Kolumne

TURN ON Innovation: MAD Glass - irre Datenbrille sieht alles

Die Idee einer Datenbrille ist ja nicht neu. Google hat es mit Google Glass vorgemacht – nicht besonders erfolgreich allerdings. Ein aktuelles Kickstarter-Projekt sucht jetzt nach Geldgebern für eine neue Datenbrille – die besser und billiger sein will als das Vorbild von Google.

Mit Google Glass ist das Thema "Augmented Reality" plötzlich in aller Munde gewesen: Man sieht durch eine Brille und bekommt Zusatzinformationen eingeblendet, beispielsweise Übersetzungen, aktuelle Hinweise zu Sehenswürdigkeiten, zu Abfahrzeiten oder auch einen Währungsrechner. Aber: Das Projekt ist einstweilen gescheitert, wohl an mangelndem Interesse, an dem hohen Preis von 1500 Euro und auch wegen Datenschutzbedenken – obwohl in letzter Zeit Gerüchte aufkamen, dass eine zweite Version in Arbeit sein soll.

Sind die Brillen-Bastler aus Hongkong besser als Google?

Und jetzt kommen also die unabhängigen Bastler von Dragon Creative aus Hongkong, die für ihre Datenbrille MAD Glass Investoren bei Kickstarter suchen. Und das Gerät soll mit 839 Australischen Dollar, was etwa 540 Euro sind, auch deutlich günstiger sein als der bekannte Vorgänger. Was schonmal ein großer Vorteil wäre, wobei der Preis immer noch deutlich über der Taschengeldzone liegt. Dennoch: Ich finde, MAD Glass ist ein spannendes Projekt, und in der Zukunft wird es weitere derartige Geräte geben, die uns live Daten zur Verfügung stellen. Warum also nicht ein Projekt einer kleinen Firma aus Hongkong?

Was ist MAD Glass nun genau? Ein Minicomputer, den man sich an die Brille klemmen kann und der aktuelle, passende und wichtige Infos aufs Brillenglas einblendet. Auf MAD Glass läuft Android. Somit hat das Gerät erstmal alle Funktionen und alle Apps, die es für Android gibt. Aber die Hersteller betonen, dass MAD Glass mehr als ein Smartphone ist. Denn die Brille bietet eben die sogenannte erweiterte Realität oder "Augmented Reality" an, mit der nützliche Informationen über die Umgebung des Brillenträgers auf dem Glas eingeblendet werden können – ohne dass die Sicht auf die Umgebung dabei blockiert wird. Die Umgebung wird mit einer Kamera gefilmt, um diese optischen Infos dann verarbeiten zu können. Im Gerät stecken ein Zweikern-Prozessor, 2 GB RAM und 32 GB Speicher. Die Kamera nimmt mit 5 Megapixeln auf und das Bild auf der Brille hat 800 x 480 Punkte.

MAD Glass wird per Stimme gesteuert

Bedient wird das Gerät per Stimme und Multi Touch, wobei es von Bewegungs- und Stimmsensoren unterstützt wird. Die Hände werden jedenfalls nicht benötigt, um MAD Glass zu bedienen. Das Gerät hat vier Hauptfunktionen: eine Instant-Übersetzung, die jeden fremdsprachigen Text, der vor die Linse der Kamera kommt, in eine Sprache nach Wahl des Trägers übersetzt. Besonders auf Reisen in Länder mit exotischen Sprachen kann dies nützlich sein.

 Mad Glass: Das Gerät steckt voll mit High-Tech. fullscreen
Mad Glass: Das Gerät steckt voll mit High-Tech. (©Dragon Creative 2016)

Die Brille hat aber auch viele soziale Funktionen: Benutzer können Telefonanrufe tätigen, SMS schreiben, Bilder und Videos senden, einen Assistenten benutzen und alle Arten von Medien abspielen. Das bedeutet: Man muss kein Smartphone mehr benutzen, sondern kann dieses durch MAD Glass ersetzen – sagen jedenfalls die Erfinder. Und natürlich ist das Gerät auch zum Spielen geeignet. Dies können Games sein, die man zocken kann, ohne ständig auf einen Bildschirm zu starren, oder spezielle Spiele, die auf dem Augmented Reality-Prinzip basieren. Die Hersteller versprechen, dass man mit MAD Glass seine Spiele ganz neu erleben kann. Hier frage ich mich allerdings schon, ob die Brillen-Bastler den Mund nicht etwas voll nehmen: Die Steuerung der meisten Spiele erfordert wenigstens eine gewisse Komplexität – wie soll das mit der Brille gehen?

Eingebautes GPS bringt den Träger auf den richtigen Weg

Die letzte der Hauptfunktionen ist die Navigation: MAD Glass hat ein eingebautes GPS, mit dem man sicher in fremden Umgebungen sein Ziel finden soll. Die Brille leitet den Träger dabei zum Ziel, ohne dass man sein Smartphone in der Hand halten muss, was etwa auf dem Fahrrad oder im Auto häufig gar nicht geht. Die Brille soll aber auch Filme und Fotos aufnehmen können, man kann im Internet surfen und eben vieles tun, was man auch mit seinem Smartphone macht. Die Hersteller betonen, dass man keinerlei technische Kenntnisse benötigt, um die Augmented Reality-App nutzen zu können. Diese würde sich ganz einfach ins tägliche Leben einklinken und sei so einfach zu bedienen wie Facebook – was ja mitunter recht kompliziert sein kann.

MAD Glass wird mit einer Brille ausgeliefert, aber man soll das Gerät mit fast jeder anderen Brille verwenden können. Es wird in verschiedenen Farben erhältlich sein, darunter in Silber, Titan und Roségold. Um ausreichend passende Apps für MAD Glass zu bekommen, haben die Hersteller eigens einen App Store geschaffen, in dem es dann die entsprechende Software geben soll. Bislang sind auf Kickstarter von 100.000 geforderten australischen Dollar schon gut 88.000 zusammengekommen. Auch das günstigste Brillen-Angebot zu 839 Dollar ist noch zu haben, die Preisspanne reicht bis 899 Dollar. Im Laden soll MAD Glass dann 950 australische Dollar kosten, in Europa mit Zoll und Versand sicher um die 750 Euro.

Pläne nicht irre, aber ambitioniert

Die Pläne der MAD Glass-Erfinder sind zwar nicht irre, ohne Frage aber sehr ambitioniert. Es wird viel davon abhängen, wie groß die Stückzahlen sind, die die Tüftler aus Hongkong verkaufen können. Bislang sieht es zwar für die – vermutlich nur formal notwendige – Finanzierung per Kickstarter nicht schlecht aus. Aber um die 100 Unterstützer sind vielleicht für Kickstarter ausreichend, für die Entwicklung von weiterer Software ist die Basis viel zu dünn. So ist es also in jedem Fall ein Risikokauf, wenn man sich dieses spannende Gerät zulegen will.

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