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Abstrakte Fotografie: Tutorial zu der Kunstform

In der abstrakten Fotografie werden Motive auch mal losgelöst von ihrem Kontext abgebildet.
In der abstrakten Fotografie werden Motive auch mal losgelöst von ihrem Kontext abgebildet. (©Thinkstock/Purestock 2017)

Ein Bild muss immer eine Aussage haben? Oder Motive klar erkennbar abbilden? Nein, sagt die abstrakte Fotografie. Sie geht einen anderen Weg. Wir zeigen Dir, warum es manchmal ganz schön sein kann, Farben und Formen für sich sprechen zu lassen – und geben Dir ein kleines Tutorial für die ersten abstrakten Fotografieversuche an die Hand.

Ausdrucksstark – dieses Wort beschreibt abstrakte Fotografien ganz treffend. Meist gibt es keine eindeutige Bildaussage, daher wirken abstrakte Fotos auf viele Menschen ganz unterschiedlich. Und das macht sie so einzigartig: Bilder, in denen jeder etwas anderes sieht, wirken ganz besonders inspirierend. Darunter kannst Du Dir noch nichts vorstellen? Und Du wüsstest schon gar nicht, wie Du selber abstrakt fotografieren solltest? Dann ist dieses Einsteiger-Tutorial vielleicht etwas für Dich.

Abstrakte Fotografie: Was ist das eigentlich?

 Nicht immer ist auf Anhieb zu erkennen, was ein abstraktes Foto zeigt. fullscreen
Nicht immer ist auf Anhieb zu erkennen, was ein abstraktes Foto zeigt. (©Thinkstock/iStock/RomoloTavani 2017)

Was sich hinter dieser Kunstform verbirgt, deutet schon der Begriff abstrakt an, der unter anderem durch "ohne Bezug zur Realität" umschrieben werden kann. Abstrakte Fotografien wollen im Gegensatz zu Landschaftsfotos beispielsweise gar nicht die Wirklichkeit möglichst exakt abbilden. Stattdessen spielen sie frei mit Farben und Formen. Muster, Flächen oder Linien werden dafür häufig ohne den zugehörigen Kontext abgebildet – etwa, indem nur ein kleines Detail eines Gegenstands fotografiert wird. Daher ist auch nicht immer auf Anhieb zu erkennen, um was für ein Motiv es sich handelt. Aber darum geht es bei der abstrakten Fotografie ja auch gar nicht. Abstrakte Bilder ermöglichen es Dir, die Welt mit völlig anderen Augen zu sehen.

Keine Aussage = keine Idee?

 Abstrakte Fotografien können sehr wohl die Idee eines Fotografen vermitteln. fullscreen
Abstrakte Fotografien können sehr wohl die Idee eines Fotografen vermitteln. (©Pixabay 2017)

Da abstrakte Fotografien nur selten eine eindeutige Bildaussage haben, könnte man meinen, der Fotograf wisse vielleicht nicht, was er knipsen soll. Dabei steckt hinter dieser Kunstform sehr häufig eine Idee – und sei es nur, Dir einen neuen Blick auf einen eigentlich bekannten Gegenstand zu gewähren. Ohne die realitätsgetreue Abbildung von Motiven rückt die Idee hinter einem Bild bei der abstrakten Fotografie sogar viel stärker in den Fokus. Statt eines Abbilds schafft sie vielmehr ein Strukturbild, erläutert das Ratgeberportal Computerwissen. Durch das Überschreiten von Grenzen der gegenständlichen Fotografie eröffnet die abstrakte Fotografie neue Möglichkeiten: Künstlern gelingt es mitunter, das Unsichtbare sichtbar zu machen oder das Sichtbare durch Stilisierung auf das Wesentliche zu reduzieren. Was als wesentlich gilt, bestimmt der Künstler.

Abstrakte Malerei vs. abstrakte Fotografie

 Anders als in der abstrakten Malerei bildet die Wirklichkeit die Grundlage für die abstrakte Fotografie. fullscreen
Anders als in der abstrakten Malerei bildet die Wirklichkeit die Grundlage für die abstrakte Fotografie. (©Pixabay 2017)

Wer jetzt denkt, dass er sich die Prinzipien und Techniken der abstrakten Fotografie bei der abstrakten Malerei abschauen kann, irrt leider. Zumindest was die unterschiedlichen Abstraktionsgrade von Farbgebung, Struktur oder Stil angeht, haben Maler viel mehr Möglichkeiten und können viel freier gestalten. Als Fotograf hingegen musst Du Dich immer mit der realen Welt als Basis arrangieren. Selbst wenn Du die Realität nur ausschnittsweise wiedergibst – so kannst Du doch nichts fotografieren, das nicht existiert. Ebenso wie in der Malerei lässt sich beim Fotografieren aber beispielsweise durch Veränderung der Perspektive abstrahieren und eine neue Sicht auf Dinge gewinnen.

Tipps für Anfänger: Mit welchen Faktoren lässt sich spielen?

 Durch das Fotografieren mit offener Blende rückt der Vordergrund in den Fokus des Bildes. fullscreen
Durch das Fotografieren mit offener Blende rückt der Vordergrund in den Fokus des Bildes. (©Thinkstock/iStock/FactoryTh 2017)

Theoretisch besitzt jede Form der Fotografie einen gewissen Abstraktionsgrad. Schließlich bannst Du ein dreidimensionales Objekt auf ein zweidimensionales Bild. Willst Du jedoch noch einen Schritt weitergehen und Bilder mit einem höheren Abstraktionsgrad kreieren, hast Du auch als Fotograf mehrere Möglichkeiten. So kannst Du nicht nur die Perspektive und den Bildausschnitt beeinflussen. Auch die Aufnahmeparameter, die Du an der Kamera einstellst, haben Einfluss auf das Ergebnis. Eine weit geöffnete Blende beispielsweise lässt den Hintergrund auf dem Bild verschwimmen und rückt damit ein Detail im Vordergrund in den Fokus.

Tipps für Profis: Nachträgliche Bildbearbeitung bei RAW-Fotos

 Bei RAW-Fotos kannst Du auch nachträglich noch viele Faktoren ändern, zum Beispiel die Farbgebung. fullscreen
Bei RAW-Fotos kannst Du auch nachträglich noch viele Faktoren ändern, zum Beispiel die Farbgebung. (©Pixabay 2017)

Heutzutage bietet die abstrakte Fotografie zahlreiche Möglichkeiten durch digitale Nachbearbeitung. Während Farben, Stil und Strukturen zu Zeiten der Analogfotografie hauptsächlich durch den Einsatz von Filtern und Co. bei der Aufnahme beeinflusst wurden, kannst Du heute auch im Nachhinein noch Hand anlegen. Am besten ist es, dafür im RAW-Format zu fotografieren. Dann liegen Dir die Rohdaten zu den Bildern vor und Du kannst viele Faktoren noch nachträglich verändern. Bildbearbeitungsprogramme lassen Dich zum Beispiel Anpassungen an Farben, Kontrasten oder Strukturen vornehmen, die Deinem abstrakten Foto den letzten Schliff verpassen können. Aber Achtung: Veränderst Du zu viel, dann gerät das Bild schnell zum verfremdeten Foto. Gelingt Dir die Gratwanderung, kannst Du aber eindrucksvolle Ergebnisse erzielen!

Zusammenfassung

  • Abstrakte Fotos wollen die Realität nicht abbilden, wie sie ist, sondern einen neuen Blick auf Dinge schaffen
  • Objekte werden oft ohne ihren Kontext abgelichtet und sind nicht immer auf Anhieb zu erkennen
  • Nichtsdestotrotz kann es eine Bildaussage geben, abstrakte Fotografie kann das Unsichtbare sichtbar machen oder den Blick auf das Wesentliche richten
  • In der Fotografie stehen Dir andere gestalterische Mittel als in der Malerei zur Verfügung
  • Beim Fotografieren kannst Du das Ergebnis durch die Wahl von Perspektive, Bildausschnitt oder Kameraeinstellungen beeinflussen
  • Mit einer Bildbearbeitungssoftware lässt sich auch im Nachhinein noch abstrahieren
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