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Klimabilanz bei Apple: Wie nachhaltig ist das iPhone tatsächlich?

Demontage-Roboter Daisy kann mittlerweile neun iPhone-Generationen zerlegen und wertvolle Materialien zurückgewinnen.
Demontage-Roboter Daisy kann mittlerweile neun iPhone-Generationen zerlegen und wertvolle Materialien zurückgewinnen. Bild: © Apple 2021

Nachhaltiges Handeln ist eine globale Aufgabe – und Apple als eines der größten Unternehmen der Welt sieht sich hier in einer Art Vorbildfunktion. Doch wie nachhaltig ist Apple tatsächlich und wie hoch ist der CO2-Fußabdruck eines iPhones? Wir werfen einen genaueren Blick auf Apples Klimabilanz.

Apple selbst ist bereits CO2-neutral – zumindest an seinen Bürostandorten. Damit ist der iPhone-Hersteller auf einem guten Weg in puncto Nachhaltigkeit, doch für das Brot- und Buttergeschäft des Konzerns – die iPhone-Produktion – gilt das nicht. Noch nicht jedenfalls. Apple hat das ehrgeizige Ziel formuliert, bis spätestens 2030 komplett klimaneutral zu werden.

Doch ganz allein hat Apple es nicht in der Hand, ist stattdessen auf seine zahlreichen Zulieferer zugewiesen, die in Fernost sitzen – und derzeit noch weit weg von einer CO2-freien Produktion sind. Das soll sich ändern. Zum einen verpflichtet Apple seine Lieferkette dazu, zum anderen fließen viele Gelder in die Unterstützung des Vorhabens.

Apple Nachhaltigkeits-Offensive: Diese drei Grundsteine gibt es

Aus Apples aktuellem Umweltbericht geht hervor, dass die Strategie des Unternehmens auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse erfolge und auf drei entscheidenden Säulen aufbaue:

Umweltschutz Ressourcen Intelligentere Chemie
Kohlenstoffarmes Design Rohstoffe Zuordnung und Einbindung
Energieeffizienz Water Stewardship Bewertung
Strom aus erneuerbaren Energien Vermeidung von Deponieabfällen Innovation
Direkte Emissionsverringerung - -
CO2-Abbau - -

Was heißt das konkret? Apple will bis 2030 seinen Fußabdruck CO2-neutral gestalten, weswegen man die Emissionen im Vergleich zu 2015 bereits um 75 Prozent gesenkt habe. Produkte und Verpackungen sollen ausschließlich aus recycelten oder erneuerbaren Rohstoffen hergestellt werden. Der Umgang mit Wasser soll nachhaltiger und Abfall auf Deponien komplett vermieden werden. Produkte sollen durch innovative Chemie für alle sicher und nachhaltiger werden.

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Apple setzt vollständig auf erneuerbare Energien, hier eine Solarfarm in Kalifornien, die Apples Konzernzentrale mit Strom versorgt. Bild: © Apple 2021

Apples aktueller CO2-Ausstoß und Prognose bis 2023

Im Jahr 2020 hat Apple insgesamt 22,6 Millionen CO2 ausgestoßen – wovon mehr als zwei Drittel (70 %) auf die Produktion entfielen. Fünf Jahre zuvor waren es noch 38,4 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Würde man das vielfach diskutierte Tempolimit von 130 km/h auf deutschen Autobahnen einführen, könnten dadurch etwa 1,9 Millionen Tonnen an CO2 eingespart werden (Studie Umweltbundesamt).

"Dies ist nicht die Zeit für beiläufige Veränderungen. Gemeinsam können wir eine CO2 neutrale Wirtschaft und gerechte Chancen für alle Menschen schaffen. Dies ist die Zeit für Ambitionen, Zusammenarbeit und Führungsstärke."

Wirft man einen Blick auf die CO2-Bilanz der vergangenen Jahre von Apple, ist das Abflachen der Kurve – mit einer kleineren Ausnahme 2019 – deutlich zu erkennen. Schlägt das Unternehmen diesen Weg weiter erfolgreich ein, könnte das große Ziel der Klimaneutralität 2030 tatsächlich erreicht werden.

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Innerhalb der kommenden Jahre will Apple den CO2-Ausstoß weiter senken. Bild: © Apple 2021

So sieht die Umweltbilanz des iPhones aus

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Will man Apples Bemühungen für ein nachhaltigeres, wirtschaftliches Agieren konkret an einem Beispiel festmachen, bietet sich das aktuelle Vorzeigeprodukt des Herstellers an – das iPhone 13. Apple hat sein Flaggschiff-Smartphone vor dem Hintergrund einer möglichst geringen Auswirkung auf die Umwelt entwickelt. Das zeigt sich an kleineren Details: So wurden die Antennenleitungen des Handys aus recycelten Kunststoff-Wasserflaschen gefertigt. Diese wiederum wurden chemisch in ein stärkeres Hochleistungsmaterial verändert – einmalig in der Branche, sagt Apple.

 

Episode 12: Klimaschutz: Wird Technik endlich nachhaltig?

  • 100 Prozent recycelte Seltene Erde-Metalle für die MagSafe-Magneten.
  • Zinn im Lötmittel der Hauptplatine und der Batteriemanagementeinheit ist zu 100 Prozent recycelt.
  • 100 Prozent recyceltes Gold für Plattierung der Hauptplatine und Verdrahtung der Kameras.
  • Keine Umverpackung aus Kunststoff aufgrund neu designter Verkaufsverpackung.
  • Einsparung dadurch: 600 Tonnen Kunststoff Jahr für Jahr.
  • Ziel: bis 2025 komplett auf Kunststoff in Verpackungen verzichten.
Nachhaltigkeit iPhone 13
Materialien 99 % recyceltes Wolfram und 98 % Seltene Erde-Metalle
Energieeffizienz 54 % geringerer Energieverbrauch, als es das US-Energieministerium für Akkuladegeräte vorsieht
Verpackung 100 % der Holzfasern aus recycelten Quellen, 95 % der Verpackungen bestehen aus Holzfasern

Entscheidend für die Bewertung des CO2-Ausstoßes ist aber nicht nur die Produktion, sondern der gesamte Lebenszyklus eines Geräts. Folgende Prozesse werden dabei berücksichtigt:

  • Gewinnung der Materialien
  • Produktion
  • Verpacken und Ausliefern
  • Nutzung
  • Recycling

Blickt man auf die vergangenen iPhone-Modelle, wird klar, dass der CO2-Ausstoß über die vergangenen Jahre relativ konstant geblieben ist – und erst mit dem iPhone 13 signifikant reduziert wurde.

Modell CO2-Ausstoß über Lebenszeitraum
iPhone 13, 128 GB 64 kg
iPhone 12, 64 GB 70 kg
iPhone 11, 64 GB 70 kg
iPhone XS, 64 GB 70 kg
iPhone X, 64 GB 79 kg

Das iPhone und die Reparierbarkeit: Hier gibt es Luft nach oben

Ein wichtiger Baustein für nachhaltiges Handeln sind nicht nur Dinge wie Produktion, Verpackung und dergleichen – sondern auch, wie gut sich ein Gerät wieder reparieren lässt. Und hier hat Apple gehörig Nachholbedarf, wie Teardowns immer wieder zeigen. Reparatur-Experten haben jüngst das iPhone 13 Pro zerlegt und geprüft, wie einfach sich das Smartphone reparieren lässt. Die Endbewertung: 5 von 10 Punkten und damit allenfalls Durchschnitt. Und zu wenig für einen Konzern, der sich selbst als Vorreiter für einen nachhaltigeren Umgang mit unseren Ressourcen versteht.

"Wir tun nicht so, als hätten wir alle Antworten. Was wir haben, sind Ziele, die wir erreichen wollen, und eine weltweite Community von Unter­nehmen, die das Richtige für die Menschen und den Planeten tun wollen."

Zwar hat Apple hier Fortschritte erzielt – viele iPhone-Komponenten sind mittlerweile modular aufgebaut und auch auf den unliebsamen Kleber verzichtet Apple zunehmend – doch das Displayglas lässt sich nach wie vor nicht ohne Weiteres tauschen. Noch dazu haben es Drittanbieter mit Reparaturen schwer, da Apple gewisse Bauteile an die Software des Geräts koppelt. Immerhin hat Apple dazu gelernt: Das erste iPhone aus dem Jahr 2007 erzielte einen mickrigen Reparierbarkeits-Score von nur 2 Punkten. Teilweise musste sogar gelötet werden, wollte man das erste iPhone reparieren.

Dass es auch anders geht, zeigen Hersteller wie Shiftphone oder Fairphone. Die dritte Generation des Fairphones erreichte 2019 im Ranking von iFixit den Höchstwert – 10 von 10 Punkte. Nicht nur, dass der Hersteller auf seiner Seite selbst Ersatzteile anbietet und mit Reparaturanleitungen hilfreich zur Seite steht, auch der Austausch einzelner Module ist sehr einfach.

iPhone ohne Netzteil: Kleiner Schritt, große Wirkung

An anderer Stelle zeigt sich hingegen, wie viel Effekt vermeintlich kleine Änderungen tatsächlich erzielen: Seit dem Jahr 2020 verzichtet Apple sowohl bei der Apple Watch als auch beim iPhone auf das sonst obligatorische Netzteil.

Was nicht wenige als Gewinn-Maximierung verstehen – ein durchaus naheliegender Gedanke –, ergibt auch aus ökologischer Sicht Sinn. Denn: Auf eine Versandpalette passen so rund 70 Prozent mehr Produkte, weswegen die Emissionen durch den Transport deutlich gesenkt werden. Zugleich wird weniger Kunstoff und Zink benötigt, an denen Netzteile einen ordentlichen Anteil haben. Apple rechnet mit einer Einsparung von 861.000 Tonnen an Kupfer, Zinn und Zink. Kleine Maßnahme, große Wirkung.

Auch das Argument, dass viele Verbraucher ohnehin schon ein oder mehrere Netzteile zu Hause haben, ist nicht von der Hand zu weisen. Mit Spannung bleibt zu erwarten, ob auch andere Hersteller Apple folgen werden – wie seinerzeit beim Wegfall des Kopfhöreranschlusses. Erst belächelt, wenig später ist nahezu die gesamte Industrie nachgezogen. Gut möglich, dass das auch beim Netzteil der Fall sein wird.

Recycling alter iPhones: Vorhang auf für – Daisy

Eine wichtige Rolle bei der CO2-Einsparung nimmt auch das Recycling alter iPhones ein. Denn: Altgeräte sollten möglichst nicht ungenutzt in den eigenen vier Wänden verstauben – wie es in vielen Haushalten sicher noch der Fall ist –, sondern in den Kreislauf zurückgeführt werden. Nur so können Altgeräte dem Recyclingprozess zugeführt werden, um daraus neue Materialien zurückgewinnen zu können.

Dafür hat Apple schon vor langer Zeit ein eigenes Trade-in-Programm ins Leben gerufen, bei dem alte iPhones beim Kauf eines neuen iPhones eingeschickt werden können. Je nach Modell wird ein bestimmter Wert beim Kauf verrechnet. Wer es lieber nachhaltiger mag, greift gleich zu einem Refurbished iPhone.

Für ausgediente iPhones kommt hingegen ein spezieller Demontage-Roboter von Apple im Einsatz. Auf Basis der Erfahrungen mit Apples erstem Roboter namens Liam im Jahr 2016 wurde Daisy erschaffen. Der Roboter kann bis zu 200 iPhones pro Stunde zerlegen und unterstützt mittlerweile neun Geräteversionen. Komponenten werden so automatisch sortiert und entfernt, sodass Apple wertvolle Materialien zurückgewinnen kann. Das reicht dem Hersteller aber noch nicht: Ein Roboter namens "Dave" geht noch einen Schritt weiter und zerlegt sogar die Tapic Engine von iPhones, um besser Seltenerdmagnete und Wolfram zurückzugewinnen.

Fazit: Apple macht vieles richtig – doch reicht das?

Apple ist auf dem richtigen Weg und hat sich selbst ambitionierte Ziele auferlegt: bis 2030 sollen alle Apple-Geräte vom iPhone über das iPad bis hin zum Mac klimaneutral produziert werden. Dass Apple es ernst meint, zeigt sich an der vorbildhaften Transparenz, die in der Branche sicher einmalig ist. Detailliert listet Apple für jedes hergestellte Produkte die individuelle Klimabilanz auf – selbst für die ersten iPhones oder sogar für Produkte wie einen iPod shuffle. Vergleichbare Berichte konnten wir bei der Konkurrenz in dieser Detailtiefe nicht entdecken, wenngleich auch Unternehmen wie Samsung oder Microsoft viel dafür tun, den Aspekt der Nachhaltigkeit stärker ins Bewusstsein zu rücken.

Doch so sehr Unternehmen alles daran setzen, möglichst klimaneutral zu agieren – jeder Einzelne sollte sein eigenes Konsumverhalten ebenfalls hinterfragen: Was kann ich dazu beitragen, unsere Erde nicht länger über Gebühr zu belasten? Dazu gehören viele Dinge: Muss es jedes Jahr das neue iPhone sein, sind Billigflieger-Kurztrips mehrmals jährlich wirklich notwendig, muss ich mit 180 km/h über die Autobahn brettern? Jeder Einzelne kann dazu beitragen, die Welt ein Stück weit besser zu machen. Apple macht es vor – doch dieser globale Kraftakt erfordert die Mitwirkung der gesamten Menschheit. Apple hat den Anfang gemacht, doch das Ziel ist noch in weiter Ferne.

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Seit mehr als einem Jahrzehnt bin ich treuer iPhone-Nutzer – und es gab Zeiten, in denen es jedes Jahr das neueste Modell sein musste. Davon bin ich mittlerweile abgerückt. Nicht nur, weil die iPhones selbst immer teurer werden. Sondern auch, weil es gar nicht notwendig. Apple baut seine iPhones so, dass man sie über viele Jahre hinweg ideal nutzen kann. Und das ist der wohl effektivste und nachhaltigste Umgang mit Geräten – sie einfach möglichst lange nutzen.

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