Kolumne

TURN ON Innovation: FormBox – Gestalten mit dem Staubsauger

Mit der FormBox lassen sich sehr einfach Gegenstände herstellen.
Mit der FormBox lassen sich sehr einfach Gegenstände herstellen. (©Mayku 2016)

Einen Nachteil haben 3D-Drucker ja: Sie sind ziemlich langsam. Mit der FormBox ist das anders. Das clevere Gerät kann sehr schnell Gegenstände kopieren und Formen herstellen – per Staubsauger. Auf Kickstarter suchen die Erfinder derzeit nach Geldgebern.

Das Prinzip der FormBox ist ebenso einfach wie genial: Per Vakuum aus einem Staubsauger wird eine feste Kunststoff-Folie in die gewünschte Form gebracht und kann dann entweder als Gegenstand genutzt oder als Vorlage für weitere Gegenstände verwendet werden. Hört sich verrückt an? Ist es auch, aber funktioniert anscheinend prima. Besonders spannend finde ich an der Idee, dass die Erfindung eine ziemlich schnelle Methode ist, Gegenstände zu kopieren. Das Verfahren ist zwar nicht besonders genau, aber macht diesen Mangel durch Tempo wieder wett.

Staubsauger saugt die überflüssige Luft ab

Und wie funktioniert die Sache genau? In dem Gerät wird zunächst der zu kopierende Gegenstand abgelegt und dann die vorher eingelegte Plastikfolie erwärmt. Die warme Folie wird fest über den Gegenstand gezogen und passt sich dessen Formen an, indem die überflüssige Luft per Staubsauger abgesaugt wird. Das Ergebnis ist eine zwar nicht besonders detaillierte, aber sehr schnelle Kopie des Gegenstandes. Die Hersteller versprechen zudem, dass sich an ihr System jeder normale Staubsauger anschließen lässt.

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Das Vakuum der FormBox wird per Staubsauger erzeugt. (©Mayku 2016)

Diese jetzt auch für Heimanwender verfügbare Methode des Vakuum-Formens ist in der Industrie ein oft in großem Maßstab verwendeter Prozess. Viele Verpackungen werden auf diese Weise hergestellt – und jetzt soll die Methode in vereinfachter Form – aber ähnlich effizient – auch für den Heimanwender zur Verfügung stehen. So lassen sich etwa aus einer Kartoffel Formen anfertigen, die später zu Kerzenhaltern werden. Und mit einem passenden durchsichtigen Mini-Dach wird daraus ein kleines Gewächshaus. Wenn man etwa Buchstaben abformt und diese dann mit Schokolade ausgießt, lassen sich witzige Geschenke anfertigen. Aus einer Kegelform lassen sich hingegen prima Lampenschirme machen – sogar farbig, wenn man bunte Folien verwendet.

Computerkenntnisse werden nicht benötigt

Für die ganze Formerei braucht man weder Computer noch Programmierkenntnisse – man kann einfach loslegen. Wer natürlich einen 3D-Drucker neben seinem Schreibtisch stehen hat, kann aber seinen gestalterischen Fähigkeiten freien Lauf lassen: Per Computer wird ein Gegenstand gestaltet, dann per Drucker ausgedruckt und zum Schlusse in der FormBox vervielfältigt. Verwenden lassen sich übrigens viele Folien – diese müssen nur weich werden, wenn man sie erwärmt. Das allerdings trifft allerdings auf die meisten der dünnen Plastikplatten zu. Man muss also nicht unbedingt die mitgelieferten Folien verwenden, das Material aus einem Kunststoff-Schnellhefter reicht in der Regel auch.

FormBox Kickstarter fullscreen
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FormBox Kickstarter fullscreen
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Wer mit Computer und 3D-Drucker selbst tätig werden will, kann übrigens auch auf eine Online-Plattform mit Vorlagen zugreifen. Und natürlich ist es auch möglich, dort eigene Projekte hochzuladen. Ansonsten ist man in Sachen Material, aus dem man seine Formen erstellen will, komplett frei. Holz, Beton oder Kunststoff sind ebenso unproblematisch wie etwa eine Banane. Aus der kann man dann mit einigen LEDs eine schicke Wandlampe herstellen. Trotz der Erwärmung der Folie lässt sich aber auch Eis als Vorlage verwenden. Man sollte nur darauf achten, dass an der Vorlage nichts kleben bleiben darf.

Finanzierer der FormBox bekommen komplettes Paket

Wer die FormBox bei Kickstarter mitfinanziert, bekommt dafür ein komplettes Paket mit allem, was man benötigt. Natürlich ist das Gerät selber enthalten, dann 30 verschiedene Folien um daraus Formen zu pressen, der Anschluss für den Staubsauger und ein erstes Beispiel für einen zu pressenden Gegenstand. Die Macher hinter der FormBox sitzen übrigens in London und haben schon verschiedene Kickstarter-Kampagnen gestartet. Chef Alex ist Produkt-Designer und hat schon diverse Webseiten für etliche bekannte Kunden gebaut. Sein Kollege Benjamin ist ein typischer Erfinder, der auf Kickstarter schon viel Erfahrung mit anderen Projekten sammeln konnte.

FormBox Kickstarter fullscreen
FormBox Kickstarter fullscreen
FormBox Kickstarter fullscreen
FormBox Kickstarter fullscreen
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Und auch die FormBox dürfte wieder eines von Benjamins erfolgreichen Projekten werden. Die Macher wollten 50.000 Dollar sammeln, um ihr Projekt umsetzen zu können. Bislang haben die Kickstarter-Teilnehmer über 72.000 Dollar gesammelt. Noch sind es 30 Tage bis zum Ende der Finanzierung, es könnte also auch noch deutlich mehr Geld zusammenkommen.

Einstieg ist für 349 Dollar möglich

Wer mitfinanzieren möchte, der kann derzeit noch für 394 Dollar einsteigen und bekommt dafür ein Starter-Paket. Der Versand kostet 30 Dollar und wenn der Zoll noch die Hand aufhält, könnte das Gerät mit etwa 420 Euro insgesamt zu Buche schlagen. Nicht gerade billig, finde ich. Aber ich finde auch, dass die FormBox ein tolles Ding für Bastler ist und Möglichkeiten bietet, die es bislang so nicht gibt und die auch kein 3D-Drucker bieten kann. Man braucht keinen Computer, kann aber auch einen 3D-Drucker in den Gestaltungsprozess einbauen. Wer gerne selber Dinge herstellt, eventuell auch in Kleinserien, für den ist die FormBox ohne Frage eine spannende Geschichte.

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