Kolumne

TURN ON Innovation: Pace macht jedes Auto zum Connected Car

Pace verwandelt ein normales Auto in ein Connected Car.
Pace verwandelt ein normales Auto in ein Connected Car. (©Pace 2016)

Wer schon mal vergisst, wo er sein Auto geparkt hat, Sprit sparen will, oder bei einem Unfall einen automatischen Notruf absetzen will – für den ist Pace möglicherweise eine gute Erfindung. Mit einem kleinen Stecker und dem Smartphone wird aus jedem stinknormalen Auto ein cooles Connected Car.

Ob Android Auto oder CarPlay von Apple: Connected Car-Systeme sind bislang eher selten und kosten dann auch gerne mal einen gepfefferten Aufpreis. Das Kickstarter-Projekt Pace bietet jetzt jede Menge smarte Funktionen fürs Auto an – und man braucht nur einen kleinen Stecker und das Smartphone. Das Spannende an diesem Projekt: Die Erfinder kommen aus dem Autoland Deutschland und die Funktionen von Pace lassen sich – bislang jedenfalls – nur in Deutschland wirklich nutzen. Sprich: Ein Kickstarter-Projekt, das sich bei der Finanzierung im Grunde nur auf deutsche Kunden stützen kann. Ich frage mich: Ob das klappt?

Pace: Connected Car-Gadget schafft Finanzierung

Und wie das klappt: Die für eine erfolgreiche Finanzierung nötigen 50.000 Euro sind mit über 122.000 Euro immerhin 59 Tage vor dem Ziel schon weit übertroffen. 1.415 Geldgeber können sich darüber freuen, ab Mai eines oder mehrere Pace-Geräte in den Händen zu halten. Wobei man erwähnen sollte, dass sich mit 50.000 Euro die Entwicklung eines derartigen Gerätes nicht finanzieren lässt. Weder das Team noch die zweijährige Entwicklungszeit wären mit so wenig Geld durchzustehen gewesen. Die Pace-Macher geben denn auch zu, dass ein großer Automobilzulieferer aus Deutschland sie bei der Entwicklung und Produktion unterstützt. So gesehen ist die jetzt aufgesetzte Suche nach Geldgebern bei Kickstarter wohl erstens eine Marketingmaßnahme zu Werbezwecken und dient zweitens möglicherweise auch der Vorfinanzierung der ersten Produktion des Geräts. Denn die Technik und die Software sind natürlich fertig, zumal Pace ja schon im Straßenverkehr getestet wird und im Mai ausgeliefert werden soll.

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Die Installation von Pace dürfte kein Problem sein. (©Pace 2016)

Ok, dennoch sieht Pace eindeutig nach einer Idee aus, die auch für mich in meinem Auto sinnvoll sein könnte. Dazu steckt man einen kleinen Stecker, der aussieht wie ein WLAN-Dongle, in den ODB2-Steckplatz seines Autos. Diesen der Diagnose dienenden Steckplatz haben die allermeisten Modelle schon seit vielen Jahren: "Diese Schnittstelle ist bei allen Autos in Europa gesetzlich vorgeschrieben ab Baujahr 2001 (Benziner) und Baujahr 2004 (Diesel). Darüber hinaus sind die meisten Autos ab Baujahr 1996 bereits freiwillig mit einer solchen Schnittstelle ausgestattet worden", erklären die Pace-Macher auf der Kickstarter-Seite. Und sollte dann doch ein Auto eines Käufers die Schnittstelle nicht besitzen, wird der Kaufpreis zurückerstattet.

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Pace: Das Connected Car kann per App gesteuert werden. (©Pace 2016)

Stecker sendet Auto-Daten ans Smartphone

Und wie funktioniert Pace nun und was kann es? Der Stecker liest aktuelle Auto-Daten an der Diagnose-Schnittstelle aus, sendet diese per Bluetooth ans Smartphone und dort werden die Informationen vom Auto mit denen, die das Internet liefern kann per App für iOS und Android verknüpft. So soll Pace dabei helfen, Staus zu vermeiden, man kann damit Sprit sparen und bekommt Hinweise auf die billigsten Tankstellen in der Umgebung. So kann man den fälligen Tankstopp seines Connected Car planen, bevor man dann doch wieder an die teuerste Zapfstelle muss, weil der Tank schon fast staubtrocken gefahren ist. Pace gibt auch eine Bewertung des Fahrstils ab – wobei das für mich vielleicht ein Grund wäre, mir das Gerät eher nicht zuzulegen. Aber ich bin ja durchaus kritikfähig, und wenn ich Benzin sparen kann – warum nicht?!

Auch für die sportlichen Autofahrer ist Pace interessant, denn der Performance-Monitor zeigt alle Infos zu Drehzahl, Motorauslastung und Querbeschleunigung an. Also alles Daten, die normale Menschen eigentlich nicht brauchen, die aber für Technikfreaks durchaus spannend sein dürften. Sehr nützlich dagegen sind die Funktionen, die Pace bei ausgeschaltetem Motor anbietet: Mit dem "Timeline Mode" kann man seine Fahrten analysieren und die zurückgelegten Strecken optimieren. Man kann also eine Art Fahrtenbuch führen. Außerdem soll es möglich sein, sein Auto wiederzufinden, falls man Opfer eines Park-Blackouts geworden ist. Und – besonders praktisch – im Falle eins Unfalls kann Pace automatisch einen Notruf absetzen.

Pace ist Made in Germany

Als Gerät aus deutscher Produktion verfügt Pace natürlich über eine sogenannte eMark-Zertifizierung sowie über ein CE-Kennzeichen und das BT-Zertifikat. "Geräte mit dieser vom Kraftfahrtbundesamt geforderten, sogenannten E-Kennzeichnung dürfen in Deutschland gemäß der Straßenverkehrsordnung STVO im Straßenverkehr betrieben werden", versichern die Pace-Macher per Kickstarter. Der Fokus auf Deutschland ist gewollt, die erste Pace-Version wird auch nur in Deutschland voll funktionsfähig sein. Die Apps wird es zwar auch auf Englisch geben, aber nur bestimmte Funktionen wie beispielsweise die Fehlercode-Analyse in deutscher Sprache, der Spritsparer oder das Finden des Autos und das Fahrtenbuch sowie das Tracking der Benzinkosten funktionieren auch im Ausland. Der Verkehrs-Monitor, die Tankstellensuche und der Notruf klappen vorerst nur auf deutschen Straßen. Aber auch wer mit dem Gerät dann im Ausland unterwegs ist, sollte an die möglicherweise höheren Roamingkosten für ausländisches Internet denken.

Es soll auch nicht verschwiegen werden, dass es ähnliche Produkte bereits auf dem Markt gibt, etwa Car Connection von O2. Von TomTom gibt es Curfer und von Garmin das Modell ecoRoute. Also diverse Produkte, die etwa die Funktionalitäten eines Navigationsgerätes mit den Daten aus der ODB2-Schnittstelle kombinieren. Von ausländischen Anbietern kommen Automatic und Dash. Alle diese Umsetzungen sind aber weniger komplett oder brauchen eben ein entsprechendes Navigationsgerät oder sogar einen zusätzlichen Mobilfunkvertrag. Und wer schon ein Navi hat, möchte sich vielleicht nicht noch ein Gerät an die Windschutzscheibe kleben.

Angebot um 25 Prozent unter Ladenpreis

Hinter dem Connected Car für alle steckt mit Pace ein Start-up mit Sitz in Karlsruhe und Berlin. "Uns vereint unsere Begeisterung für Autos, Innovationen und alles rund um 'Connected Cars'. Wir hatten die Idee zu Pace im Oktober 2014 und arbeiten seitdem daran, unsere Vision Wirklichkeit werden zu lassen", erklären die Tüftler ihre Motivation. Natürlich kostet diese Vision auch Geld: Wer jetzt einsteigt, hat die billigsten Angebote zu 69 und 79 Euro für ein Pace-Stecker schon verpasst. Momentan geht es für 89 Euro los, was mit minus 25 Prozent immer noch deutlich unter dem mit 119 Euro angepeilten Ladenpreis liegt. Wer mit 99 Euro einsteigt, bekommt noch einen Halter fürs Smartphone obendrauf. Im Laden soll dieses Komplettpakte später 144 Euro kosten. Rechnet man die niedrigen Versandkosten von fünf Euro dazu, kann man also für 94 Euro – einen Halter kann man vielleicht etwas billiger als bei Pace erstehen  – ein nettes und vermutlich nützliches Spielzeug bekommen, das für Auto-Fans vielleicht ein unverzichtbares Gadget werden könnte.

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