Kolumne

TURN ON Innovation: växt ist der elektronische "grüne Daumen"

Mit växt vertrocknen die Zimmerpflanzen nicht.
Mit växt vertrocknen die Zimmerpflanzen nicht. (©växt 2017)

Wer einen "grünen Daumen" hat, bringt Pflanzen zum Wachsen und Gedeihen. Mit etwas Smart-Home-Technologie können sich jetzt aber auch Zimmergärtner ohne diese nützliche Eigenart Unterstützung bei einem ganz raffinierten Kickstarter-Projekt holen: växt soll dafür sorgen, dass sich der Mensch um seine Pflanzen kümmert, sprich sie vor allem regelmäßig gießt.

Ich gebe es zu: Zimmerpflanzen hatten bei mir immer ein hartes und vor allem knochentrockenes Leben. Der allereifrigste Gießer war ich nie, und die eine oder andere Pflanze dürfte wegen meiner mangelnden Pflege vermutlich jetzt in den heiligen Kompost-Jagdgründen ihre Wurzeln schlagen. Deshalb ist das Kickstarter-Projekt växt für mich besonders interessant.

Sensoren in den Töpfen checken die Erde auf Feuchtigkeit

Die Idee ist einfach erklärt: Kleine, weiße Sensoren werden in die Töpfe der Zimmerpflanzen gesteckt und überprüfen die Blumenerde dort auf Feuchtigkeit. Wenn es wieder Zeit ist, die Pflanzen zu wässern, nimmt man das växt-Gerät mit. Auf der Gieß-Runde durch die Wohnung wird dann jeder Topf gecheckt. Das zentrale Gerät ruft von jedem Sensor den Messwert über die Feuchtigkeit ab und gibt in drei Stufen an, wie viel gegossen werden sollte.

Die Sensoren für die Töpfe fallen angenehm klein aus und brauchen vor allem keine Batterie, was auch die laufenden Kosten deutlich reduziert. Bevor er verwendet werden kann, muss jedem Sensor zunächst ein bestimmter Pflanzentyp zugewiesen werden. Da es Pflanzen mit sehr unterschiedlichen Wasserbedürfnissen wie etwa Kakteen und Grünpflanzen gibt, kann das Gerät so unterscheiden, wie hoch die Feuchtigkeit im Topf sein soll. Für die Feuchtigkeitsmessung braucht der Sensor keine Energiequelle, da diese kapazitiv funktioniert – und der Strom für die Übertragung kommt aus dem växt-Gerät.

Wenn das Gerät blinkt, ist es Zeit ... fullscreen
Wenn das Gerät blinkt, ist es Zeit ... (©växt 2017)
... die Sensoren in den Töpfen zu checken ... fullscreen
... die Sensoren in den Töpfen zu checken ... (©växt 2017)
... ob gegossen werden muss, ... fullscreen
... ob gegossen werden muss, ... (©växt 2017)
... ob das nicht nötig ist oder ... fullscreen
... ob das nicht nötig ist oder ... (©växt 2017)
... es sogar Staunässe gibt. fullscreen
... es sogar Staunässe gibt. (©växt 2017)

Bei Staunässe kommt eine Warnung

Das Gerät erkennt nicht nur Feuchtigkeit, sondern zeigt auch eine Warnung bei Staunässe an. Die ist für bestimmte Pflanzen nämlich nicht weniger schädlich als Wassermangel. Das finde ich ebenso wichtig wie die Warnung vor Trockenheit. Eine zusätzliche App oder einen WLAN-Anschluss braucht man für växt übrigens nicht, da alles komplett über NFC funktioniert. Das bedeutet, in die Sensoren sind kleine Chips eingebaut, deren Daten sich auslesen lassen, wenn man mit dem Lesegerät sehr nah dran ist. Und das Lesegerät ist eben in diesem Fall das zentrale växt-Gerät, das dann seine Gießempfehlung abgibt.

In växt ist eine ziemlich ausgeklügelte lernfähige Künstliche Intelligenz eingebaut, die mit jeder Messung mehr über die für jede Pflanze nötigen Gießintervalle lernt. Und die KI registriert ebenfalls, wie der växt-Nutzer die Gießanweisungen mengenmäßig interpretiert und passt sich an. Gibt es eine Hitzeperiode mit höherem Wasserverbrauch, kann sich växt auch darauf einstellen und den Pflanzenbesitzer häufiger zum Gießen schicken. Ziemlich raffiniert gelöst.

växt bringt keinen technischen Overkill

Gut ist wirklich die Einfachheit von växt. Kein technischer Overkill mit App und Daten in der Cloud, sondern ein auf das Wesentliche beschränkte Gerät. Diese Low-Tech-Philosophie der växt-Macher, die übrigens aus Deutschland kommen, finde ich erfrischend: "Klar, eine App mit einem Pflanzen-Monitor, die gezielte Ansage zum 'Durst' einzelner Pflanzen oder sogar eine Integration in Amazons Alexa hört sich interessant an. Dies hätte jedoch massive Auswirkungen auf das gesamte System. Die Sensoren würden ständig die Feuchtigkeit messen und könnten nicht mehr batterielos funktionieren", heißt es auf Kickstarter. Und: "Aber wollen wir wirklich jeden Tag den Wasserstand individuell von jeder Pflanze wissen? Möchte ich jeden Tag zum Gießen losgeschickt werden?" Über allem steht auch der Anspruch, dass växt bezahlbar bleiben soll, denn schließlich geht es am Ende doch "nur" um die Grünpflanzen von gestressten Stadtmenschen.

 Auf der Gieß-Runde dabei: das växt-Gerät. fullscreen
Auf der Gieß-Runde dabei: das växt-Gerät. (©växt 2017)

Finanzierung noch nicht ganz geschafft

Obwohl das Projekt der Münchener Truppe um Sebastian Ballweg schon sehr fertig aussieht, ist es noch nicht ganz finanziert: Von den recht niedrig angesetzten 30.000 Euro haben 550 Unterstützer bislang knapp 28.000 eingezahlt. Da es noch zehn Tage bis zum Ende der Frist sind, dürfte das Ziel aber erreicht werden. Wobei es sicher nicht auf dieses Geld ankommt, damit växt im Handel landet, denn eine komplette Finanzierung des Projekts kostet mit Sicherheit wesentlich mehr als die 30.000 Euro von Kickstarter.

Ich finde die Idee – zumal ich ein absoluter Gießmuffel bin – so gut, dass ich växt unterstütze. Ich bin mit 55 Euro inklusive Versand für ein Professional Kit dabei, das mit fünf Sensoren ausgerüstet ist. Wem drei Sensoren auch reichen, kann sich für 40 Euro das Basispaket zulegen. Wenn alles klappt, dann soll växt im Dezember 2017 an die Unterstützer ausgeliefert werden. Im Laden soll man das Gerät dann auch kaufen können, allerdings zu etwa 20 Prozent höheren Preisen.

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