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Durchbruch: Forscher kommunizieren mit gelähmten Patienten

Diese Kappe erfasst Veränderungen des Blutdrucks in den verschiedenen Regionen des Gehirns.
Diese Kappe erfasst Veränderungen des Blutdrucks in den verschiedenen Regionen des Gehirns. (©(c) dpa 2017)

Menschen, die an dem sogenannten Locked-in-Syndrom leiden, sind im eigenen Körper gefangen. Sie sind zwar bei Bewusstsein, können aber durch die Lähmung ihres Körpers nicht mit ihrer Umwelt kommunizieren. Forschern gelang es nun, mit einigen von ihnen in Kontakt zu treten.

So konnten die Testpersonen dank einer speziellen Kappe auf an sie gestellte Fragen mit ihrer Gedankenkraft mit "Ja" oder "Nein" antworten. Damit sind Menschen mit einem kompletten Locked-in-Syndrom zum ersten Mal dazu fähig, mit ihrem Mitmenschen zu kommunizieren.

Kommunikation dank Gehirn-Computer-Schnittstelle

Die Wissenschaftler des Wyss Center in Genf entwickelten ein gewissermaßen Gedanken lesendes Verfahren, das die Reaktionen der Erkrankten durch eine Analyse der Veränderungen im Blutsauerstoffspiegel und der elektrischen Aktivität im Gehirn misst. Dazu wird ein nicht-invasives Brain-Computer-Interface (BCI), also eine Gehirn-Computer-Schnittstelle in Form einer Kappe genutzt. Dabei kombinierten die Forscher Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) und Elektroenzephalografie (EEG).

Locked-in-Patienten können sich erstmalig mitteilen

Um die Veränderungen auswerten zu können, wurde das Verfahren mit vier vollständig gelähmten Personen getestet, die alle an Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) leiden. Rund zehn Minuten drei bis viermal täglich wurden die Befragten gebeten, die Worte "Ja" und "Nein" zu denken. Bis zu 200 Fragen wurden nach Absprache mit Familienangehörigen für jeden der Teilnehmer entwickelt, so The Independent. Besonders ein Teilnehmer konnte hier sein Missfallen äußern: Auf die Frage, ob er seiner Tochter die Zustimmung zur Hochzeit mit ihrem Freund geben würde, antwortete der Patient neun von zehn Mal mit Nein.

Studie gibt Hoffnung für die Zukunft

Der leitende Forscher der Studie Professor Niels Birbaumer sieht in dem BCI-Verfahren Hoffnung für die Zukunft von komplett von der Außenwelt abgeschnittenen Patienten: "Wenn wir diese Studie mit mehr Patienten wiederholen können, glaube ich, könnten wir eine nützliche Kommunikation für vollständige Locked-In-Zustände von Menschen mit degenerativen Erkrankungen des Nervensystems wiederherstellen."

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