Kolumne

TURN ON Innovation: Mit dem Smart-Ball auf Messis Spuren

Mit dem smarten Ball können Fußballspieler ihr Training per App überwachen.
Mit dem smarten Ball können Fußballspieler ihr Training per App überwachen. (©InsideCoach 2016)

Die smarte Technologie hat auch den Fußball erreicht. Per hochgerüstetem Ball und der entsprechenden App kann jetzt jeder Ballsportler sein Training auswerten und sich gezielt verbessern – um es dann mit Lionel Messi aufnehmen zu können. Per Kickstarter sucht man nun nach Geldgebern.

Die Macher von Insidecoach erklären unbescheiden, dass ihr System das "ausgefeilteste der Welt" sei. Das Einzige ist es jedenfalls nicht, da der Sportartikelhersteller Adidas mit dem miCoach-Smartball bereits ein ähnliches Produkt anbietet. Die Konkurrenz ist also groß, gegen die die Insidecoach-Erfinder antreten wollen. Ich bin mir sicher, dass sie das packen, was die smarte Technologie betrifft. Bei der Haltbarkeit des Balles ist Adidas vielleicht aber mit seinem miCoach besser aufgestellt.

Ball wird mit Smartphone-Sensoren ausgestattet

Die Idee hinter dem schlauen Leder ist eigentlich ziemlich simpel: Man stattet einen Ball mit allerlei Messfühlern aus, wie man sie auch aus Smartphones seit einigen Jahren kennt: Beschleunigungsmesser, Gyroskop und Neigungssensor zeichnen die Bewegungen des Balls sehr genau auf und senden diese Daten dann an eine App, die entweder auf einem iPhone oder einem Android-Gerät läuft. Dabei werden etwa die Schusskraft, die Flugbahn, die Umdrehung, die Zahl der Pässe und die Zahl der Ballberührungen registriert. Aus diesem Datenwust werden dann Hinweise fürs Training generiert, mit denen man sein Fußballspiel verbessern kann – versprechen die Hersteller der klugen Lederkugel.

Stichwort Leder: Daraus ist der Ball natürlich nicht gemacht, sondern aus Kunststoff. Es handelt sich um ein speziell geformtes Polyurethan-Material mit einem mehrlagigen Untergrund, damit die runde Form erhalten bleibt. Die eigentliche Blase ist aus Latex, der komplette Ball ist mit der Maschine genäht und soll drinnen und draußen bei jedem Wetter zu benutzen und dementsprechend haltbar sein. Klar, dass es hierzu Fragen der potenziellen Geldgeber gibt: "Ich spiele immer alleine und schieße mit einem Ball etwa 30 Minuten gegen eine Steinwand. Auf diese Weise habe ich eine Reihe von Bällen recht schnell geschafft", so Jamie.

"In Insidecoach steckt ja eine ganze Menge wertvolle Technik drin, also sollte der Haltbarkeit des Balls auch besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt werden", so der Hobby-Fußballer. Die Macher der klugen Kugel sichern zu, dass ihr Produkt zwar für einen langen Gebrauch konzipiert sei, geben aber zu: "Letztlich kann man das nicht komplett überblicken."

 InsideCoach: Per App lassen sich andere Ballbesitzer herausfordern. fullscreen
InsideCoach: Per App lassen sich andere Ballbesitzer herausfordern. (©InsideCoach 2016)

Per App andere Ballbesitzer herausfordern

Wer sich von der etwas ungewissen Langzeitprognose nicht abhalten lässt, vielleicht weil er ausschließlich auf Gras oder Kunstrasen gegen den Ball tritt, bekommt mit dem Insidecoach auch ein Sportgerät, mit dem er andere Ballbesitzer per App herausfordern kann, um damit gleichzeitig bestimmte Fertigkeiten zu verbessern. Andere Spieler können die Herausforderung annehmen und ihre Resultate dann in Echtzeit vergleichen. Solche Mini-Wettkämpfe enthalten beispielsweise die Anzahl der Ballkontakte, die Zahl der Pässe und Schüsse. Wer besser wird und bei diesen Herausforderungen gewinnt, der kann seine Platzierung in einer Rangliste steigern. Die Hersteller sehen diese Funktion als Motivationsmittel an, um immer weiter und immer mehr zu trainieren.

Die Daten vom Ball werden übrigens in Echtzeit auf die mobile App übertragen. Das kann etwa dazu genutzt werden, dass man über seine Kopfhörer während des Trainings mit dem schlauen Spielgerät Tipps bekommt, wie man seine Fertigkeiten quasi live verbessern kann. Also so, als ob man von einem echten Trainer während seiner Übungen Tipps reingerufen bekommt. Und damit man weiß, wie eine bestimmte Technik funktioniert, gibt es in der App Videos, die die jeweilige Methode zeigen. Der Hersteller gibt an, dass das perfekt für jede Leistungsklasse eines Fußballspielers sei. Hier denke ich, dass vermutlich die App bei sehr guten und vielleicht professionellen Spielern schnell am Ende der Fußball-Weisheiten ankommen dürfte.

 Bei der Entwicklung des smarten Balls gab es diverse Prototypen. fullscreen
Bei der Entwicklung des smarten Balls gab es diverse Prototypen. (©InsideCoach 2016)

InsideCoach kommt in zwei Größen

In der App gibt es weitere ganz spannende Funktionen: So lassen sich im Spieler-Profil Fortschritte speichern und man kann mit seinen Freunden – die dann natürlich auch einen InsideCoach haben und benutzen müssen – in Ranglisten um die beste Platzierung kämpfen. Zu den Daten kann auch ein Trainer Zugriff erhalten, sodass etwa ein Fußball-Papa dem Nachwuchs wertvolle Tipps geben kann. Und damit auch die kleinen Ballkünstler mit dem InsideCoach gut zurechtkommen, gibt’s das smarte Sportgerät in zwei Versionen: Größe 4 ist für 8 bis 12 Jahre geeignet und Größe 5 für ältere und erwachsene Spieler. Vielleicht wird es auch noch einen kleinen Ball in Größe 3 geben – das aber steht noch nicht fest.

In jedem Fall ist der smarte Ball ein Gerät, das aufgeladen werden muss. Da man die Kunststoff-Kugel nun schlecht per USB-Kabel an ein Netzteil stöpseln kann, haben sich die Macher dafür etwas Besonderes ausgedacht: eine drahtlose Ladestation. Der leergedribbelte Ball wird einfach auf der kleinen Plattform platziert, und die Akkus sind nach kurzer Zeit wieder spielbereit. Die verwendete Ladetechnologie heißt Qi-Pad und gilt als sehr zuverlässig.

Kickstarter-Kampagne läuft schon rund

Und wie kommt das alles bei den Kickstarter-Fußballern an? Prima, denn die geforderten 25.000 Dollar sind elf Tage vor Ende der Finanzierungsfrist bereits deutlich überschritten. Den Machern aus der Nähe der früheren US-Olympiastadt Salt Lake City in Utah ist es gelungen, über 29.000 Dollar zu sammeln. Dass alleine mit dieser Summe so ein Projekt zu stemmen ist, ist kaum vorstellbar. Ich denke, hier wird Kickstarter als Marketing-Plattform benutzt und weitere Geldgeber sind im Hintergrund tätig. Das InsideCoach-Team um den Gründer Nicolas San Juan und seine Frau Stacy präsentiert sich jedenfalls als erfolgreiche Mannschaft aus Software-Ingenieuren und Business-Profis, die den Aufgaben gewachsen sein wollen. In Videos, die die Entwicklung des Balls zeigen, kann man die Funktionsfähigkeit schon recht gut erkennen.

Und wie kann man mitmachen? Wer das Projekt finanzieren will, kann derzeit noch mit einem Betrag von 99 US-Dollar einsteigen und bekommt dafür einen Ball in der Größe seiner Wahl. Für Deutschland kommen weitere 30 Dollar an Versandkosten hinzu, sodass man bei 129 Dollar landet. Der Zoll könnte auch noch die Hand aufhalten, weshalb die Kosten für den Ball dann bei etwa 150 Euro eine runde Sache sein könnten. Ob das gesamte Projekt am Ende wirklich "rund" läuft – da bin ich gespalten. Die Idee ist genial, auch wegen der Konkurrenz mit Adidas, deren miCoach-Ball mit knapp 200 Euro deutlich teurer ist. Aber ob die Macher am Ende erstens die Datenübertragung und zweitens die Haltbarkeit des Balles gut hinbekommen, darin stecken Risiken. Wer mitfinanzieren möchte, sollte sich dieser Probleme bewusst sein. Es ist aber auch gut möglich, dass meine Bedenken übertrieben sind und man am Ende ein tolles, smartes Sportgerät in den Händen hält.

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