Kolumne

TURN ON Innovation: Trainerbot ist krasser Tischtennis-Gegner

Der Trainerbot ist ein harter, elektronischer Tischtennis-Gegner.
Der Trainerbot ist ein harter, elektronischer Tischtennis-Gegner. (© 2016)

Wer sich im Tischtennis verbessern will, kann entweder in den Verein gehen, mit Kollegen spielen – oder er greift zum Trainerbot. Das ist nämlich der erste per App steuerbare Tischtennis-Roboter der Welt, der sich prima in einem kleinen Rucksack verstauen lässt. Die Erfinder suchen derzeit auf Kickstarter nach Geldgebern.

Ich spiele ganz gerne mal Tischtennis und habe im Gartenhaus sogar eine eigene Platte stehen. Aber meinen Schlägen fehlt eindeutig die Konstanz: Mal haue ich eine scharfe Vorhand flach und mit Schnitt übers Netz. Und dann wieder fliegen die Bälle reihenweise meilenweit über die Kante der Platte. Deshalb wäre ein Trainingspartner, der nie müde wird und der mich gleichzeitig mit gefährlichen Bällen eindecken kann, schon eine prima Sache.

Trainerbot: Auch Spezialschüsse sind programmierbar

Per Crowdfunding suchen die Erfinder des Tischtennis-Roboters Trainerbot im Moment auf Kickstarter nach Geldgebern für ihre smarte Ballmaschine – und das hat sofort mein Interesse geweckt. Natürlich vor allem, weil sich dieser Tischtennis-Trainer komplett per App steuern lassen soll – wie die Macher zusichern. Der Trainerbot soll der weltweit erste Tischtennis-Roboter sein, der sich per Smartphone bedienen lässt. Und nicht nur die Standard-Bälle sind drin, man kann auch spezielle Schüsse programmieren und Spiele simulieren. Damit lässt sich auch ganz prima das Problem beheben, dass etwa im Verein manche der dort verfügbaren Partner viel zu stark sind und jeden von der Platte fegen. Andere Kontrahenten hingegen sind selber keine Könner – und man erreicht keinerlei Trainingseffekt, wenn man gegen solche Spieler antritt. Jetzt also der automatische Tischtennis-Übungsleiter Trainerbot.

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Trainerbot: Die Ballmaschine ist sehr vielseitig in ihren Schlägen. (©Harrison Chen )

Die Ball-Maschine kann entweder an der Kante der Tischtennis-Platt montiert werden oder auch auf einem separaten Ständer etwas dahinter. Dies sorgt für ein weitaus realistischeres Trainings-Erlebnis. Einmal aktiviert spuckt die Maschine dann Bälle mit jedem Tempo, in jeder Richtung und mit ebenfalls frei wählbaren Spin in Richtung ihres menschlichen Gegenübers. Das Training kann entweder ruhig ablaufen oder aber hektisch werden, wenn man die Frequenz des Geräts hochdreht. Da in den Trainerbot bis zu 30 Bälle passen, kann man komplette Spielsequenzen mit wechselnden Richtungen und verschiedenen Tempos programmieren. Als ob einem ein menschlicher Spieler gegenübersteht, der seine Returns und das Tempo ständig variiert. Sind die 30 Bälle verbraucht, muss man allerdings aufsammeln und nachladen. Es soll sogar möglich sein, auf diesem Weg etwa Spiele berühmter Tischtennis-Cracks aus dem TV zu kopieren, indem man die Bälle ebenso programmiert, wie diese dort übers Netz geflogen sind. Je länger ich über den Trainerbot nachdenke, desto spannender wird das Gerät für mich.

In die Maschine passen 30 Bälle

Die Erfinder sichern zu, dass die Maschine ihre Bälle extrem genau auf jede Position auf dem Tisch zu platzieren vermag. Möglich sind dabei natürlich auch jede Form von Schüssen: Stoppbälle, Lobs, langsam segelnde flache Slices oder schnell rotierende Topspin-Schmetterschläge. Weil man in der Lage ist, die gewünschten Schlagarten und Spin-Richtungen exakt einzustellen, kann man sehr genau etwa den "unschlagbaren" Service eines Freundes nachbilden. Den trainiert man dann einfach so lange, bis man damit klarkommt. Und der Kumpel dürfte das nächste Mal an der Platte so richtig Augen machen, wenn man seinen vorher so gefährlichen Aufschlag locker meistert.

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Es gab sehr viele Entwicklungsstadien für den Tischtennis-Roboter. (©Harrison Chen 2016)

Unterstützt wird man dabei von Trainingsvideos, zu denen es die passenden vorprogrammierten Schläge gibt, die man per App einfach abrufen kann. Umgekehrt funktioniert es natürlich auch: Man kann sein Training per Video aufzeichnen und die dazugehörigen Schlagsequenzen mit anderen Besitzern eines Trainerbots teilen. Der Trainerbot verbindet sich übrigens per Bluetooth mit dem Smartphone, was für gewöhnlich problemlos ist und auch hier gut funktionieren sollte. Natürlich benötigt das Gerät Anschluss an eine Stromversorgung, auf dem Schulhof ohne Steckdose wird es nicht klappen. Aber transportabel ist die runde Box mit dem Loch durchaus, denn von den Abmessungen her passt die Ballmaschine in einen normalen Tagesrucksack locker hinein.

Starterpreis beträgt 329 Dollar

Und die Kickstarter-Teilnehmer? Es läuft gut, aber übermäßige Euphorie wie bei anderen Projekten gibt's bislang noch nicht. Von den erwünschten 80.000 US-Dollar sind bislang gut 68.000 eingetrieben worden. Weil es noch 51 Tage bis zum Ende des Finanzierungszeitraums sind, dürfte es kein Problem sein, auch die verbleibenden knapp 12.000 Dollar zu sammeln. Und da es schon funktionierende Prototypen und vor allem die entsprechenden teuren Gussformen gibt und jetzt im Grunde das zu sammelnde Geld nur noch für die letzten Abstimmungen für die Serienproduktion dient, dürfte der Trainerbot in jedem Fall auf den Markt kommen. Auch wenn es mit der Kickstarter-Finanzierung wider Erwarten nicht klappen sollte. Wer einsteigen will, kann das im Moment noch für 329 Dollar zum günstigsten Starterpreis machen. Einige wenige Prämien zu diesem Preis sind noch da. Leider kostet der Versand nach Deutschland satte 50 Dollar, sodass am Ende mit Zoll und Steuern vielleicht gut über 400 Euro auf der Rechnung stehen könnten. Aber für echte Tischtennis-Fans vielleicht dennoch eine spannende Sache.

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Die Erfinder: Die Chen-Brüder sind selber Artisten an der Platte. (©Harrison Chen 2016)

Die beiden Erfinder sind übrigens Tischtennis-Spieler wie man sie sich eben vorstellt. Die Chen-Brüder sehen so aus, als könnten sie auch die letzten chinesischen Meister sein – und sie spielen auch so gut. Seit die beiden Kinder sind, stehen sie an der Platte und treten immer wieder gegeneinander an. Und dabei freuen sie sich über jeden Hammerschuss, den sie dem jeweils anderen Bruder um die Ohren pfeffern können. Später im Studium verschlug es die beiden in verschiedene Teile der Welt, sodass an gemeinsames Training nicht mehr zu denken war. So entstand die Idee zum Trainings-Roboter, damit man nicht aus der Übung kommt und dennoch einen Gegner hat, der so gut spiel, wie der eigene Bruder. Und jetzt haben die beiden Brüder aus San Francisco eine eigene Firma gegründet, um den Trainerbot zu bauen und zu vermarkten. Planung und Entwurf der Maschine haben dabei einige Jahre gedauert.

Bestimmte Schläge extrem exakt trainieren

Für mich ist der Roboter-Tischtennistrainer eine ziemlich geniale Idee – leider aber etwas teuer für ein gelegentliches Hobby. Gut vorstellen kann ich mir, dass die Maschine nicht nur Fun bringt, sondern auch einen wirklichen Trainingseffekt. Denn man ist in der Lage, bestimmte Schläge extrem exakt zu trainieren, da die Maschine diese immer wieder reproduzieren kann. Die Steuerung per App und Smartphone sieht leicht und intuitiv aus, sodass vermutlich auch App-Analphabeten damit schnell klarkommen. Das Tischtennis-Gadget ist in jedem Fall ein gutes Beispiel dafür, wie sich Alltagstechnik, interessante Ideen und moderne Technologie verbinden lassen.

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