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Dieses Spielzeug kann teure medizinische Zentrifugen ersetzen

US-Forscher haben die erstaunlichen Kräfte eines uralten Kinderspielzeugs entdeckt und die "Paperfuge" erfunden – eine medizinische Zentrifuge, die Ärzten auch in den entlegensten Winkeln der Erde helfen soll. Herstellungspreis: gerade einmal 20 Cent.

Zentrifugen sind ein essenzieller Bestandteil von medizinischen Laboren. Sie werden zum Beispiel genutzt, um Blut durch Schleudern bei hohen Geschwindigkeiten in seine Bestandteile zu zerlegen und Krankheiten zu diagnostizieren. Allerdings sind die Geräte extrem teuer und schlagen mit oft mehreren Tausend Euro zu Buche, was gerade für Krankenhäuser und Ärzte in Entwicklungsländern ein echtes Problem darstellt. Zudem benötigen sie elektrischen Strom, der nicht in allen Gegenden der Welt verfügbar ist. Ein Team von Bioingenieuren an der US-amerikanischen Stanford-Universität könnten nun eine günstige Alternative gefunden haben, wie das Magazin TechCrunch berichtet.

Inspiriert von antikem Spielzeug

Ihre "Paperfuge" genannte Erfindung wird mit Muskelkraft betrieben und kostet in der Herstellung nur schlanke 20 Cent. Sie funktioniert nach dem Prinzip eines über 5000 Jahre alten Kinderspielzeugs, bei dem eine Papierscheibe durch rhythmische Ziehbewegungen an zwei hindurchgeführten Schnüren in Rotation versetzt wird. Die Ingenieure um Projektleiter Manu Prakash studierten das Spielzeug mit einer Highspeed-Kamera und fanden heraus, dass die Drehscheibe dabei Rotationsgeschwindigkeiten von bis zu 125.000 Umdrehungen pro Minute erreichen kann, was mit denen medizinischer Zentrifugen vergleichbar ist. In kleine Röhrchen, die auf die Scheibe geklebt werden, kann Blut eingefügt und geschleudert werden.

Tests zeigen: Die Billig-Zentrifuge funktioniert!

Die Baupläne der Zentrifuge und die Ergebnisse der bisherigen Versuche hat das Team in der Fachzeitschrift Nature Biomedical Engineering veröffentlicht. Nach ersten Feldstudien in Madagaskar wollen die Erfinder die Paperfuge nun weiter auf ihre Praxistauglichkeit testen. Erste Erfolge kann die Budget-Lösung fürs medizinische Labor bereits vorweisen: Malariaparasiten konnten damit bereits aus Blutproben extrahiert werden. Gut möglich, dass das praktische Utensil bald einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung in armen und abgelegenen Teilen der Welt leistet.

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