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Faszientraining: Was steckt hinter dem Fitnesstrend?

Rollen, dehnen und federn: Faszientraining soll die Beweglichkeit steigern und Schmerzen verhindern.
Rollen, dehnen und federn: Faszientraining soll die Beweglichkeit steigern und Schmerzen verhindern. (©ThinkstockPhotos/SebastianGauert 2017)

Ein neuer Trend überrollt zurzeit die Fitnessstudios: Gurus der Szene schwören auf Faszientraining. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Begriff und ist die Stärkung des Bindegewebes wirklich so wichtig, wie von Fans beschworen?

Faszientraining hält den Körper jung, sorgt für einen straffen Körper und beugt Muskelverletzungen vor – das behaupten zumindest die Anhänger des neuen Fitnesstrends. Alles Humbug, nichts davon sei wirklich wissenschaftlich nachgewiesen, sagen die Kritiker. Fakt ist: Um das Training des elastischen Bindegewebes mittels bunter Schaumstoffrollen ist ein regelrechter Hype ausgebrochen.

Was ist Faszientraining?

Die allgemeine Begeisterung dürfte dabei vor allem auf der Aktualität des Themas beruhen. Denn: Erst in den letzten Jahren kamen Forscher und Mediziner zu dem Schluss, dass das weiche Bindegewebe um die Muskeln, Nerven und Knochen herum wichtiger sein könnte, als bislang vermutet. Die sogenannten Faszien sollen die Muskeln schützen und sogar stärken, andererseits könnten sie bei Bewegungsmangel auch verkleben und somit Schmerzen auslösen, so die Erkenntnis, die allerdings wissenschaftlich nur unzureichend belegt ist. Der Grundgedanke beim Faszientraining ist es nun, mit einer Massagerolle, auch Faszienrolle genannt, die Verklebungen im Gewebe zu lösen.

Neuer Fitnesstrend, alte Übungen

Im klassischen Faszientrainingskurs wird jedoch nicht nur fleißig gerollt. Das vermeintlich neue Training bedient sich nämlich zusätzlich zahlreicher altbekannter Gymnastik- und Yoga-Übungen, wie Dr. Robert Schleip, einer der führenden Forscher auf dem Gebiet der Faszienstudien, im Gespräch mit Spiegel Online unumwunden zugibt. Neu sei deshalb gar nicht die Trainingsmethode an sich, sondern lediglich die Erkenntnisse, die dahinterstecken. Außerdem sollte das Faszientraining nur eine Ergänzung zum Muskeltraining sein – ersetzen könne es Letzteres nicht, so der Experte.

Faszienrollen im Test

Wer auf den Zug aufspringen und sicherheitshalber das Bindegewebe mittrainieren möchte, steht vor der Qual der Wahl, denn Faszienrollen gibt es in Hülle und Fülle. Stärke bzw. Härtegrad, Größe und Textur der Rollen unterscheiden sich dabei teils stark. Die Zeitschrift Ökotest hat 16 Schaumstoffrollen einmal genau unter die Lupe genommen. Aufgrund der dürftigen Belege für den Nutzen konnte allerdings keine Massagerolle eine bessere Bewertung als "wenig überzeugend" erreichen. Mit am besten schnitten im Test unter anderem die Modelle des Herstellers Blackroll ab, der sich mit seinem Produkt auf die Ergebnisse einer Studie an der Hochschule Osnabrück stützte. Diese wies anhand von Ultraschallbildern die kurzfristige Erhöhung der Beweglichkeit der Rückenfaszien durch Faszientraining nach.

Zusammenfassung

  • Ein tatsächlicher Nutzen der Faszienrollen ist wissenschaftlich nicht belegt
  • Zahlreiche Mediziner und Forscher gehen trotzdem davon aus, dass eine Stärkung des Bindegewebes vor Verletzungen schützen und die Körperwahrnehmung verbessern kann
  • Beim Faszientraining sollen Verklebungen im Bindegewebe durch Ausrollen sowie federnde Gymnastik- und Dehnübungen gelöst werden
  • Faszientraining kann das klassische Muskeltraining nicht ersetzen, nur ergänzen

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