Kolumne

TURN ON Innovation: HEY sendet virtuelle Streicheleinheiten

Mit dem Armband HEY sollen Verliebte sich elektronisch drücken können.
Mit dem Armband HEY sollen Verliebte sich elektronisch drücken können. (©House of Haptics 2017)

Valentinstag ist in diesem Jahr zwar schon vorbei, aber die Erfinderwerkstätten arbeiten weiter und haben natürlich auch für den Rest des Jahres zum Thema Liebe einiges anzubieten. Verliebte, die durch große räumliche Entfernungen voneinander getrennt sind, können sich jetzt mit dem Kickstarter-Projekt HEY wenigstens virtuelle Streicheleinheiten zukommen lassen.

Virtuelle Streicheleinheiten – was soll das denn sein?  Ganz einfach: Die Macher des Kickstarter-Projekts HEY haben ein spezielles interaktives Armband erfunden, mit dem man mit seinen Liebsten auch über weite Entfernungen oder auch nur von Büro zu Büro in Kontakt bleiben kann. Dank Internet spielt die Distanz absolut keine Rolle, solange der Partner eben das Armband auch trägt.

HEY: Sanftes Drücken zeigt Verbundenheit

Die Macher des Wearables versprechen in der Vorstellung ihrer Erfindung, dass das kleine elektronische Gerät das Gefühl der Verbundenheit zum geliebten Menschen sehr realistisch erzeugen können soll. Dazu wird eine spezielle Technik verwendet, um Berührungen zu versenden. Das Armband soll die menschliche Berührung besonders naturgetreu wiedergeben können. Es ist also nicht so, dass da am Handgelenk plötzlich was heftig brummt, summt und vibriert, wenn eine Berührung eintrudelt. Eher ein sanfter Druck, sagen die HEY-Erfinder. Als Vibratorersatz ist das Armband also eher nicht gedacht.

 Alleine und doch elektronisch verbunden: Per HEY können virtuelle Streicheleinheiten versendet werden. fullscreen
Alleine und doch elektronisch verbunden: Per HEY können virtuelle Streicheleinheiten versendet werden. (©House of Haptics 2017)

Klarer Vorteil von HEY ist jedenfalls, dass die ankommende Streicheleinheit so heimlich ausgeführt wird, dass außer dem Träger des Armbandes niemand mitbekommt, dass gerade ein zärtliches Techtelmechtel am Handgelenk im Gang ist. Höchstens am stillen, verträumten Lächeln mit Blick auf das Wearable lässt sich ahnen, was da gerade passiert.

Zärtliche Gesten werden per Bluetooth gesendet

Wie das Ganze funktioniert, kann man sich ja weitgehend denken: Die zwei Armbänder eines HEY-Sets werden per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden und über eine App gesteuert. Bei der Gegenstelle passiert das ebenso – und dann sind die beiden Armbänder virtuell und latent miteinander verbunden. Immer wenn der Träger sein Armband berührt, wird diese zärtliche Geste an den ausgewählten Empfänger gesendet.

Durch eine spezielle Technik soll dabei sichergestellt werden, dass versehentliche Berührungen nicht als Streicheleinheit fehlinterpretiert werden und der Empfänger jede Menge virtuelle Knuddeleien bekommt, die ihm nicht zustehen. Etwas Ordnung muss schließlich auch beim Kosen sein. Und wer seine sehnsuchtsvollen virtuellen Stupser statistisch auswerten möchte, kann das in der App machen – natürlich.

 Im Set sind zwei Armbänder enthalten. fullscreen
Im Set sind zwei Armbänder enthalten. (©House of Haptics 2017)

Immer nur Herzen und Rosen in WhatsApp sind langweilig

Aber ich will mich über die interessante Innovation nicht zu sehr lustig machen, denn ich finde die Idee gar nicht schlecht. Ständig pochende Herzen per WhatsApp senden, virtuelle Rosen oder Kussmünde wird auf Dauer auch langweilig – und skypen geht nicht immer. Eine kurze Berührung mit der man sagt: "Ich denke an Dich" – warum eigentlich nicht? Und es müssen ja nicht nur Liebespaare sein, die auf diesem Weg in Kontakt bleiben. HEY ist bestimmt auch für Eltern und Kinder interessant, für Freunde – und vielleicht auch für manche Geschwister.

Gelegenheiten, an denen man an den entfernten Liebsten denkt, gibt's ja genug: Ob man sich nun alleine angstvoll vor dem Fernseher bei der neuesten Folge von "The Walking Dead" gruselt, gerade über ein Tor jubelt oder über einer Examens-Hausarbeitet brütet und schwitzt: Vielleicht wird es ja alles etwas leichter, wenn man elektronisch-mechanisch per Wearable kurz mit dem richtigen Menschen in Kontakt tritt.

HEY soll bei Männern wie Frauen gut aussehen

Die HEY-Macher versprechen, dass ihr Gerät an Männer- wie an Frauenhandgelenken gut aussieht. Das soll auch durch verschiedene Farben sichergestellt werden. Bislang soll es das Armband in Schwarz und Weiß geben. Aber wenn ausreichend Geld eintrudelt, dann sollen auch andere Farben wie Rot, Grün und Blau auf der Palette sein.

Das HEY-Armband gibt es in verschiedenen Farben. Standard sind Schwarz ... fullscreen
Das HEY-Armband gibt es in verschiedenen Farben. Standard sind Schwarz ... (©House of Haptics 2017)
... und weiß. Weitere Farben wie ... fullscreen
... und weiß. Weitere Farben wie ... (©House of Haptics 2017)
... etwa Grün ... fullscreen
... etwa Grün ... (©House of Haptics 2017)
... oder Rot ... fullscreen
... oder Rot ... (©House of Haptics 2017)
... und Blau kommen hinzu, wenn ausreichend Geld eingestreichelt wird. fullscreen
... und Blau kommen hinzu, wenn ausreichend Geld eingestreichelt wird. (©House of Haptics 2017)

Womit wir beim Stichwort "Geld" wären: Es sind zwar noch 35 Tage zum Ziel, aber noch reichen die gesammelten Finanzierungsbeiträge nicht, um die Streichel-Connection auch realisieren zu können. Die Macher aus der holländischen Stadt Utrecht wollen 125.000 Euro haben, eingegangen sind bislang knapp 74.000. Bei Kickstarter heißt es zwar, dass die meisten Projekte erfolgreich sind, die zu so einem Zeitpunkt schon so viel Geld eingestreichelt haben. Aber man weiß ja nie.

Liebhaber gesucht: Bei der Finanzierung mitknuddeln?

Wer bei der Finanzierung des Liebes-Tools mitknuddeln will, ist mit 83 Euro plus 12 Euro Versandkosten mit von der Partie. Dafür gibt's das komplette Paar-Paket: Zwei Wearables, Ladekabel und die entsprechenden Anleitungen. Die App, die für iOS und Android verfügbar sein wird, kommt kostenlos aus dem Internet dazu. Die superbilligen HEY-Pakete für 59 und 74 Euro sind schon alle weg – weil sie wortwörtlich Liebhaber gefunden haben. Wenn das Projekt finanziert wird, kann daraus vielleicht was Festes werden.

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