Kolumne

TURN ON Innovation: Die lernende Glühlampe verjagt Einbrecher

Die schlaue Lampe ist lernfähig und täuscht ein bewohntes Haus vor.
Die schlaue Lampe ist lernfähig und täuscht ein bewohntes Haus vor. (©ComfyLight )

Eine Lampe, die sich automatisch an- und ausschaltet und so mögliche Einbrecher denken lässt, dass jemand zu Hause ist? Eigentlich eine feine Idee fürs Smart Home – zumal dann, wenn die smarte Beleuchtung noch andere ganz spannende Funktionen hat.

Eine Lampe, die lernfähig ist? Hört sich meines Erachtens nach einer cleveren Idee an. Früher gab es mechanische Zeitschaltuhren für die Steckdose, mit denen man Anwesenheit vorgegaukelt hat. Sicher ein durchaus wirksames Mittel gegen Einbrecher. Mit dem Kickstarter-Projekt ComfyLight sucht so ein Gerät nach Geldgebern – und findet diese auch reichlich: 24 Tage vor dem avisierten Ende der Finanzierung sind bereits gut 85.000 Euro in der Kasse der Erfinder gelandet, obwohl nur 50.000 erbeten waren.

ComfyLight: Die zahlreichen Funktionen können sich sehen lassen

Kein Wunder, dass sich so schnell so viele Interessenten gefunden haben. Die Hersteller der intelligenten Glühbirne haben ein Funktionsbündel geschnürt, das sich sehen lassen kann: Zunächst ist ComfyLight in der Lage, die Bewegungen von Menschen in der Wohnung zu lernen, dementsprechend das Licht an- und auszuschalten und dieses Muster dann automatisch wiederzugeben. Aber das kluge Licht kann noch mehr: Es kann als Bestätigung verwendet werden, dass zu Hause alles in Ordnung ist und sich keine uneingeladenen Gäste im trauten Heim befinden. Sollten die Lampen unvorhergesehene Bewegungen registrieren, gibt es etwa per Smartphone prompt Alarm.

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So sieht die Produktion der ComfyLight-Lampen aus. (©ComfyLight )

Nicht zuletzt ist ComfyLight laut den Erfindern auch in der Lage, ein schönes Licht zu erzeugen. Die Lichter sind dimmbar und können sich automatisch anschalten, wenn man einen Raum betritt. Sie gehen auch wieder aus, sobald man das Zimmer verlässt. Das Zauberwort hinter diesen Fähigkeiten lautet "Internet der Dinge". Jede Lampe ist sozusagen ein kleiner Internetserver, der ständig Daten ins weltweite Netz sendet. Diese sind übrigens verschlüsselt, sodass es keine Sicherheitsprobleme durch die Technik selber geben sollte. Die Erfinder sichern zu, dass die Informationen über Nutzer auf extrem gut gesicherten Servern liegen, die auch für streng vertrauliche medizinische Daten zugelassen sind. Private Dinge wie Bilder oder Videos würden ohnehin nicht gespeichert.

Macher der klugen Lampe kommen aus der Schweiz

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Die beiden Macher hinter ComfyLight: Marcus Köhler und Stefanie Turber aus der Schweiz. (©ComfyLight )

Die Macher hinter den Intelligenz-Lampen kommen übrigens aus der Schweiz: Stefanie Turber und Marcus Köhler haben als Spin-off der Universität St. Gallen und der ETH Zürich ein Start-Up gegründet, um ihre Erfindung verwirklichen zu können. Seit Sommer 2015 ist das kleine Unternehmen mit Standorten in München und Zürich am Start und sucht nun Geldgeber per Kickstarter, um das Produkt auf den Markt bringen zu können. Drei Jahre Forschung und Entwicklung waren nötig, um ComfyLight zur Serienreife zu bringen. Ich finde es gut, dass endlich mal ein erfolgreiches Technik-Projekt auch aus Europa kommt – und nicht immer nur aus den USA.

Die Auflistung der Technik in den Lampen liest sich beeindruckend: Per Mikrowellen-Sensor werden auch feinste Bewegungen registriert. Das System soll laut den Schweizer Erfindern in der Lage sein, zwischen Menschen und Haustieren zu unterscheiden, sodass nicht Alarm geschlagen wird, wenn die Katze durch die Wohnung schleicht. Licht- und UV-Sensoren können erkennen, ob es Tag oder Nacht ist und ob die Beleuchtung angeschaltet ist oder nicht. Es gibt zwar keine Kameras oder Mikrofone, die geknackt werden könnten, aber jede Lampe kann sich mit dem WLAN verbinden, um so gesteuert werden zu können. Die Leuchtstärke entspricht übrigens der einer durchschnittlichen 80-Watt-Glühbirne.

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ComfyLight steckt voller ausgefeilter Technik. (©ComfyLight )

Bedienung des Lichts soll kinderleicht sein

Obwohl die Lampen voller Technik stecken, soll die Bedienung kinderleicht sein. Man ersetzt einfach beliebig viele Glühlampen im Haus durch die neuen und ohnehin sparsameren LED-Lampen, lädt sich die App aufs Android- oder iOS-Gerät herunter – und schon ist die Beleuchtung einsatzbereit. Man muss nur noch per App das Licht entsprechend konfigurieren. Je mehr Lampen man verwendet, desto besser und genauer werden die Erkennungsfunktionen. Auf der CES 2016 erhielt das System einen Preis – vor allem wohl auch deshalb, weil ComfyLight in der Lage ist, die Wohnung durch die Lichtsimulation präventiv zu schützen und nicht erst Alarm zu schlagen, wenn der Einbrecher bereits im Haus sein Unwesen treibt.

Kickstarter ComfyLight fullscreen
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Kickstarter ComfyLight fullscreen
Kickstarter ComfyLight fullscreen

Wer sich jetzt eines oder mehrere Lichter kaufen will, sollte schnell zugreifen. Von der günstigsten Variante, die mit 60 Euro um 55 Prozent unter dem erwarteten Ladenpreis von 129 Euro liegt, sind alle vergriffen. Verfügbar sind noch Lampen zum Stückpreis von 80 Euro, was auch noch 40 Prozent unter dem liegt, was man im Laden wahrscheinlich bezahlen muss.

Keine versteckten Kosten

Ich habe keine Angst vor Einbrechern, aber wenn ich in einer gefährlichen Gegend oder besonders einsam wohnen würde, könnte ich mir vorstellen, so eine Beleuchtung zu installieren. Beeindruckend finde ich, wie einfach das Installieren und die Nutzung sein sollen. Damit kann jeder umgehen, auch ohne großartige technische Kenntnisse. Und der Preis geht in Ordnung, zumal die Versandkosten diesmal mit 5 Euro erfreulich niedrig ausfallen. Und weil die Produkte auch aus Deutschland verschickt werden können, fallen keine weiteren Kosten an. Ein guter Deal also.

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