Ein bisschen wirkt es so, als könne sich das Surface 3 nicht entscheiden was es sein will. Tablet? Oder Laptop? Microsoft sagt: beides. Aber kann das wirklich gut gehen? Das wollten wir herausfinden und haben uns den kleineren und günstigeren Modellbruder des Surface Pro 3 im Test einmal genauer angesehen.
- Kleiner, leichter, günstiger: Das Surface 3 ohne "Pro"
- Design & Handling: So schick, aber nicht so flexibel wie das Pro 3
- Display: Glänzend in jeglicher Hinsicht
- Hardware & Ausstattung: Endlich ein vollwertiges Windows
- Konnektivität: Ein Haufen Anschlüsse für die Nutzung als PC
- Akkuleistung: Stark im Stand-by, akzeptabel im Betrieb
- Fazit: Weder Tablet- noch PC-Ersatz
Kleiner, leichter, günstiger: Das Surface 3 ohne "Pro"
Das Prinzip ist bekannt: Microsoft kreuzt ein Notebook mit einem Tablet und nennt das Ergebnis "Surface". Zum ersten Mal machte der Windows-Entwickler das im Jahr 2012 – damals aber noch wenig erfolgreich. Weder das Surface RT noch das 2013 vorgestellte Nachfolgemodell Surface 2 konnten die Massen für sich begeistern. Ein großer Kritikpunkt: Die Tablets kamen weder mit einer vollwertigen Windows-Version, noch konnten sie die Stärken ihrer Tablet-Seite voll ausspielen. Das wiederum lag vor allem an Microsofts mangelhafter Auswahl an sinnvollen Apps.
Mit dem Surface 3 soll sich das nun ändern. Die dritte Generation des Surface-Einstiegsmodells orientiert sich jetzt mehr an der Pro-Variante und ist mit einer vollwertigen Windows-Version ausgestattet. Im Unterschied zum 12 Zoll großen Modellbruder kommt der neue Tablet-PC-Hybrid aber kleiner und leichter daher. Die abgespeckte Hardware erlaubt zudem einen niedrigeren Einstiegspreis. Aber reicht das, um Microsofts Surface-Reihe endlich populärer zu machen?
Design & Handling: So schick, aber nicht so flexibel wie das Pro 3
Optisch orientiert sich das kleinere Surface 3 am größeren und teureren Bruder. Mit seinem Gehäuse aus einer Magnesiumlegierung sieht das Microsoft-Gerät nicht nur schick aus, es fühlt sich auch sehr hochwertig und robust an. Das matte Silber macht einen unempfindlichen Eindruck, Fingerabdrücke bleiben lediglich auf dem spiegelnden Windows-Logo zurück. Im Vergleich zum iPad Air 2 oder dem ähnlich großen Samsung Galaxy Note 10.1 fällt das Surface 3 deutlich kantiger aus. Dennoch liegt es gut in der Hand. Mit 622 Gramm ist es deutlich leichter als das 800 Gramm schwere Surface Pro 3, aber schwerer als viele Konkurrenz-Tablets.
Für seinen Einsatz als Notebook ist das Surface 3 mit einem Klappständer ausgestattet. Schade: Aus Kostengründen kommt hier eine nicht ganz so flexible Lösung wie bei der Pro-Version zum Einsatz. Der Kickstand ist nicht stufenlos, sondern nur in drei Positionen arretierbar. Dadurch ermöglicht der Tablet-PC nicht in jeder Sitzposition optimales Arbeiten. Die Bedienung des Microsoft Surface 3 erfolgt zwangsweise per Multitouch-Gesten, sofern nicht in Zubehör investiert wird. Für die Verwendung als Laptop ist der Kauf des Type Cover allerdings dringend anzuraten. Nützlich ist auch der optionale Stylus. Leider findet dieser nicht – wie etwa beim Samsung Galaxy Note 10.1 – im Gehäuse Platz.
Display: Glänzend in jeglicher Hinsicht
Das Display des Surface 3 löst mit 1920 x 1280 Pixeln in Full HD auf. Die Pixelzahl verrät, dass der 10,8-Zoll-Screen nicht das übliche 16:9-Format und auch kein 4:3-Seitenverhältnis bietet. Microsoft findet anscheinend, dass die Hochkantverwendung bei einem 3:2-Tablet besonders gut funktioniert. Allerdings wird das Hybrid-Modell mit seinem Klappständer wohl überwiegend im Querformat genutzt.
Das Display jedenfalls präsentiert sich scharf, kontrastreich und hell – heller sogar noch als der Bildschirm des Surface Pro 3. Es lässt sich aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln gut ablesen, spiegelt aber immer stark. Allein deswegen wäre es sinnvoll gewesen, den Kickstand stufenlos verstellbar zu gestalten, damit in jeder Situation der richtige Betrachtungswinkel gefunden werden kann.
Hardware & Ausstattung: Endlich ein vollwertiges Windows
Ein Tablet, das gleichzeitig Laptop sein will, muss sich technisch natürlich auch mit Laptops messen lassen. Hier spielt das Surface 3 allenfalls in der Mittelklasse mit. Im Inneren werkelt nämlich kein Intel Core-Prozessor wie beim Surface Pro 3, sondern ein Intel Atom x7. Dieser wird in der 64-GB-Basisversion des Tablet-PCs von 2 GB Arbeitsspeicher unterstützt, in der 128-GB-Variante stehen dem Prozessor immerhin 4 GB zur Seite. Die Intel-CPU ist mit 1,6 GHz getaktet und kommt mittels Boost-Funktion auf eine maximale Taktrate von 2,4 GHz. Für die meisten Büroanwendungen, einfache Spiele und beim Surfen mit dem Internet Explorer reicht das aus. Grafisch anspruchsvollere Aufgaben wie Videoschnitt oder Rendering zeigen jedoch die Grenzen der Atom-CPU auf. Und auch beim Surfen mit einem anderen Browser kann der Wechsel zwischen vielen Tabs bereits zum Ruckeln führen.
Als Betriebssystem kommt beim Surface 3 endlich eine vollwertige Windows 8.1-Version zum Einsatz und kein abgespecktes Windows RT wie bei Surface-Generation eins und zwei. Dadurch qualifiziert sich das neue Modell auch deutlich besser als Laptop-Ersatz als die vorherigen Geräte. Im Sommer können Kunden ihr Windows 8.1-Tablet dann auf Windows 10 updaten. Zudem spielt Microsoft klugerweise die Office-Karte aus: Wer ein Surface 3 kauft, erhält zwar keine Hardware, dafür aber Software – zumindest für ein Jahr. Im Kaufpreise inbegriffen sind nämlich ein Jahresabonnement für Office 365 Personal und Speicherplatz OneDrive-Cloud. Intern kommt das Gerät wahlweise mit 64 oder 128 GB zum Kunden. Davon frisst das System jedoch einen beträchtlichen Teil, beim 64-GB-Testmodell stehen etwa nur rund 36 GB zur freien Verfügung. Sinnvoll ist daher, dass das Surface 3 sowohl einen Micro-SD-Kartenslot als auch einen USB 3.0-Anschluss mitbringt.
Auch wenn sie kein Kaufkriterium ist: Der Tablet-PC-Hybrid hat natürlich auch eine Kamera. Die 8-Megapixel-Hauptkamera sitzt an der Gehäuserückseite und besitzt jetzt einen Autofokus – da zeigt das Surface 3 seine Tablet-Seite. Für Videotelefonie und Co. sitzt aber auch vorne eine Kamera. Diese löst mit 3,5 Megapixeln auf und sollte nicht unbedingt zum Fotografieren verwendet werden.
Wie bereits angedeutet, ist der Kauf von Zubehör für das Surface 3 nicht nur empfehlenswert, sondern fast unverzichtbar. Ansonsten ist das Microsoft-Modell hinsichtlich der Bedienung als reines Tablet anzusehen. Das optional erhältliche Type Cover kostet beim Hersteller allerdings stolze 149,99 Euro, den Stylus gibt es für 49,99 Euro. Immerhin sind die Tastaturen und Eingabestifte von anderen Surface-Modellen kompatibel, wenn auch die Breite der unterschiedlichen Type Cover nicht immer zur Breite des Surface 3 passt. Die Tastatur, die gleichzeitig als Schutz- und Transporthülle dient, sowie der Stylus standen uns im Test leider nicht zur Verfügung.
Konnektivität: Ein Haufen Anschlüsse für die Nutzung als PC
Was das Surface 3 besser macht als die meisten Tablets: Es bringt viele Anschlüsse und Verbindungsmöglichkeiten mit. Auf der Drahtlos-Seite dürfen natürlich WLAN und Bluetooth 4.0 nicht fehlen. Für physische Verbindungen stehen ein Mini-Display-Port, ein Micro-USB-Ladeanschluss, ein Micro-SD-Kartenslot, ein Kopfhöreranschluss, ein Type Cover-Anschluss und ein USB 3.0-Port bereit. Besonders Letzterer bietet einen Mehrwert im Vergleich zur Konkurrenz und macht das Surface-Modell zum nützlichen Arbeitstier. Allerdings schränkte er Microsoft auch bei der Formgebung ein. Viel dünner als das 8,7-Millimeter-Tablet können Gerät mit USB-Anschluss einfach nicht werden.
Akkuleistung: Stark im Stand-by, akzeptabel im Betrieb
Dass das Surface 3 mit einem schwächeren Prozessor und einem kleineren Display als das Surface Pro 3 ausgestattet ist, könnte auf eine längere Akkulaufzeit hinweisen. Microsoft verspricht bis zu zehn Stunden Videowiedergabe im Vergleich zu neun Stunden Webbrowsing beim Pro-Modell. Realistisch sind allerdings eher sieben bis acht Stunden im Dauergebrauch. Einen Arbeitstag steht das Surface 3 wahrscheinlich durch, danach muss es dann aber spätestens aufgeladen werden. Es sei denn, das Gerät befindet sich häufig im Stand-by. Dabei verbraucht der Tablet-PC erstaunlich wenig Strom. Außerdem praktisch: Da das Microsoft-Modell per Micro-USB-Kabel aufgeladen wird, kann auch ein Smartphone-Ladekabel zur Stromversorgung genutzt werden.
Fazit: Weder Tablet- noch PC-Ersatz
Das Surface 3 von Microsoft will wie alle seine Modellbrüder Laptop und Tablet in einem sein – kann aber in keiner der beiden Kategorien 100-prozentig überzeugen. Als Tablet tritt das Gerät gegen physische Leicht- und Branchen-Schwergewichte wie das iPad Air 2 oder Samsungs Galaxy Tab S und Note 10.1 an. Als reiner Sofa-PC sieht das Surface 3 im Vergleich jedoch eher alt aus. Denn es gibt viele dünnere, leichtere und günstigere Modelle, die dank iOS oder Android auch eine größere Auswahl an Apps bereitstellen.
Als Laptop kann der jüngste Microsoft-Hybrid wiederum nur dann punkten, wenn in das nicht inbegriffene Zubehör investiert wird. Das 150 Euro teure Type Cover ist für die Nutzung als Notebook quasi unerlässlich, der 50 Euro teure Stylus ist nützlich, aber nicht essenziell. Wer beides hinzukauft, landet mit der Basisversion des Surface 3 aber bereits bei 800 Euro. Und zu diesem Preis gibt es auf der einen Seite sehr viel besser ausgestattete Laptops und auf der anderen Seite auch schon die günstigste Surface Pro 3-Version – sogar inklusive Stylus, allerdings ebenfalls ohne Tastatur.
Keine Frage: Microsoft hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und die größten Schwächen der Vorgängermodelle ausgemerzt. Was am Surface 3 aber weiterhin stört, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. Es gibt einfach zu viele bessere Alternativen – sowohl auf Tablet- als auch auf Laptop-Seite. Nur wer sich nicht zwischen beiden Möglichkeiten entscheiden kann, ist mit der Surface-Reihe gut beraten. Wird der Hybrid aber statt eines Notebooks angeschafft, dann ist das Surface Pro 3 die bessere Wahl.