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Trainiere Dein Gehirn: 8 schlaue Tipps für mehr Grips

Geistige Leuchte: Nervenfasern verbinden die verschiedenen Regionen des Gehirns, hier sichtbar gemacht mit farbiger 3D-Diffusionsbildgebung.
Geistige Leuchte: Nervenfasern verbinden die verschiedenen Regionen des Gehirns, hier sichtbar gemacht mit farbiger 3D-Diffusionsbildgebung. (©Siemens AG 2017)

Um klug zu sein, bedarf es Training: Von Flexibilität und schnellem Denken können wir bis ins hohe Alter profitieren, wenn wir unsere mentale Performance regelmäßig ankurbeln.

Ganz schön beeindruckend, was wir zu sehen bekommen, wenn wir das Gehirn eines Durchschnittserwachsenen scannen. Unsere Schaltzentrale besteht aus 100 Milliarden Neuronen. Sie wiegt im Schnitt eineinhalb Kilo, das sind nur etwa zwei Prozent der Körpermasse. Ihr Energiehunger toppt jedoch den von Usain Bolt nach einer Doppel-Trainingseinheit. Das Hirn verschlingt ganze 20 Prozent unseres energetischen Grundumsatzes. Die gute Nachricht: Das Duracell-Häschen in unserem Oberstübchen ist ein echter Dauerbrenner. Es kann ein Leben lang dazulernen, weil seine Struktur flexibel bleibt. Wissenschaftler nennen das Neuroplastizität.

Dabei war die dauerhafte Lernfähigkeit des Gehirns lange umstritten. Lerntheoretiker gingen davon aus, dass das Alter den Zersetzungsprozess unaufhaltsam vorantreibt: Rust never sleeps. Das gilt jedoch nur für die fluide Intelligenz, also die Geschwindigkeit, mit der wir denken und Probleme lösen. Die aktuelle Gehirnforschung belegt, dass unser Hirn nicht einrosten muss. Christian Stamov Roßnagel, Psychologieexperte der Jacobs University Bremen, beschreibt, dass die Qualität des Lernens bis zum 70. Lebensjahr gleich bleibt. Ältere Menschen können mit kristalliner Intelligenz punkten, also dem Wissenspool, der sich im Laufe des Lebens füllt. Unser Wortschatz ist mit 60 Jahren sogar am größten. Doch wie können wir unsere Intelligenz in Bestform halten? Hier sind acht Lektionen, die sich prima in den Alltag einbauen lassen.

 Breit gefächert: Die Nervenbahnen in unserer Schaltzentrale sind insgesamt etwa 5,8 Millionen Kilometer lang. Damit ließe sich die Erde 145-mal umwickeln. fullscreen
Breit gefächert: Die Nervenbahnen in unserer Schaltzentrale sind insgesamt etwa 5,8 Millionen Kilometer lang. Damit ließe sich die Erde 145-mal umwickeln. (©Getty Images/PASIEKA 2017)

1. Leckerlis fürs Lernen

Forscher der Universität Wien haben vor zwei Jahren nachgewiesen, dass wir immer klüger werden. Der IQ liegt heute im Schnitt 30 Punkte höher als zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wer heute einen Normal-IQ von 100 hat, hätte damals als hochbegabt gegolten. Ein Grund für den Anstieg: Intelligenz ist heute stärker gefragt und wird stärker belohnt. Gönnen Sie sich also etwas für Lernerfolge – und wenn es nur ein Schulterklopfen ist.

2. Go with the flow

Im Flow zu sein heißt, über eine beglückende Tätigkeit die Zeit zu vergessen. Studien zu diesem Zustand zeigen, dass leichte Überforderungen uns den höchsten Genuss bringen. Greifen Sie also öfter mal zu Aufgaben, die sich nicht auf Anhieb lösen lassen. Ob Gehirntraining per App, Sudoku oder Silbenrätsel, alles was in diesem Segment Spaß macht, hält das Hirn elastisch.

3. Pauken mit Pausen

Das klingt jetzt weniger aufregend: Wenn es darum geht, für konkrete Dinge wie den Bootsführerschein oder die Italienischprüfung zu lernen, bringt klassisches Pauken in regelmäßigen Einheiten am meisten. Was hilft? Experimentieren Sie mit Merkhilfen wie Reimen, Assoziationsketten oder Bildern. Auch Yogapausen oder ein Kopfstand zwischendurch können die Konzentrationsfähigkeit steigern.

4. Das Sofa schonen

Ganz gleich ob Kraft- oder Ausdauertraining: Beides fördert neben der Durchblutung die Ausschüttung sogenannter Wachstumsfaktoren. Der wichtigste ist das Protein BDNF, das im Hippocampus, dem Hauptquartier unseres Gehirns, gebildet wird und wie eine Art Dünger für Nervenzellen wirkt. Sport kann also unsere Gehirnleistung zum Blühen bringen. Wer langfristige Verbesserung will, dem raten Wissenschaftler zu mindestens drei 30-minütigen Trainingseinheiten pro Woche.

5. Mal on, mal off

Gary Small, Buchautor und Neurowissenschaftler der Universität von Kalifornien, fand in Studien heraus, dass beim Stöbern in Suchmaschinen offensichtlich wichtige Bereiche im Gehirn aktiviert und trainiert werden, die beim Lesen von Büchern unbeteiligt bleiben. Das Gedächtniszentrum älterer Menschen werde zum Beispiel bereits nach fünf Tagen Internettraining immer aktiver. Gleichzeitig gilt: nur nichts übertreiben. Öfter mal offline zu sein, entspannt und beugt Überforderung durch Informationsflut vor.

6. Hör zu, wie Du tickst

Chronobiologen erforschen die inneren Rhythmen der Menschen. Sie halten es für wenig effektiv, die individuell tickenden biologischen Uhren zu synchronisieren. Der eine hängt noch um neun in den Seilen, die andere ist schon um sieben putzmunter. Klar gibt es fixierte Rahmenbedingungen, aber wir sollten lernen, unsere eigene Taktung zu erkennen und wichtige Termine und Lernphasen entsprechend zu legen.

7. Öfter mal was Neues

Täglich das Ewiggleiche machen wirkt einschläfernd auf Körper und Geist, Überraschungen halten wach. Schlagen Sie bewusst mal einen neuen Weg zur Arbeit ein, malen Sie mit links, testen Sie im Gespräch eine originelle Wendung und lassen Sie den Zufall entscheiden: Warum nicht einfach mal die Kollegin mit den meisten Sternen auf dem Pulli zum Essen einladen?

8. Immer schön locker bleiben

Wir kennen es alle. Bücher, die wir später im Leben schätzen gelernt haben, waren in der Schule einfach nur ödeste Pflichtlektüre. Wer zum Lernen verdonnert wird, dem vergeht der Spaß. Neues entdecken und zu lernen sollte dem Lustprinzip folgen und sich spürbar lohnen – siehe Punkt 2.

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