Kolumne

TURN ON Innovation: Irres Gerät – 3D-Drucker fürs Smartphone

Der Drucker fürs Smartphone: Mit OLO kann man mobil Objekte drucken.
Der Drucker fürs Smartphone: Mit OLO kann man mobil Objekte drucken. (©OLO 2016)

Nach nur drei Tagen bei Kickstarter schon über 600.000 US-Dollar kassieren – das schafft auch nicht jedes Projekt. Mit OLO kommt ein ziemlich cooler 3D-Drucker fürs Smartphone, der die Fantasie der Finanzierer ziemlich beflügelt. Meine übrigens auch.

Ein 3D-Drucker fürs Smartphone – was soll das denn bitte sein? Der kleine graue Kasten mit dem Namen OLO jedenfalls, dem man den Drucker absolut nicht ansieht, hat auf Kickstarter sofort viele Geldgeber begeistern können. In nur drei Tagen sind von über 4.500 Mitstreitern immerhin gut 600.000 US-Dollar eingenommen worden. Pro Stunde kommen da schon einmal locker 50.000 Dollar zusätzlich rein, sodass der Betrag schnell weiter steigt. Ist auch klar, denn das Gerät ist in jedem Fall mal wieder eine echte Innovation. Auf so etwas habe auch ich schon länger warten müssen. Es sind noch 27 Tage bis zum Ende der Finanzierungskampagne, sodass auch zum Einsteigen noch etwas Zeit ist.

Jeder Smartphone-Besitzer kann mit OLO drucken

Mit dem 3D-Drucker kann laut Hersteller fast jeder Besitzer eines Smartphones seine eigenen Gegenstände ausdrucken – und es ist fast egal, wie groß das Smartphone ist. Es soll sowohl mit kleinen 4-Zoll-Geräten funktionieren, wie etwa dem neuen iPhone SE, aber auch Riesen-Handys wie das ebenfalls noch recht neue Galaxy S7 sollen sich verwenden lassen.

Ok, und wie funktioniert das Ganze nun? Als Drucker-Medium wird eine Flüssigkeit verwendet, die unter Lichteinwirkung schnell aushärtet. Auf dem Smartphone wird nun das zu druckende Objekt Schicht per Schicht mit weißem Licht dargestellt. Im Drucker zieht eine kleine Plattform den Gegenstand aus dem flüssigen Drucker-Medium, das Resin genannt wird. Dabei handelt es sich um eine Kunstharz-Lösung, die es in diversen Farben und Ausführungen gibt. So lassen sich etwa goldene oder silberne Gegenstände ebenso drucken wie flexible, gummiartige Objekte. OLO dürfte für Schmuckdesigner, Ingenieure, Kieferorthopäden, Stempelmacher und andere technisch und kreativ tätige Menschen jedenfalls hochinteressant sein.

Technologie wird seit zwei Jahren entwickelt

Die Technologie dazu wird seit etwa zwei Jahren entwickelt, im letzten Jahr haben wir über einen ähnlichen Prototypen berichtet. Dass es so schnell gehen würde, bis Geräte für Endverbraucher ankommen, hat mich zumindest ziemlich überrascht. Die Macher von OLO haben jedenfalls zwei Jahre an ihrem Produkt gearbeitet, um etwa das Gehäuse zu perfektionieren und die Mechanik zu erneuern. Es wurden nicht nur neue Mikrochipst, sondern vor allem Resins entwickelt, mit denen auch bei Tageslicht gedruckt werden kann. Vorher war es nur möglich, die Druckflüssigkeit etwa per Laser oder UV-Licht aushärten zu lassen. Das machte die Belichtung der Druck-Objekte recht kostspielig.

Herausgekommen ist jedenfalls ein Design, das recht schlicht ist, aber auch handlich und vor allem mobil. Und laut den Herstellern dürfte der OLO damit auch einer der billigsten, wenn nicht der billigste 3D-Drucker auf dem Markt sein – jedenfalls mit dieser Technologie. Und das Gerät bietet einige interessante Features. Die natürlich patentierte neue Technologie kommt in einem kompakten Kästchen daher und die Software soll auch für Anfänger besonders leicht zu bedienen sein. Die feinste Struktur, die gedruckt werden kann, ist zwischen 0,036 und 0,042 Millimetern klein. Zum Vergleich: Ein Haar eines Mitteleuropäers ist zwischen 0,05 bis 0,07 Millimeter dick, der Drucker kann dünnere Strukturen herstellen. Im Schnelldruck allerdings ist die kleinste Struktur dann noch 0,12 Millimeter dick.

OLO 3D-Drucker Kickstarter fullscreen
OLO 3D-Drucker Kickstarter fullscreen
OLO 3D-Drucker Kickstarter fullscreen
OLO 3D-Drucker Kickstarter fullscreen
OLO 3D-Drucker Kickstarter fullscreen
OLO 3D-Drucker Kickstarter fullscreen

Reinigung des OLO ist einfach, Bedienung auch

Ebenso wie keine besondere Reinigung des Geräts nötig sein soll, fällt nach Angaben der Macher auch die Lernkurve sehr flach aus. Man hat schnell kapiert, wie man am besten drucken kann. Der OLO muss auch nicht kalibriert werden, und ist zudem flüsterleise. Die Mechanik soll wartungsfrei sein, regelmäßiges Schmieren der beweglichen Teile entfällt. Die Energiequelle des mobilen 3D-Druckers sind vier normale AA-Batterien, sodass man den OLO wirklich überall betreiben kann – auch ohne Steckdose. Etwa auch auf Reisen im Flugzeug oder in der Bahn. Insgesamt besteht der OLO-3D-Drucker nur aus sieben Plastikteilen, einem Chip und einem Motor.

OLO 3D-Drucker Kickstarter fullscreen
OLO 3D-Drucker Kickstarter fullscreen
OLO 3D-Drucker Kickstarter fullscreen

Die Apps, mit denen der Druckvorgang letztlich stattfindet, gibt's für iOS, Android und auch Windows Phone. Zum Erstellen der Gegenstände lässt sich jede 3D-Software verwenden, wie etwa Autodesk 123D Catch – aber auch beliebige andere Programme. Mit der OLO-Software soll jedenfalls sichergestellt werden, dass man nur die Menge an Resin einfüllt, die auch zum Drucken des gewünschten Objekts benötigt wird. Zu den Preisen der fantastischen Flüssigkeit findet sich wenig auf der Projektseite bei Kickstarter und auch bei anderen Fragen gibt's einen gewissen Antwortstau. So will etwa Mogens Kjær nicht nur den Preis der Druckflüssigkeit wissen, sondern sagt auch, dass der Film zwischen dem Smartphone und der Druckflüssigkeit recht häufig gewechselt werden müsse.

Was wird das kosten? Das ist nicht als wählbares Add-on verfügbar. Was wird der Resin kosten? Wird es weltweit verfügbar sein? Was ist mit einem Drucker für 100 Dollar, wenn jeder Druck 10 oder 20 Dollar kostet?" Anscheinend haben die Macher nicht mit diesem Echo gerechnet und kommen nun mit ihren Informationen nicht nach. Aber warum etwa Preise für die Verbrauchsmaterialien nicht von vorneherein angegeben sind, erschließt sich mir auch nicht wirklich. Auch nach dem Studium der Webseite der OLO-Macher ist man diesbezüglich nicht schlauer – schade!

OLO 3D-Drucker Kickstarter fullscreen
OLO 3D-Drucker Kickstarter fullscreen
OLO 3D-Drucker Kickstarter fullscreen

Erfinder des OLO 3D-Druckers kommen aus San Francisco

Die Erfinder des 3D-Druckers fürs Smartphone kommen übrigens, na klar, aus Kalifornien und der Firmensitz ist in San Francisco angesiedelt. In der Eigenbeschreibung bezeichnen sich die Macher als Team mit 15 Jahren Erfahrung in Sachen Produktentwicklung und Gestaltung. Vorher zählten schon bekannte Firmen wie Calvin Klein, Vodafone und beispielsweise Coca Cola zu den Kunden des Unternehmens.

Wer jetzt in die Finanzierung einsteigen will, kann sich im Grunde Zeit lassen, denn alle wirklich verbilligten Prämien sind natürlich schon weg. Für 99 US-Dollar plus 29 Dollar Versandkosten kann man aus Deutschland mit von der Partie sein, insgesamt also 128 Dollar. Zusammen mit Steuern wären das dann etwa 150 Euro – was ich für einen absolut fairen Preis halte. Hoffentlich sind dann auch die offenen Fragen in Sachen Preisen für Verbrauchsmittel geklärt. Wenn das in Ordnung ist, werde ich mir jedenfalls auch so ein Gerät zulegen, denn cool ist das Konzept in jedem Fall.

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