Ökodesign-Richtlinie & TV-Energielabel: Droht OLED-Fernsehern das Aus?

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Hochauflösende Fernseher haben ein Problem: Mit der Ökodesign-Richtlinie droht ihnen das Aus. Bild: © LG 2021

Im März 2021 trat das neue EU-Energielabel in Kraft, was viele Fernseher in niedrigere Energieklassen einordnete. Für den März 2023 steht nun mit der Änderung der Ökodesign-Richtlinie die nächste Verschärfung an. Wir erklären Dir, ob damit 8K- und OLED-TVs vor dem Aus stehen.

Die alten Energieklassen, in denen zahlreiche Fernseher in einer der vielen Abstufungen der A-Klasse lagen, sind passé. Nach dem neuen Energielabel von 2021 landen vor allem größere 8K- und OLED-TVs in der schlechtesten der neuen Klassen: G. Zum Start des neuen EU-Energielabels gab es noch keine Geräte mit der A-Auszeichnung, Modelle mit dem geringsten Stromverbrauch wurden mit B oder C ausgezeichnet.

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Ökodesign-Richtlinie der EU verschärft Anforderungen

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So sieht das EU-Energielabel seit März 2021 für Fernseher aus. Bild: © Europäische Kommission 2021

Mit einer Überarbeitung der Ökodesign-Richtlinie 2009/128/EG verschärft die EU ab März 2023 die Verbrauchsgrenzwerte vieler Geräte weiter. Dadurch sollen laut EU "Stromfresser" vom Markt getilgt und die Umweltverträglichkeit der in der EU verwendeten Produkte erhöht werden. Deutschland setzt die Richtlinie mit dem sperrig benannten "Energieverbrauchsrelevante-Produkte-Gesetz" (EVPG) um.

Maßgeblich für die EU ist der "Energieeffizienz-Index" (EEI) eines Gerätes, der sich aus einer komplizierten Formel errechnet. Er berücksichtigt Leistungsaufnahme und Bildschirmfläche. Jede Energielabel-Klasse hat Grenzwerte für den EEI. Ein Gerät, das den maximal erlaubten EEI der Klasse "G" überschreitet, darf im europäischen Markt nicht verkauft werden.

Neue Grenzen und der Wegfall von Sonderregelungen

Ab März 2023 sieht die EU nach derzeitigen Plänen eine Verschärfung des maximalen EEI für TV-Geräte vor.
Für die Branchenverbände der TV-Hersteller besonders heikel ist der Wegfall vieler Sonderregeln in den neuen Bestimmungen. So waren 8K-Displays und Fernseher mit Mikro-LED-Technik von den Regelungen der Richtlinie bisher ausgeschlossen. Beide Technologien bestimmen den neuesten Stand der Technik, verbrauchen aber besonders viel Energie.

OLEDs, bei denen jeder Pixel selbst leuchtet, profitierten bisher von einem Korrekturfaktor bei der Berechnung des EEI. Dieser soll ebenfalls entfallen. Fraglich ist noch, wie der stark schwankende Verbrauch dieser Technik berücksichtigt werden wird. Zwar ist er bei hellen Bildern sehr hoch, bei dunklen Bildern wird dafür viel weniger Energie benötigt als bei anderen Bildschirmtechnologien.

Mit den Änderungen wird das Einhalten der Grenzwerte vor allem für sehr große TVs und solche mit den neuesten Technologien schwierig.

8K, Mikro-LED und OLED am Ende?

8K-Fernseher: Sehr groß, sehr hochauflösend, sehr stromhungrig. fullscreen
8K-Fernseher: Sehr groß, sehr hochauflösend, sehr stromhungrig. Bild: © Adobe Stock/Proxima Studio 2020

Branchenverbände schlagen laut Alarm, dass mit der Ökodesign-Richtlinie 2023 modernste TV-Technologien wie OLED, 8K und Mikro-LED schon vor dem Aus stehen, bevor sie richtig Fuß im Markt fassen konnten. Tatsächlich steht das deutlich im Widerspruch zur erklärten Absicht der EU, vor allem die Geräte mit unüblich hohen Stromverbrauchswerten in ihrem jeweiligen Marktsegment vom Verkauf auszuschließen. Man kann schlussfolgern, dass damit eher minderwertige Geräte gemeint waren.

Dennoch musst Du um Deinen Wunsch-Fernseher keine Angst haben. Die meisten aktuell erhältlichen OLED-Fernseher zum Beispiel würden die neuen Grenzwerte einhalten, wenn auch teils knapp. Die neue Richtlinie gilt aber ohnehin nur für Geräte, die nach deren Inkrafttreten verkauft werden sollen. Zudem gibt es Möglichkeiten, wie das Verkaufsverbot verhindert werden kann.

Eng wird es allerdings für künftige 8K-Fernseher und große Displays mit Mikro-LED-Technologie. Laut einer Untersuchung der Branchenvereinigung Digital Europe würden alle im Vorjahr erhältlichen 8K-Fernseher die neuen Grenzwerte deutlich überschreiten. Um die neuen Kriterien zu erfüllen, wäre eine Senkung des Energieverbrauchs um 40 bis 50 Prozent nötig – wohl eher unrealistisch.

Auswege und Lösungen für betroffene TVs

Die Ökodesign-Richtlinie beinhaltet bei genauerem Hinsehen einige mögliche Auswege aus dem Dilemma.

Noch ist nämlich fraglich, wie die verschiedenen Fernseher-Technologien eingeordnet werden. So muss, nach dem Wortlaut der Ökodesign-Richtlinie, "das Produkt [...] ein erhebliches Potenzial für eine Verbesserung seiner Umweltverträglichkeit ohne übermäßig hohe Kosten bieten" und "große Unterschiede bei der Umweltverträglichkeit der auf dem Markt verfügbaren Produkte mit gleichwertigen Funktionen [herrschen]".

Man könnte argumentieren, dass 8K-Fernseher als eigenes Marktsegment betrachtet werden müssen. Da es bisher Sonderregelungen für sie gab, scheint das auch die EU differenziert zu sehen. Dann könnte die Richtlinie für diese Fernseher gar nicht gelten, weil alle 8K-TVs einen ähnlich hohen Stromverbrauch aufweisen und damit die notwendigen großen Unterschiede auf dem Markt verfügbarer Produkte gar nicht gegeben sind.

Ein anderes Argument für die Ungültigkeit bei bestimmten Fernsehern könnte auch die in der Richtlinie begrenzte Mengenangabe sein. So muss das Verkaufs- und Handelsvolumen "erheblich" sein. Als Richtlinie gilt hier eine Zahl von 200.000 Stück pro Jahr. Laut Verband der deutschen Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) würden in der gesamten EU nur 200.000 8K-Fernseher und 200 Mikro-LED-TVs verkauft, wie unter anderem heise.de berichtet.

Professionelle Bildschirme für Videobearbeitung, CAD und Grafik sind von der Regelung bereits ausgenommen, es gibt also bereits Segmentierungen der Kategorie "Bildschirme".

Änderungen an der Richtlinie sind seitens der EU noch bis zum 25. Dezember möglich. Etwas Hoffnung auf angepasste Regelungen für (große) Fernseher mit moderner Technologie gibt es also noch.

Energiesparender Standardmodus als Schlupfloch?

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Denkbar wäre, dass TV-Modi mit hohen Verbrauchswerten künftig erst vom Kunden eingestellt werden müssen. Bild: © Samsung 2022

Auch ohne Änderungen oder rechtliche Spitzfindigkeiten haben die Hersteller aber einen offensichtlichen, wenn auch unschönen Ausweg.

Die Grenzwerte gelten nur für den SDR-Standardmodus. Sowohl im HDR-Modus als auch mit anderen Programmeinstellungen sind höhere Verbrauchswerte erlaubt. TV-Produzenten könnten also einen besonders stromsparenden und stark helligkeitsreduzierten Standardmodus für die Auslieferung integrieren. Der wäre allerdings nicht besonders ansehnlich und verkaufsfördernd. Ein Hinweisfenster, das den Besitzer zum Umstellen in einen schöneren Modus auffordert, wäre nicht gegen die Regeln. Es muss nur gleichzeitig einen eindeutigen, zu bestätigenden Hinweis auf die erhöhte Stromaufnahme geben. Ein solches Hinweisfenster haben viele Fernseher, wie der Sony-OLED des Autors, schon heute.

Wir bezweifeln, dass diese Standardmodus-Schummelei im eigentlichen Sinne der Ökodesign-Richtlinie ist. Mit den neuen Regelungen und den gleichzeitig aufgezeigten Auswegen scheint die EU den Zweck der Richtlinie nicht nur zu verfehlen, sondern ad absurdum zu führen.

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Zusammenfassung

  • Ab März 2023 sind von der EU neue Höchstwerte für den Stromverbrauch von TVs vorgesehen.
  • Große Fernseher und solche mit modernen Technologien wie 8K, Mikro-LED und OLED sind durch die neuen Höchstgrenzen von Verkaufsverboten bedroht.
  • Änderungen der Richtlinie sind noch bis 25. Dezember möglich.
  • Unklar ist, ob die Richtlinie für alle Fernseher gleich anwendbar ist.
  • Hersteller können mit einem energiesparenden, dunkel eingestelltem TV im Auslieferungszustand oftmals die Regeln erfüllen.
  • Die Zukunft von 8K- und großen Mikro-LED-Fernsehern, deren Verbrauch ca. 40 bis 50 Prozent über den neuen Höchstwerten liegt, bleibt unklar.
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