Ratgeber

Analoge Fotografie: Tipps für den Retro-Schick

Gucken, knipsen, lange warten: Analoge Fotografie ist umständlich, aber gerade deshalb wieder im Trend.
Gucken, knipsen, lange warten: Analoge Fotografie ist umständlich, aber gerade deshalb wieder im Trend. (©Pixabay 2017)

Die analoge Fotografie lebt! Während digitale Schnappschüsse dank Smartphone-Kameras heute allgegenwärtig sind, entdecken viele Menschen die Langsamkeit und Unberechenbarkeit des Fotografierens auf Film wieder für sich. Unsere Tipps bringen Anfängern die Grundlagen der Analogfotografie näher.

Ein Knopfdruck und schon ist das fertige Bild auf dem Bildschirm, kann betrachtet, bearbeitet oder gelöscht werden: Wer Fotografie im digitalen Zeitalter kennengelernt hat, kann sich kaum vorstellen, dass es auch mal anders war. Bei der analogen Fotografie, die bis zum Aufkommen von Digitalkameras das Standardverfahren war, ging alles viel langsamer. In die Kamera musste ein Film eingelegt werden, der beim Fotografieren belichtet wurde. Nach einigen Dutzend Bildern war der Film voll und musste zum Entwickeln ins Labor gebracht werden. Erst wenn er die Fotos wieder abgeholt hatte, konnte der Fotograf sehen, ob seine Bilder überhaupt gelungen waren. Was erst einmal wie ein ziemlicher Nachteil klingt, bringt viele Fotografen heute wieder zurück zur analogen Fotografie: Statt schneller Schnappschüsse, von denen einer schon in Ordnung sein wird, steht das bewusst geschossene, perfekte Bild im Mittelpunkt.

Die richtige Kamera für die analoge Fotografie

Der Einstieg in die Retro-Welt der analogen Fotografie ist – der digitalen Übermacht am Markt sei Dank – mittlerweile relativ günstig. So sind gebrauchte Kameras bereits ab etwa 30 Euro erhältlich. Achte beim Kauf darauf, dass die Kameras noch lichtdicht sind, dass alle Dichtungen in Ordnung sind und dass die mechanischen Bauteile gut funktionieren. Bei Kameras mit Batterie sollte das Batteriefach sauber sein.

Anfänger suchen am besten auf Flohmärkten, beim Foto-Fachhändler oder im Internet nach einer gebrauchten Spiegelreflexkamera. Bei diesem Kameratyp fällt der Blick direkt durch den Sucher, Du siehst also schon beim Fotografieren, welcher Bildausschnitt später auf dem Foto zu sehen sein wird. Außerdem ist das Scharfstellen von Fotos hier leicht zu bewältigen und das Sortiment an Wechselobjektiven groß. Ein Standard-Zoomobjektiv ist für Anfänger zunächst ausreichend, Fortgeschrittene können auch in Objektive mit Festbrennweiten, zum Beispiel 30, 50 und 100 Millimetern investieren. Idealerweise suchst Du nach einer Kleinbildkamera, die Filme im 35-Millimeter-Format (Typ 135) benötigt – die sind leicht zu bekommen und vergleichsweise günstig.

 Analoge Spiegelreflexkameras (hier ein Modell von Minolta) sind für ambitionierte Anfänger am besten geeignet. fullscreen
Analoge Spiegelreflexkameras (hier ein Modell von Minolta) sind für ambitionierte Anfänger am besten geeignet. (©Pixabay 2017)

Wichtig: Die analoge Kamera verstehen

Digitalkameras verfügen oft über eine Vielzahl von voreingestellten Programmen und automatischen Funktionen, die für das Fotografieren wichtige Parameter wie Belichtungszeit und Schärfentiefe selbstständig einstellen. Eine analoge Kamera nimmt Dir viele dieser Einstellmöglichkeiten nicht ab. Informiere Dich deshalb gründlich über die verschiedenen Faktoren, die ein analog geschossenes Foto beeinflussen. Manche Analogkameras haben Funktionen wie eine Blendenautomatik, einen Belichtungsmesser oder eine Abblendtaste, mit der Du die Schärfentiefe schon vor dem Knipsen kontrollieren kannst. Diese Hilfsmittel können Dir den Einstieg vereinfachen, sie sollten aber auch manuell nachsteuerbar oder abschaltbar sein.

Noch wichtiger: Geduld!

Hast Du Kamera und ein wenig Vorwissen über die Grundlagen der analogen Fotografie beisammen, kann es losgehen! Also Film einlegen – am Anfang am besten einen Farbfilm aus dem Drogeriemarkt – und ab nach draußen, denn bei natürlichem Licht übt es sich am besten. Du wirst schnell merken, dass Du Deine Motive viel sorgfältiger aussuchen musst als beim digitalen Fotografieren: schließlich ist der Film irgendwann voll und es lassen sich auch keine Bilder nachträglich löschen. Sparsam knipsen und geduldig auf den richtigen Moment warten – das sind die vielleicht wichtigsten Dinge, die Du von der analogen Fotografie lernen kannst. Geduld brauchst Du auch, wenn Du den vollen Film zum Entwickeln im Fotolabor abgegeben hast. Denn bis Du Deine fertigen Bilder in Händen hältst, vergeht noch einmal einige Zeit.

Farbe, Redscale, schwarzweiß: Der Film macht's!

Wenn Du Deine ersten Schritte mit der Analogkamera gemeistert hast, kannst Du anfangen zu experimentieren. Bereits über die Auswahl des Films kannst Du Deinen Bildern einen individuellen Touch verpassen. Sogenannte Redscale-Filme werden beispielsweise von der Rückseite belichtet und verpassen dem fertigen Bild deshalb eine ganz besondere Farbgebung mit deutlichem Gelb- oder Rotstich. Schwarzweiß-Filme sind in der analogen Fotografie besonders beliebt, weil Du sie mit einem dunklen Raum, wenigen Utensilien und etwas Übung zu Hause einfach selbst entwickeln kannst. So schaffst Du individuelle und absolut einzigartige Fotos – und darauf kommt es bei der analogen Fotografie eben vor allem an!

 Vermeintliche Unperfektheiten wie die Körnung oder der Rotstich bei dieser Redscale-Aufnahme machen den Reiz der analogen Fotografie aus. fullscreen
Vermeintliche Unperfektheiten wie die Körnung oder der Rotstich bei dieser Redscale-Aufnahme machen den Reiz der analogen Fotografie aus. (©CC: Flickr/Nick Page 2017)
Artikel-Themen

Weitere Artikel zum Thema

close
Bitte Suchbegriff eingeben