fullscreen
Stimmen die Lichtverhältnisse und wählt man den richtigen Modus, dann gelingen mit dem Desire 10 Lifestyle schöne Aufnahmen am Tag. Bild: © TURN ON 2016
Die Selfie-Cam macht ordentliche Bilder und beherrscht auch HDR.
Mit dem farb- und kontrastverstärktenden HDR wirkt die Barmbeker Straßenbrücke im Herbst fast ein wenig gespenstisch.
Ohne HDR sind Fotos etwas düsterer als die Realität, aber die Qualität geht bei Tageslicht trotzdem in Ordnung.
Die intensive Cartoonoptik von HDR-Aufnahmen hat einen gewissen Reiz.
Stimmen die Lichtverhältnisse und wählt man den richtigen Modus, dann gelingen mit dem Desire 10 Lifestyle schöne Aufnahmen am Tag.

Bei der HDR-Aufnahme werden mehrere Fotos nacheinander aufgenommen und diese werden dann zu einem Bild zusammengelegt, das durch eine gleichmäßigere Ausleuchtung, einen höheren Kontrast und eine höhere Helligkeit überzeugen möchte. Mit dem HTC Desire 10 Lifestyle werden normale Fotos eher etwas zu dunkel und HDR-Fotos dafür etwas zu hell aufgenommen, man kann sich also zwischen Unter- und Überbelichtung entscheiden. Mit HDR wirken die Fotos außerdem etwas cartoonhafter als die Wirklichkeit. So krasse Farben gibt es da draußen eigentlich nicht. Trotzdem hat der Effekt einen gewissen Reiz und ist bei schlechten Lichtverhältnissen unverzichtbar.

Nachtaufnahmen funktionieren zumindest, wodurch das Desire 10 Lifestyle dem Huawei Nova (siehe unser Test) um einen Schritt voraus ist, das bei Dunkelheit ohne Blitz erst gar nicht fokussiert oder auslöst. Man erkennt halbwegs, was man da fotografiert haben mag, aber der Qualitätsabfall im Vergleich zu Tageslichtaufnahmen ist deutlich. Derweil gelingen bei Tageslicht durchaus ansehnliche Fotos, vom Belichtungsproblem abgesehen. Die Selfie-Cam macht ordentliche Selfies. Die Videos leiden unter dem langsamen Autofokus und dem langsamen Prozessor. Die Kamera-App ist arm an Features, gerade im Vergleich zum Huawei Nova, und das Knipsen kann etwas länger dauern.

Urteil: Fotos sind entweder über- oder unterbelichtet und die Nachtaufnahmen gehören in keine Galerie, aber bei Tageslicht gelingen insgesamt ordentliche Aufnahmen

Fazit: Hat sich was einfallen lassen

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HTC hat sich einiges überlegt, damit sich das Desire 10 Lifestyle von der Konkurrenz absetzen kann. Bild: © TURN ON 2016

HTC kann die meisten Versprechen einlösen. Das HTC Desire 10 Lifestyle bietet ein ungewöhnliches, schickes Design und eine gute Handhabung. 3 GB RAM, 32 GB erweiterbarer Speicher und ein 5,5 Zoll großes IPS-Display erfreuen den Nutzer, aber der drei Jahre alte Snapdragon 400 ist eigentlich ein No-Go. Trotzdem holt HTC erstaunlich viel aus dem steinalten Einsteiger-Chip heraus und erst beim Surfen, beim Fotos und Videos machen und bearbeiten sowie beim Laden von Apps merkt man ihm sein Alter an, nicht aber beim Navigieren im Homescreen und beim Zugriff auf Grundfunktionen und einfachere Apps.

Der Sound überzeugt beim Gebrauch von Kopfhörern durch Klarheit, Dynamik und eine gute Kanaltrennung, aber "BoomSound" ist nur Marketing und steht nicht mehr für gute Lautsprecher. Die Kamera hat Belichtungsprobleme, macht bei Tageslicht aber anständige Aufnahmen. HTC hat sich mit dem Desire 10 Lifestyle auf jeden Fall etwas einfallen lassen, um aus der Masse herauszustechen. Warum nur musste man diesen uralten Prozessor verbauen? Er ist dafür verantwortlich, dass der Preis von 300 Euro etwas zu hoch gegriffen ist. Wer mit dem langsamen Prozessor leben kann, kann trotzdem einen Blick auf das schicke Smartphone mit tollem Kopfhörer-Sound und großem Display werfen, sobald es 50 Euro günstiger wird.

Angebot
HTC Desire 10 Lifestyle
HTC Desire 10 Lifestyle
  • Datenblatt
  • Hardware und software
  • Gerätetyp
    Smartphone
  • Abmessungen
    156,9 x 76,9 x 7,7 Millimeter
  • Gewicht
    155 Gramm
  • Farben
    Schwarz, Weiß, Dunkelblau, Hellblau
  • Lieferumfang
    HTC Desire 10 Lifestyle, Netzteil, USB-Kabel, Headset, Schnellstartanleitung
  • Display-Größe
    5,5 Zoll
  • Display-Auflösung
    1280 x 720 Pixel
  • Prozessor-Taktung
    Quad-Core-Prozessor
  • Prozessor
    Qualcomm Snapdragon 400
  • Arbeitsspeicher
    3 GB RAM
  • Speicherkapazität
    32 GB (via microSD erweiterbar)
  • Betriebssystem
    Android 6 Marshmallow
  • Kamera
    Rückkamera (13 Megapixel) und Frontkamera (5 Megapixel)
  • SIM-Karten-Format
    Nano-SIM
  • Anschlüsse
    Micro-USB 2.0, 3,5-mm-Stereo-Audioanschluss
TURN ON Score:
3,5von 5
  • Design
    4,5
  • Handling
    5,0
  • Preis-Leistung
    3,5
  • Hardware
    2,5
  • Klang
    4,0
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