Kolumne

TURN ON Innovation: Spün – Das Besteck, das Kalorien zählt

Dieses Besteck soll Kalorien zählen können und achtet darauf, dass der Nutzer nicht zu schnell isst.
Dieses Besteck soll Kalorien zählen können und achtet darauf, dass der Nutzer nicht zu schnell isst. (©Spün 2016)

Ein Besteck, das Kalorien zählt? Für alle, die abnehmen wollen, wäre das wohl die ideale Lösung für ihre Probleme. Auf Kickstarter werden jetzt Geldgeber für ein derartiges Produkt gesucht. Mit Spün soll das Essen analysiert und überwacht werden können.

Präsentiert wurde Spün zum ersten Mal auf der CES 2016 in Las Vegas, und jetzt suchen die Macher des smarten Bestecks auf Kickstarter nach Finanziers für ihr Produkt: Spün soll vollautomatisch das Gewicht jedes Bissens aufzeichnen, den man sich mit dem Kalorien-Spionage-Besteck in den Mund steckt. Mit einer App werden daraus nicht allein die Brennwerte berechnet, sondern auch andere für eine ausgewogene Ernährung wichtige Informationen. Daraus strickt die Software dann Empfehlungen für das richtige Essen – um gesund und fit zu bleiben.

Per Foto soll Spün das Essen analysieren

Hört sich nach Science Fiction an? Der Trick, mit dem die Spün-Macher das alles schaffen wollen, ist ein Foto des mit Essen gefüllten Tellers. Bis zu vier Lebensmittel gleichzeitig sollen per Bild von der Smartphone-App identifiziert werden können. Mit einer Tracking-Technologie, die nicht nur die Position des Tellers mit der Mahlzeit sondern auch des Löffels oder der Gabel aufzeichnet, will die App dann Art und Menge des Lebensmittels erkennen,  das der Spün-Benutzer zu sich nimmt. Dabei werden beim Essen nicht nur die Gesten des Benutzers registriert, sondern die einzelnen Happen auch gewogen. Die App ist in der Lage, die beim Essen aufgenommenen Nährstoffe auszuwerten und dann entsprechende Empfehlungen zu machen, sollte ein Mangel festgestellt werden. Beim Abnehmen etwa ist das überaus hilfreich.

 Das Spün-Besteck sucht derzeit auf Kickstarter nach Geldgebern. fullscreen
Das Spün-Besteck sucht derzeit auf Kickstarter nach Geldgebern. (©Spün 2016)

Und es geht sogar noch weiter: Wer etwa, wie beispielsweise ich, ein notorischer Schlinger ist, wird vom intelligenten Besteck daran erinnert, dass es gesünder ist sich Zeit zu lassen und langsamer zu essen. Oder wer sich zu einseitig nur von Fast Food ernährt, wird von der App gemahnt, nicht nur Hamburger plus Pommes in sich hineinzustopfen, sondern bekommt passende und gesunde Menüvorschläge präsentiert. Wenn das alles wie versprochen funktioniert, könnte das sowohl für alle, die sich einfach gesund ernähren wollen, wie natürlich auch für Übergewichtige ein spannendes Gadget sein.

Für unterwegs gibt's Wegwerf-Gabeln

Spün kommt mit einigen interessanten technischen Features auf den Markt: Der Handgriff, in dem die Gestenerkennung steckt, ist natürlich wasserdicht und der Akku nachladbar. Aber der Griff muss im Grunde nicht abgewaschen werden, denn man verwendet ihn sowohl mit Wegwerf-Aufsätzen für Gabel und Löffel wie auch mit wiederverwendbaren Aufsteckteilen. Wenn man etwa unterwegs ist und nicht abwaschen kann, nutzt man die Wegwerf-Variante. Ohnehin scheint Spün für den mobilen Einsatz prima geeignet, sodass es eine ausgezeichnete Möglichkeit darstellen könnte, auch unterwegs die verspeisten Kalorien im Blick zu behalten.

Zuerst muss man ein Foto vom Teller machen ... fullscreen
Zuerst muss man ein Foto vom Teller machen ... (©Spün 2016)
... dann identifiziert man die Nahrungsmittel ... fullscreen
... dann identifiziert man die Nahrungsmittel ... (©Spün 2016)
... und beim Essen werden in Echtzeit die Kalorien gezeigt, und ... fullscreen
... und beim Essen werden in Echtzeit die Kalorien gezeigt, und ... (©Spün 2016)
... wenn man zu schnell isst, gibt's eine Warnung. fullscreen
... wenn man zu schnell isst, gibt's eine Warnung. (©Spün 2016)

Beim Essen gibt Spün ein haptisches Feedback, ähnlich wie der Vibrationsalarm eines Smartphones, um einen guten Essrhythmus hinzubekommen. Das Gerät soll kompatibel mit anderen Ernährungs-Apps sein und die Werte dort einspeisen können. Stichwort App: Diese stellt beim Essen in Echtzeit die Kalorien dar, die gerade auf dem Löffel oder der Gabel sind und als nächstes im Mund landen sollen. Und auch hier gibt es die Tempo-Kontrolle. Schaufelt man sein Mittagessen zu schnell vom Teller, wird das in Rot signalisiert. Was von Spün allerdings nicht aufgezeichnet wird, sind die Getränke. Wer zu Gemüse mit Salat noch einige Maß Bier trinkt, hat zwar eine saubere elektronische Bilanz, dürfte aber dennoch seine Gewichtsprobleme nur schwer in den Griff bekommen.

Wird Spün die Finanzierung packen?

Bislang ist es noch nicht ganz klar, ob das intelligente Besteck die Finanzierung packen wird. 15 Tage vor dem Ende des gesteckten Zeitraums sind mit 88.000 US-Dollar erst gut die Hälfte der geforderten 150.000 Dollar eingegangen. Die Zahl der Unterstützer ist mit 118 überschaubar. Vermutlich trauen die Kickstarter-Teilnehmer den Machern von Spün nicht zu, die Nahrungsmittel per Foto wirklich gut identifizieren zu können. Mir jedenfalls scheint das die allergrößte Hürde bei dieser faszinierenden Idee zu sein. Ich bin zwar auch nicht überzeugt, dass das wirklich so klappt, wie man es in den Videos glauben soll. Aber ich bin auch neugierig, und deshalb habe ich auch hier wieder zugeschlagen und kann mich ab August davon überzeugen, ob das Konzept aufgeht und Spün wirklich funktioniert – wenn die Finanzierung durchkommt. Der Einsteiger-Preis von 79 Dollar plus 20 Dollar Versandkosten nach Deutschland wird mit eventuell Steuern vielleicht am Ende bei 120 Euro liegen – und das ist für ein möglicherweise so innovatives Produkt ein fairer Preis.

Die Aufsätze für Löffel und Gabel sind abwaschbar, und  ... fullscreen
Die Aufsätze für Löffel und Gabel sind abwaschbar, und ... (©Spün 2016)
... für unterwegs wird eine praktische Schachtel mitgeliefert. fullscreen
... für unterwegs wird eine praktische Schachtel mitgeliefert. (©Spün 2016)
Während beim Essen die Kalorien gezählt werden ... fullscreen
Während beim Essen die Kalorien gezählt werden ... (©Spün 2016)
... kann man sich danach die verspeisten Nährwerte ansehen. fullscreen
... kann man sich danach die verspeisten Nährwerte ansehen. (©Spün 2016)

Über die Macher von Spün erfährt man auf Kickstarter und auch auf deren eigener Seite nicht viel, außer dass sie aus Atlanta in Georgia kommen. Das liegt im Süden der USA und dort wird etwa die Zombie-Serie "The Walking Dead" gedreht – was jetzt aber kein Urteil über die Qualität des Bestecks sein soll.

Die Vorstellung, dass per Gadget und Software jeder Bissen überwacht wird, den man sich in  den Mund steckt, klingt nicht nur skurril, sondern am Ende auch beängstigend. Unser Schlaf, der Sport, die Freizeit und jetzt auch noch das Essen werden per Technologie aufgezeichnet und jede Menge Daten erzeugt. Andererseits ist es natürlich für mich schon spannend zu sehen, ob diese ganzen verrückten Ideen am Ende wirklich funktionieren und das Leben leichter und besser machen. Aber wenn es beim Abnehmen hilft und um Gesundheit und Fitness geht, nehmen die Kunden vielleicht so manches in Kauf. Im August bin ich dann vielleicht schlauer.

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