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Schaden Schrittzähler-Apps mehr als sie nutzen?

Fitness-Tracker und Schrittzähler spornen zu mehr Bewegung an. Doch woher wissen sie eigentlich, wie viel Bewegung gut für uns ist?
Fitness-Tracker und Schrittzähler spornen zu mehr Bewegung an. Doch woher wissen sie eigentlich, wie viel Bewegung gut für uns ist? (©Facebook/Jawbone 2015)

Millionen Menschen schwören auf Fitness-Tracker und Schrittzähler-Apps, um einen Ansporn für mehr Bewegung zu haben. Ein US-Forscher zweifelt nun am Nutzen der Geräte – und vermutet sogar, dass sie manchmal eher schädlich sind.

Schrittzähler und die dazugehörigen Apps setzen ihren Nutzern oft ein tägliches Pensum und versprechen, die Gesundheit durch Erreichen des Tagesziels zu verbessern. Laut Dr. Greg Hager von der Johns Hopkins Universität in Baltimore liegt darin aber ein Problem: Die vorgeschlagenen Ziele würden nicht auf wissenschaftlich fundierten Daten beruhen und seien zu wenig individuell.

"10.000 Schritte pro Tag – Woher kommt diese Zahl?"

Seine Kritik äußerte der Informatikprofessor laut der britischen Zeitung Independent bei einer Versammlung der wissenschaftlichen Gesellschaft AAAS (American Association for the Advancement of Science). Vor allem das oftmals als Standard gesteckte Ziel von 10.000 Schritten pro Tag ist ihm ein Dorn im Auge: "Einige von Ihnen tragen bestimmt Fitbit-Armbänder oder etwas Ähnliches und ich wette, ab und an bekommen Sie diese coole kleine Nachricht 'Du bist heute 10.000 Schritte gelaufen'", so Hager. "Aber was ist so toll an 10.000 Schritten? Woher kommt die Zahl? Im Jahr 1960 hat man herausgefunden, dass der durchschnittliche japanische Mann bei 10.000 Schritten etwa 3.000 Kalorien verbrennt. Das hat man als täglichen Richtwert genommen. Aber ist das die richtige Anzahl Schritte für irgendjemanden in diesem Raum? Wer weiß? Es ist nur eine Zahl, die in unseren Apps einprogrammiert ist!"

US-Forscher: Schrittzähler-Apps sind zu wenig wissenschaftlich fundiert

Auch darüber hinaus arbeiten laut Hager nur wenige Gesundheits-Apps mit wissenschaftlich fundierten Werten. Für den Forscher ein klares Problem: "Woher wissen wir, dass diese Apps wirklich gut für uns sind – so ganz ohne wissenschaftliche Datenbasis? Sie könnten sogar schädlich sein!" Die 10.000-Schritte-Regel sei dabei nur ein Symptom eines größeren Problems. "Wir alle wissen, dass es wahrscheinlich besser ist, sich mehr zu bewegen. Aber wenn Sie älter oder körperlich eingeschränkt sind, stimmt das nicht unbedingt."

Schrittzähler-Nutzer können aus den Ausführungen des Forschers wohl vor allem folgende Lehre ziehen: Die Vorgaben von Apps und Gadgets sind als Ansporn sicher hilfreich, allerdings sollte man dennoch stets auf seinen Körper hören und sich nicht überanstrengen.

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