Kolumne

TURN ON Innovation: Youmo – Steckdose liefert nicht nur Strom

Auch in der Küche kann die smarte Kombi-Steckdose gute Dienste leisten.
Auch in der Küche kann die smarte Kombi-Steckdose gute Dienste leisten. (©Youmo 2016)

Die Steckdose neu erfinden – wer macht denn sowas? Drei Freunde aus München haben sich tatsächlich an ein Redesign des Alltagsgegenstandes gewagt. Dabei es ist ein wirklich erstaunliches Produkt herausgekommen: die modulare Steckdose. Per Kickstarter wird jetzt nach Geldgebern gesucht.

Die Idee ist so einfach wie genial: Weil man heute meist nicht nur einfach eine Steckerleiste mit drei oder beispielsweise fünf Steckplätzen braucht, sondern auch noch USB-Anschlüsse, einen Powerline-Adapter fürs Netzwerk oder eine Station fürs drahtlose Laden und etwa Lautsprecher, kann es ziemlich praktisch sein, das alles in nur einer Steckerleiste zu haben. Da so ein Gerät aber erstens ziemlich lang und teuer wäre und zweitens nicht jeder alle Funktionen braucht, haben die Tüftler aus München sich eine modulare Lösung ausgedacht. Mit Youmo kommt eine echte Revolution in Sachen Steckdose, und auf Kickstarter werden jetzt Geldgeber für die letzte Phase der Entwicklung gesucht.

Youmo: Für jede Funktion ein eigenes Modul

Für jede Funktion gibt's ein eigenes Modul, das man an die anderen Module anstecken kann. Die komplette Leiste wird dann per Kabel mit der Wandsteckdose verbunden. So kann sich jeder Nutzer nach seinen Bedürfnissen eine Stromversorgung für jeden Einsatzbereich zusammenstecken. Denn gerade bei den USB-Verbrauchern fallen dann zum Teil klobige Netzteile, die anderen Steckplätze blockieren, einfach weg. Praktisch! Auf den ersten Blick hat mich das Konzept zwar nicht so überzeugt – auf den zweiten dafür umso mehr. Die Idee ist clever und sicher ungemein praktisch. Und außerdem sieht das Gerät auch noch gut aus.

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Für die smarte Steckdose gibt es eine Vielzahl von Modulen. (©Youmo 2016)

Als Clou obendrauf, und auch das finde ich an der Idee praktisch und clever, gibt's noch ein smartes Modul. Das erkennt beispielsweise ob man die Wohnung verlassen hat, ohne die Stehlampe auszuschalten und schickt dann eine Benachrichtigung ans Smartphone. Mit einem Modul soll es laut Hersteller sogar möglich sein, mit allen an die Leiste angeschlossenen Geräten via Strom zu kommunizieren. Und dann kannst Du diese Steckdose natürlich auch deaktivieren und dadurch die Lampe einfach von unterwegs ausschalten. Wer manchmal Besuch aus den USA hat, klickt einfach das US-Modul in die Leiste und kann seinen Gästen so den entsprechenden Anschluss zur Verfügung stellen.

Für die Optik: Kabel in verschiedenen Farben

Damit sich das System auch optisch gut einfügt, gibt es sieben verschiedene Farben für die Kabel, die außerdem in drei Längen zur Verfügung stehen. Und natürlich sind die Anschlusskabel auch mit Steckern für den Einsatz in den USA erhältlich, sodass man für dort immerhin keinen Reiseadapter mehr braucht. Denn die Module kann man auseinandernehmen und in beliebige Ecken des Koffers stopfen.

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Das Gerät lässt sich leicht im Koffer verstauen. (©Youmo 2016)

Und eine smarte Steckdose wäre ohne eigene App nur halb so schön. Die Smartphone-Software dient nicht alleine der Kommunikation. Man kann damit etwa auch Software-Updates für das smarte Modul herunterladen und bekommt Vorschläge, wie sich die Strom-Module steuern lassen.

Haben es Projekte aus Deutschland schwer?

Und wie kommt Youmo bei den potenziellen Geldgebern auf Kickstarter an? Bislang ist gut die Hälfte der nötigen Finanzierungssumme von 50.000 Euro eingetrudelt, es gibt 308 Interessenten. Da es aber noch 38 Tage bis zum Ende des Finanzierungszeitraums sind, ist sicher noch genug Zeit, das Geld einzusammeln. Meines Erachtens sieht man an diesem Beispiel aber wieder mal, dass es innovative Projekte aus Deutschland oft schwer haben, sich durchzusetzen. Gut möglich, dass eine entsprechende Idee aus den USA längst durchfinanziert wäre. Hierzulande fehlt es auch etwas an der Presse, die so eine Idee sehr schnell bekannt macht.

Nicht nur bei der Finanzierung suchen die Münchener Entwickler nach Unterstützung, sondern auch bei neuen Ideen für weitere Module, die für die speziellen Strombedürfnisse der potenziellen Nutzer zu Hause, im Büro, in der Schule oder unterwegs Lösungen zur Verfügung stellen. "Deshalb wollen wir eine offene Plattform schaffen und Entwickler einladen mit uns bei neuen Modulen zusammenzuarbeiten", so die Entwickler bei Kickstarter. Angedacht ist etwa ein Temperaturfühler oder vielleicht ein Hologramm des Kollegen, der gerade Mittag macht ...

Youmo smarte Steckdose fullscreen
Youmo smarte Steckdose fullscreen
Youmo smarte Steckdose fullscreen
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Schon jetzt eine Reihe von Modulen verfügbar

Bei Kickstarter gibt's aber auch schon eine ganze Reihe verfügbarer Module, die zum Start von Youmo angeboten werden. Etwa die Grundkabel, das Solo-Modul mit einer Dose und einem USB-Anschluss oder die Dreier- und Fünfer-Module mit normalen Steckdosen. Ebenso gibt's auch Multi-USB-Module und ein Modul zum drahtlosen Laden eines entsprechend ausgerüsteten Smartphones. Natürlich ist auch das Smart-Modul zur Steuerung der elektrischen Verbraucher schon über Kickstarter verfügbar. Geplant sind bei einem erfolgreichen Abschluss der Kickstarter-Finanzierung unter anderem noch ein drahtloser Lautsprecher, ein WLAN-Repeater und etwa ein Sicherheitsmodul mit Infrarot- und Ultraschall-Überwachung. Sollte die Kampagne erfolgreich sein, planen die Erfinder zudem weitere Lösungen für zusätzliche Länder.

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Es gibt auch Kabel in verschiedenen Farben. (©Youmo 2016)

Die Entwicklung von Youmo, hinter der der Designer Tobias Förtsch und die Ingenieure Carsten Fichtel und Cornelius Schneider stecken, die wie erwähnt aus München und Berlin stammen, hat fast zwei Jahre gedauert. Nach der Planungsphase haben die drei aus Bayern jetzt Prototypen am Wickel, die sie ausgiebigen Tests unterziehen. Wer sich an der Finanzierung beteiligen möchte, kann jetzt noch für 30 Euro einsteigen und bekommt dafür ein Set bestehend aus einem Kabel und zwei Modulen aus der Kickstarter-Kollektion nach Wunsch. Mit den Versandkosten von 10 Euro bekommt man für 40 Euro eine nicht billige, aber sehr praktische Steckdose, die beliebig erweiterbar ist.

Ich denke, die Idee kann sich durchsetzen. Längst hat der USB-Anschluss den normalen Stecker bei vielen Geräten abgelöst. Es ist nicht einzusehen, dass man für jedes Gerät auch ein Netzteil haben muss. USB-Buchsen an jeder Steckdose wären nicht nur praktisch, sondern auch gut für die Umwelt, weil der Materialverbrauch reduziert werden könnte.

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