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TURN ON Innovation: Sisyphus bringt kinetische Kunst ins Heim

Sisyphus
Sisyphus (©Bruce Shapiro 2016)

Der Künstler Bruce Shapiro baut schon seit fast 20 Jahren sogenannte Sisyphus-Installationen – Kunstobjekte, bei denen eine kleine Metallkugel wunderschöne Linien in Sand malt. Eine Kickstarter-Kampagne soll dies nun auch ins Wohnzimmer bringen.

Sisyphos ist eine griechische Sagengestalt, die von den Göttern dazu verurteilt wurde, einen Felsblock auf ewig einen Berg hinaufzuwälzen. Fast am Gipfel angekommen, rollt der Felsen aber jedes Mal wieder ins Tal zurück. Auf Grundlage dieser Idee hat der US-Künstler Bruce Shapiro Installationen entworfen, bei denen eine kleine Metallkugel scheinbar endlose Linien in Sand zeichnet und wieder verwischt. Die Installationen stehen unter anderem in Deutschland, der Schweiz und Australien – und sollen nun durch eine Kickstarter-Kampagne auch ihren Weg ins heimische Wohnzimmer finden.

Die Sisyphus-Tische sollen laut Shapiro zugleich als praktisches Möbelstück und als private Kunstinstallation "mit meditativem Charakter" dienen. Sisyphus soll in drei unterschiedlichen Größen erhältlich sein, die Durchmesser betragen 0,6 Meter, 0,9 Meter und 1,2 Meter. Alle Tische besitzen eine Oberfläche als Hartglas und sind aus Metall mit Holzfurnieren gefertigt. Als Holzsorten stehen unter anderem Birke/Ahorn oder Walnuss zur Auswahl. Im Inneren der Tische befindet sich der sogenannte Sisbot-Mechanismus, ein Schrittmotor, der die kleine Metallkugel bewegt.

So funktioniert der Sisyphus-Tisch

Im Grundprinzip funktioniert der Sisyphus-Tisch recht einfach: Unter der Glasabdeckung liegt eine dünne Sandschicht, darunter arbeitet ein zweimotoriger Roboter namens Sisbot. Dieser bewegt per Magnet einen Stahlball durch den Sand. Die Motoren werden durch einen Raspberry Pi-Computer gesteuert, der ein bestimmtes Set von Wegdateien abspielt – so ähnlich wie ein Media Player, der MP3-Dateien wiedergibt. Sisyphus hat keinen Ein/Aus-Schalter – der Nutzer verbindet den Kunst-Tisch einfach mit der Steckdose. Anschließend kalibriert sich Sisyphus selbst und startet eine Standard-Wegliste. Der User kann allerdings die Wege, die Geschwindigkeit der Kugel und die Beleuchtung des Tisches mit einer App oder via Browser verändern, da Sisyphus auch eine WLAN-Verbindung hat.

Trotz stolzem Preis bereits finanziert

Wer sich nun fragt, wie viel eine solche kinetische Kunstinstallation für das heimische Wohnzimmer wohl kosten mag, könnte im ersten Moment erschrecken. Für das Vorbesteller-Einsteigerpaket mit dem kleinsten Tisch ruft Shapiro 645 US-Dollar auf – und dennoch sind alle 25 Exemplare hier bereits vergriffen. Der mittlere Tisch mit einem Durchmesser von 0,9 Metern kostet für Vorbesteller 945 US-Dollar. Die Luxus-Version mit einem Durchmesser von 1,2 Metern und einer Basis aus dem Werkstoff ApplePly geht sogar für satte 7.500 US-Dollar über den Kickstarter-Ladentisch und ist somit wohl nur etwas für absolute Kunstliebhaber.

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Sisyphus ist auf Kickstarter ein voller Erfolg. (©Bruce Shapiro 2016)

Trotz dieser recht stolzen Preise für ein Crowdfunding-Projekt ist Sisyphus auf Kickstarter ein voller Erfolg. Die Finanzierungskampagne läuft noch 25 Tage und hat trotzdem bereits jetzt ihr Ziel von 50.000 US-Dollar deutlich überschritten. Insgesamt spendeten 233 Unterstützer schon fast 180.000 US-Dollar. Die ersten Sisyphus-Modelle fürs Wohnzimmer sollen laut Shapiro im Oktober 2017 ausgeliefert werden – die Käufer müssen sich also noch mindestens ein Jahr gedulden.

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