Kolumne

TURN ON Innovation: Artbrew – Bier automatisch selber brauen

Mit Artbrew kann man das eigene Bier in der Hausbar genießen.
Mit Artbrew kann man das eigene Bier in der Hausbar genießen. (©Artbrew 2016)

Das wäre doch nett: Rechtzeitig zur Fußball-EM im Sommer gibt's jetzt eine eigene kleine Brauerei für den Küchentisch, mit der man Bier nach seinen Ideen und Rezepten selber brauen kann. Wenn man den Erfindern glaubt, ist Artbrew das smarteste derartige System, das es momentan gibt.

Das ist schon verlockend: Leckeres, qualitativ hochwertiges Bier in nur einer Woche selber brauen – das jedenfalls versprechen die Macher von Artbrew, die derzeit auf Kickstarter nach Geldgebern für ihre Küchentisch-Brauerei suchen. Wer entsprechend hochwertige Zutaten verwendet, kann sich ein Rezept aus der großen Sammlung aussuchen und ist dann in der Lage, mit nur einem Knopfdruck innerhalb einer Woche das perfekte Bier nach eigenen Wünschen und Vorstellungen zu brauen.

Bier brauen mit Artbrew ist ganz einfach

Der Vorgang an sich soll ganz einfach sein: In das Artbrew-System, das etwa so groß wie ein etwas zu hoch geratener Mikrowellen-Ofen ist, füllt man die nötigen Zutaten ein. Man verwendet einen fertigen sogenannten Artpack mit allen Rohstoffen oder eigene Zutaten wie Malz, Hopfen, Weizen – und gibt dann etwa 5,5 Liter Wasser hinzu. Artpacks soll es übrigens für viele unterschiedliche Biersorten geben, man kann diese auch nachbestellen. Um den Brauprozess zu starten, kann man auf dem kleinen Display die Art des Biers auswählen, das man brauen möchte, und muss dann eben die passenden Zutaten in die Braumaschine kippen.

 Man kann den Brauprozess durch das Fenster teilweise beobachten. fullscreen
Man kann den Brauprozess durch das Fenster teilweise beobachten. (© 2016)

Dabei kommen die Zutaten zum Teil in ein so genanntes MiniKeg, in dem nach dem eigentlichen Brauen der Fermentierungs-Vorgang stattfindet. Dabei wird Zucker in Alkohol und Kohlendioxid umgewandelt – wodurch dann das eigentliche Bier entsteht. Dieser Vorgang dauert je nach Biersorte zwischen fünf und 21 Tagen und kann auch außerhalb der Braumaschine stattfinden. Das bedeutet: Wenn man mehrere MiniKegs hat, kann man auch mehr Bier quasi gleichzeitig brauen, denn der eigentliche Brauvorgang dauert nur ein paar Stunden. Ebenso kann man das MiniKeg aber auch im Artbrew lassen.

Braumeister hat in Deutschland gelernt

Das Brauen startet nach dem Befüllen des Geräts per Knopfdruck. Zunächst werden Malz und Wasser gemischt, dann wird die Flüssigkeit durch Kochen sterilisiert und der Hopfen hinzugefügt. Danach beginnt das Fermentieren, das zwischen einer und drei Wochen benötigt. In diesem Zeitraum überwacht Artbrew die Temperatur und den Druck – wie es vom Rezept vorgegeben ist. Schließlich kann man sein Bier direkt aus dem Artbrew-Fass genießen. Ziel der Artbrew-Macher ist nach eigenen Angaben, dass Bierbrauer einfach und ohne viel Aufwand gut schmeckende Biere herstellen können.  Bei anderen Hausbrau-Lösungen sei es häufig so, dass man die Bedienung erst erlernen muss. Das soll bei Artbrew wegen der Bauweise und der Rezept-Bibliothek nicht nötig sein. Man soll in der Lage sein, Pilsener, Porter, Weizen, Lager Stouts oder auch Heidelbeer-Bier selber zu brauen. Der Braumeister Aobo Sun, der das alles überwacht, ist zwar US-Amerikaner – aber mit Ausbildung an der Braumeisterschule Doemens in Deutschland.

Gesteuert wird das alles natürlich per Smartphone-App, mit der sich alle Werte wie etwa auch die Farbe des selbstgebrauten Biers selbst bestimmen lassen. Die App, verfügbar sowohl für iOS wie auch für Android, verwendet zahlreiche Sensoren in der Braumaschine, die jederzeit über den Status des Geräts informieren. Man kann die Brauphase überwachen, die Temperatur ablesen – und wenn man sich gut auskennt, diese Werte auch ändern, um das Produkt zu modifizieren. Einfach soll auch der oft so unangenehme Reinigungsprozess ausfallen. Erstens lassen sich die MiniKegs, in denen das Bier entsteht, sehr leicht entfernen. Und dann kann man auch den Selbstreinigungsprozess von Artbrew starten, bei dem die Maschine nur mit etwas Wasser in ein paar Stunden alle Rückstände des vorausgegangenen Brauprozesses wieder beseitigt.

 Die Artbrew-Maschine kann komplett per App gesteiert werden. fullscreen
Die Artbrew-Maschine kann komplett per App gesteiert werden. (© 2016)

Bier-Rezepte werden stets kontrolliert

Wer sich ein Artbrew zulegt, wird nach den Vorstellungen der Macher auch Teil eins Social-Beer-Networks. In dieser Artbrewer-Gemeinschaft kann man Rezepte teilen oder Freunde einladen, um das selbst gebraute Bier zu kosten. Und es soll sogar möglich sein, besonders gelungene Rezepte zu verkaufen. Dabei wird das Artbrew-Team alle Rezepte testen, bevor diese auf der Plattform dann angeboten werden.

Und wie läuft das Projekt auf Kickstarter? Obwohl es bis zum Ende des Finanzierungs-Zeitraums immerhin noch 33 Tage sind, haben die Macher schon über 108.000 Dollar eingenommen. Gefordert waren 100.000 – das Finanzierungsziel wurde also ziemlich schnell erreicht. Und das, obwohl die Braumaschinen nicht besonders billig sind. Die günstigste Version inklusive einem Minikeg ist für 489 US-Dollar zu haben. Zuzüglich der Versandkosten nach Deutschland von 30 Dollar würde das Braugerät hierzulande erstmal 519 Dollar kosten. Wenn dann noch der Zoll seine Hand aufhält, können daraus unterm leicht an die 650 Euro werden. Darauf muss man sich einstellen, will man das coole Gerät haben.

Ich selber bin kein großer Biertrinker, aber für Fans des bitteren Getränks ist so eine automatisierte und vor allem vielseitig steuerbare Heimbrauerei vielleicht eine wirklich feine Sache. Der Preis ist auf den ersten Blick vermutlich abschreckend, aber dafür bekommt man auch jede Menge Service und vermutlich ziemlich ausgefeilte Technik.

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