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Professionelle Datenrettung im Test: Endstation Reinraumlabor

Das Öffnen von Festplatten solltest Du Experten überlassen.
Das Öffnen von Festplatten solltest Du Experten überlassen. Bild: © Getty Images / D-Keine 2021

Ein Schreckensszenario, vor dem sich wohl fast jeder PC-Besitzer fürchtet: Datenverlust. Wichtige Dokumente, das persönliche Fotoalbum  – plötzlich verschwunden, weil das Speichermedium den Dienst versagt. Dann hilft oftmals nur noch eine professionelle Datenrettung. Wie gut das in der Praxis funktioniert und welche Tipps Experten mit auf den Weg geben, erfährst Du im folgenden Beitrag.

Nahezu jeder sichert seine Daten, entweder auf der Festplatte, dem USB-Speicher oder auch in der Cloud – und dennoch war laut einer Statistik schon mehr als jeder Zweite persönlich von Datenverlust betroffen. Doch was tun, wenn der Zugriff auf die Festplatte mit den persönlichen Daten nicht mehr gelingen mag, wenn das Speichermedium nur noch rattert, knackt und komische Geräusche macht?

Im besten Fall kannst Du derlei Anzeichen schon im Vorfeld richtig deuten und Deine Daten sichern. Im schlimmsten Fall sind Deine Daten verloren. Im Netz werben zahlreiche Softwareanbieter mit der Wiederherstellung von Daten, meistens sind diese kostenpflichtig. Manchmal gelingt es, manchmal machst Du damit aber noch mehr kaputt.

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Jeder Zehnte sichert persönliche Daten überhaupt nicht. Bild: © Statista 2021

Erste Anzeichen eines drohenden Datenverlustes ignoriert

Ich persönlich habe meine Daten von älteren Computern und Laptops stets auf einer 2 TB großen externen Festplatte von Hitachi gesichert. Darunter viele unnütze Sachen, aber auch Urlaubsbilder, wichtige Dokumente und vieles mehr. Als ich eines Tages die Festplatte an das MacBook anschließen wollte, arbeitete der Datenträger schon sehr langsam, das Dateiverzeichnis brauchte gefühlt eine Ewigkeit, um sich aufzubauen. Der Zugriff auf Daten war mit sehr langen Wartezeiten verbunden. Anzeichen in der Vergangenheit hatte ich stets ignoriert oder auch schnell wieder vergessen.

Datenrettungsprogramm verschlimmerte das Problem

Das rächte sich, denn als ich die Daten mittels eines Programmes sichern wollte, war es schon zu spät. Zwar konnten alle Dateien noch eingelesen werden, die Wiederherstellung hätte aber weit mehr als 24 Stunden gedauert und ist nach einer Nacht des Durchlaufens einfach abgebrochen.

Danach der Schreck: Die Festplatte wurde fortan gar nicht mehr erkannt. Weder an einem Mac noch von einem Windows-PC. Ich wusste: Nichts geht mehr. Daraufhin habe ich mich an die Firma Datarecovery – ein professioneller Datenretter – gewandt und meine beschädigte Festplatte eingeschickt, um sie den Experten anzuvertrauen. Eine gute Entscheidung.

So läuft eine professionelle Datenrettung meist ab

  1. Persönliches Beratungsgespräch mit Schilderung des Problems.
  2. Versand oder Abholung des beschädigten Datenträgers.
  3. Schadensdiagnose und Beratung möglicher Wiederherstellungsoptionen.
  4. Angebotsannahme und Beginn der Datenrettung.
  5. Fertigstellung der Datenrettung und Übergabe der Daten.

Drohender Datenverlust: Daran lag es

Rund eine Woche nach Eingang der beschädigten Festplatte hatte ich die Analyse der Datenretter schwarz auf weiß: Festgestellt wurde eine Beschädigung im Bereich der Schreib-Leseköpfe und weitere Schäden an der Datenträgeroberfläche, die wiederum ein Resultat der defekten Schreib-Leseköpfe waren. Eine automatisierte Datenrettung war in diesem Fall nicht möglich, stattdessen mussten die Dateien weitestgehend manuell gerettet werden. Dennoch war eine vollständige Rekonstruktion der Daten nicht möglich, auch, weil es durch das Fehlen einer Schraube zu weiteren Verunreinigungen gekommen war.

Professionelle Datenrettung: Was kostet das eigentlich?

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Das Aufschrauben von Festplatten sollte man lieber den Profis überlassen. Bild: ©Getty Images / yasinguneysu 2021

Ganz günstig sind derlei Datenrettungsdienste indes nicht: Mit mehreren Hundert Euro musst Du im Regelfall rechnen, in diesem Fall hätte die Datenrettung zwischen 600 und 1.200 Euro gekostet, je nach Grad der Beschädigung. Dafür kannst Du jedoch sichergehen, dass sich Dein Speichermedium in guten Händen befindet und Experten in einem speziellen Reinraumlabor behutsam mit Deinen wichtigen Daten umgehen. Mithilfe aufwendiger Technik wird die Konzentration von Partikeln in der Luft in solchen Räumen äußerst gering gehalten, womit weitere Verunreinigungen der Festplatte vermieden werden. Wer in Eigenregie die Festplatte öffnet, hat diese Möglichkeit nicht – und riskiert damit den Totalverlust seiner Daten.

Rund drei Monate dauerte die gesamte Datenrettung in meinem Fall, was sich aber auch durch meinen Urlaub verzögerte – doch die vergleichsweise längere Wartezeit war gut investiert. Zwischendurch wurde ich immer wieder über den aktuellen Stand der Datenrettung informiert, unter anderem mit dem Hinweis, dass sich der Vorgang noch etwas verzögere, weil man mit dem Ergebnis der Datenrettung noch nicht vollends zufrieden war. Hier gilt ohnehin die Devise: Sorgfalt vor Schnelligkeit.

Die neue Festplatte mit meinen Daten kam schließlich gut und sicher verpackt bei mir an, doch direkt nach dem Anschließen an den Mac der nächste Schock – der Datenträger wurde nicht erkannt. An einem Windows-Rechner funktionierte es schließlich, da das Speichermedium per Bitlocker verschlüsselt wurde – und der Mac mit der Windows-Technik nichts anfangen kann. Auf die naheliegende Lösung, die Festplatte einfach an mein NAS anzuschließen, kam ich in diesem Moment nicht sofort.

Datenrettung im Selbsttest: Ein Erfolg auf ganzer Linie

Nach erster Sichtung die Gewissheit: die professionellen Datenretter konnten die allermeisten und wichtigen Dateien retten. Lediglich größere Dateien, etwa Downloads, konnten nicht in allen Fällen wiederhergestellt werden. Macht nichts, wichtig waren schließlich vor allem die Bilder, deren ideellen Wert man gar nicht beziffern kann.

Erleichtert stellte ich fest, dass es den Experten tatsächlich gelungen war, den überwiegenden Teil der defekten Festplatte wieder zu rekonstruieren. Zur Erinnerung: ich selbst konnte nicht mehr darauf zugreifen und war mit meinem Latein am Ende. Kurzzeitig hatte ich überlegt, die Festplatte in Eigenregie zu öffnen – genügend YouTube-Erklärvideos gibt es immerhin dazu –, doch habe ich mich letztendlich für die sichere Option entschieden. Das Risiko war mir schlicht zu hoch, einen totalen Datenverlust zu erleiden.

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So bleibt am Ende festzuhalten, dass eine professionelle Datenrettung im Erfolgsfall ihren Preis Wert ist – schließlich handelt es sich vielfach um wertvolle Daten, die sonst unwiderruflich verloren gehen könnten. Am Markt gibt es unzählige Unternehmen, die diese Dienstleistung anbieten. Mitunter ist die erste Analyse des beschädigten Speichermediums sogar kostenlos oder zu einem geringen Preis möglich. Erst danach musst Du Dich entscheiden, ob Du die Datenrettung beauftragen möchtest.

Tipps für die perfekte Datensicherung

Damit es nicht erst dazu kommen muss, solltest Du Deine Daten schon im Vorfeld bestmöglich sichern. Sprich: Wenn Daten auf einer Festplatte gesichert werden, tausche sie alle paar Jahre aus. Noch besser: Du lagerst Deine Daten in die Cloud aus oder auf Deinem eigenen Netzwerkserver. Generell kann es sinnvoll sein, wichtige Daten auf mehrere Speichermedien zu verteilen. Bei einem eigenen NAS ist es zudem empfehlenswert, die Daten auf mehreren Festplatten zu spiegeln. Fällt eine Festplatte im NAS aus, kann sie problemlos ersetzt werden.

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Hundertprozentige Sicherheit gibt es aber fast nirgends – doch mit etwas Bemühen kann das Risiko eines Datenverlustes deutlich minimiert werden. Und solltest Du einmal feststellen, dass Dein Datenträger nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert: Nicht voreilig handeln! Im Zweifel lieber einmal zu wenig tun, als direkt überstürzt zu reagieren. Wenn Du mit einem Verlust Deiner Daten leben kannst, versuche es ruhig in Eigenregie. Bei wichtigen Daten gilt aber: lieber keine Experimente! Eine professionelle Datenrettung mag auf den ersten Blick sehr teuer wirken. Doch ein Verlust wichtiger und vor allem persönlicher Daten kann noch deutlich teurer werden. Hier sollte niemand am falschen Ende sparen.

Interview mit Datenretter: "Auf Selbstversuche verzichten"

Ich habe mit Herrn Lars Müller (Technischer Leiter DATARECOVERY) gesprochen, um genauer zu erfahren, wie man sich im Falle eines drohenden Datenverlustes am besten verhalten sollte – und was ein Datenrettungsspezialist empfiehlt.

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Lars Müller ist technischer Leiter bei Datarecovery. Bild: © Datarecovery 2021

TURN ON: Viele Programme versprechen eine zuverlässige Datenwiederherstellung bei Datenverlust. Warum sollten Nutzer eine professionelle Datenrettung in Anspruch nehmen?

Datarecovery: Wenn es um Datenverluste, defekte Datenträger und deren Rettung geht, handelt es sich immer um individuelle Situationen und Herausforderungen. Deshalb ist eine Verallgemeinerung auch schwierig. Wir empfehlen immer, sich vor jeglichen semiprofessionellen Versuchen über den endgültigen Verlust der Daten bewusst zu werden. Also, ob man im Zweifel damit leben kann oder eher nicht.

Wenn es um wichtige Dateien geht, die ich ggf. aufgrund gesetzlicher Bestimmungen aufbewahren muss, raten wir von Datenrettungen mittels Standardtools ab. Bei privaten Daten mit für den Besitzer niedrigerer Relevanz, kann es schon einen Versuch wert sein, ein Recovery-Tool wie Recuva zu testen. Der Erfolg einer solchen Software hängt natürlich maßgeblich vom Zustand des Datenträgers ab. Sofern auch nur leichte physikalische Schäden vorliegen, riskiert man eine Verschlechterung.

TURN ON: Welche Fallstricke lauern, wenn Nutzer die Datenrettung lieber in Eigenregie versuchen?

Datarecovery: Das Internet ist wie bei allen Themen voll mit Tipps und Tricks. Die meist gut gemeinten Ratschläge und YouTube-Tutorials zeigen aber auch immer nur einen Musterfall, der nicht zwingend auf den eigenen Datenverlust zutreffen muss. Von Empfehlungen, eine Festplatte zu Hause zu öffnen, raten wir kategorisch ab.

Wir erleben es fast täglich, dass geöffnete Festplatten in einem katastrophalen Zustand bei uns eintreffen. Da müssen wir leider ab und an mit der Mitteilung, dass aufgrund der Vorschäden keine Daten mehr wiederherstellbar sind, enttäuschen. Ansonsten gilt auch hier die Regel: Sind Daten wichtig, sollte möglichst auf Selbstversuche verzichtet werden.

TURN ON: Was können Nutzer tun, um ihre persönlichen Daten auf Dauer sicher und zuverlässig vor Datenverlust zu schützen?

Datarecovery: Idealerweise werden regelmäßig und automatisiert Datensicherungen durchgeführt. Das kann über einen Hybridweg erfolgen, zum Teil lokal und separat in der Cloud. Damit umgeht man das Risiko, dass sich Datensicherungen nur auf einem Datenträger befinden.

Wichtig ist immer, dass Daten nur verschlüsselt gesichert werden sollten, um den Zugriff Dritter auszuschließen. Hier jedoch muss darauf geachtet werden, dass der Schlüssel gut aufbewahrt wird. Unabhängig von der Datensicherung sollten Festplatten und SSD nach drei bis fünf Jahren – noch bevor es zu Problemen kommt, ersetzt werden.

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TURN ONMit welchen Methoden retten Sie Daten von defekten Speichermedien, auf die man selbst nicht mehr zugreifen kann?

Datarecovery: Wir haben über mehrere Jahrzehnte ein ganzes Arsenal an Equipment und Tools erarbeitet, mit dem wir für nahezu jedes Problem eine Lösung anbieten können. Zur Grundausstattung gehören so genannte Reinraumarbeitsplätze. Damit stellen wir sicher, dass Verunreinigungen durch die Umgebungsluft innerhalb einer Festplatte verhindert werden. Dazu kommt unser gut bestücktes Ersatzteillager mit über 100.000 Teilen. Damit können wir schnell und auch bei exotischen Datenträgern gut reagieren.

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Festplatten werden bei Datarecovery im Reinraumlabor untersucht. Bild: © Datarecovery 2021

Die heutzutage wichtigsten Schritte liegen in der logischen Datenrettung. Das heißt, wenn wir aus welchem System auch immer im ersten Schritt Rohdaten gewinnen konnten, liegt es danach in der Verantwortung unserer Techniker, diesen Datensalat auch in konsistente, also lesbare Dateien zu überführen. Das geschieht sogar in einigen Fällen manuell.

TURN ON: Was raten Sie Nutzern, die bemerken, dass ihre Festplatte nicht mehr ordnungsgemäß arbeitet und womöglich bald den Dienst einstellen könnte? 

Datarecovery: Möglichst schnell die noch vorhandenen und lesbaren Dateien zu sichern. Danach sollte bei Verdacht auf einen physischen Defekt ein Austausch gegen eine neue Festplatte vorgenommen werden. Typische Indizien für einen drohenden Ausfall sind lautere Geräusche, die zuvor nicht da waren und eine verlangsamte Zugriffsgeschwindigkeit.

Die Firma Datarecovery hat uns bei der Recherche für diesen Artikel unterstützt, die redaktionelle Berichterstattung wurde dadurch nicht beeinflusst.

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