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Smart Clothes: Was können die intelligente Klamotten?

Mehr als ein simpler Anorak: die LED-Fahrradjacke von Visijax.
Mehr als ein simpler Anorak: die LED-Fahrradjacke von Visijax. (©Facebook/Visijax 2015)

Egal ob Smartwatch, Datenbrille oder Fitnessarmband, geht es um aktuelle Trends in der Technik-Welt, spielen die Wearables ganz vorne mit. Doch Uhren, Armbänder oder Brillen sind nur der Anfang, mit Smart Clothes steht die nächste Entwicklungsstufe in Sachen tragbare Technik bereits in den Startlöchern.

Spätestens seit der Vorstellung der Apple Watch weiß jeder: Nach Notebooks und Tablets sind Smartwatches das nächste große Ding für Technik-Fans. Mit den Gadgets eröffnet sich eine neue Spielwiese für Hersteller und Nutzer, die aber gleichzeitig auch neue Probleme schafft. So versprechen die schlauen Uhren und Fitness-Tracker, in jeder Situation mit einer smarten Lösung aufzuwarten. In der Praxis erweisen sich die Geräte als simple Erweiterungen des Smartphones, die dazu auch noch ständig nach der Steckdose verlangen. Kein Wunder also, dass die neuen Technik-Spielzeuge nicht alle überzeugen.

Smart Clothes: Konsequent weitergedacht

Von einfachen Benachrichtigungen abgesehen liefern Smartwatches und Fitness-Tracker in erster Linie Daten über das persönliche Bewegungsverhalten des Nutzers. Externe Apps und Web-Anwendungen verraten dem Träger anschließend, was er oder sie besser machen sollte. Doch statt sich ein weiteres Gerät an den Köper zu binden, wäre es aber wesentlich einfacher, die Messtechnik einfach in unserer Kleidung zu verbauen. Dank der rasant fortschreitenden Miniaturisierung der Rechentechnik ist das schon heute keine Zukunftsmusik mehr.

Smart Clothes für Sportler und Körperbewusste

Vereinfacht gesagt handelt es sich bei Smart Clothes um Kleidung mit Sensoren und intelligenten Fasern. Dabei sind den Einsatzmöglichkeiten kaum Grenzen gesetzt. So vertreibt die in Frankreich ansässige Firma OMsignal smarte Shirts, deren eingewebten biometrischen Sensoren ständig den Puls messen und an das iPhone des Trägers übermitteln. Die Firma wirbt unter anderem damit, den Gesundheitszustand von älteren Menschen zu überwachen und in kritischen Situationen einen Notruf abzusetzen.

Im Polo Tech Shirt von Ralph Lauren steckt ebenfalls die Technik von OMsignal. Das Technik-Shirt richtet sich in erster Linie an Sportler und ermittelt mithilfe der verbauten Sensoren die zurückgelegte Distanz, verbrauchte Kalorien, Bewegungsintensität oder das Stress-Level. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Cityzen Sciences mit dem "D-Shirt". Auch hier machen ein integrierter Pulsmesser, GPS, Beschleunigungssensoren und Höhenmesser Fitness-Armbänder überflüssig.

Wandelnde Ladestation

Wer sich ständig über den leer gesaugten Akku seines Smartphones ärgert und auf ausgefallene Kleider steht, sollte einen Blick auf die Projekte der niederländischen Designerin Pauline Van Dongen werfen. Sie hat sich darauf spezialisiert, Solarpanels in ihre Kleider zu verbauen, um Smartphone oder Tablet während eines Spaziergangs – entsprechendes Wetter vorausgesetzt – aufzuladen. Wer eineren zurückhaltenderen Stil mag, wird bei Tommy Hilfiger fündig. Hier findet sowohl die Dame als auch der Herr eine typische Winterjacke mit Solarzellen auf dem Rücken. Praktisch: Dank integriertem Akku dient die Jacke ebenfalls als Akku-Pack, sollte das Wetter mal nicht mitspielen.

Schlaue Socken, Strampler & Co.

Einem ganz anderen Problem widmet sich das Projekt Smart Sox. Hier überwachen in Socken verbaute Faseroptiken und Sensoren Temperatur, Druck und Gelenkwinkel der Füße. Das soll Diabetikern helfen, Probleme rechtzeitig zu erkennen und die bis heute extrem hohe Zahl der Fußamputationen zu reduzieren.

Wer sich um den Gesundheitszustand von Neugeborenen sorgt, wird wiederum bei der chinesischen Firma Exmovere fündig. Deren Exmobaby kommt in Form eines Schlafanzugs für Babys und überwacht die Vitalfunktionen des Nachwuchses. Die erhobenen Daten lassen sich in Echtzeit vom Smartphone aus überwachen, bei kritischen Situationen verschickt das System auf Wunsch auch eine SMS oder ruft gleich an.

Auch die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration haben bereits 2013 einen Strampelanzug entwickelt, der vor dem plötzlichen Kindstod von Neugeborenen warnt. Eine dehnbare Leiterplatte misst die Atembewegung von Brust und Bauch, bei ausbleibender Atembewegung schlägt der Baby-Strampler Alarm.

Smart auch ohne Strom

Dass Kleidung auch ohne Plusmesser, GPS & Co. ganz schön smart sein kann, zeigt ein ganz anderer Bereich der intelligenten Kleidung. Durch die Verwendung neuartiger Materialen entstehen immer mehr Klamotten, die unser Leben verbessern. Ein Beispiel sind die Halstücher von Scough. Das in New York ansässige Modelabel näht nicht einfach nur einen wärmenden Schal, sondern integriert gleich noch einen Aktivkohlefilter, der die Atemluft von Pollen, Viren und Verschmutzungen befreit.

Adidas wiederum setzt bei seiner Climachill-Kollektion auf ein spezielles, aus Aluminium und Titan bestehendes Material. Die für Sportler entwickelte Technik ermöglicht laut Hersteller längere und intensivere Trainingseinheiten, da das Material den Körper kühlt und man selbst an heißen Tagen nicht zu schnell ins Schwitzen kommt.

An der Technische Universität Eindhoven hingegen entsteht mit Wearable Senses der Pullover der Zukunft. Er besteht aus drei Schichten und passt die Temperatur- und Feuchtigkeitsregelung der jeweiligen Situation an. So orientiert sich die innere Schicht an der Körpertemperatur. Droht es zu warm zu werden, öffnen sich die Fasern um Schwitzen zu verhindern. Sinkt die Temperatur, schließen sie sich wiederum. Die äußere Schicht reagiert entsprechend den Witterungsbedingungen. Bei Sonnenschein öffnet Sie sich, um Luft durchzulassen, während sie sich bei Kälte schließt, um ein Auskühlen des Körpers zu verhindern. Die mittlere Schicht wirkt isolierend und schirmt die beiden anderen gegeneinander ab.

Neue Garderobe für jedermann

Während zumindest aktuell verfügbare Produkte noch stark auf ein bestimmtes Anwendungsgebiet zugeschnitten sind, ist nur eine Frage der Zeit, bis die verschiedenen Sensoren und neuen Materialien in immer mehr Alltagskleidung zum Einsatz kommen. Gegenüber den heute verfügbaren Smartwatches und Trackern würde sich die Technik auch nicht mehr nur an Early Adopter richten, sondern dank der barrierefreien Integration alle ansprechen. Nicht umsonst erwarten Experten in den kommenden Jahren einen explodierenden Markt, wenn es um intelligente Kleidung geht.

Doch während die Masse der so gewonnenen Daten uns eigentlich nur zu einem fitten, sicherem und gesundem Leben verhelfen soll, wecken die neuen Datenberge auch Begehrlichkeiten an anderen Fronten. Je mehr Sensoren unseren Alltag dokumentieren, desto interessanter werden die Informationen beispielsweise für Forscher oder die Werbebranche. Und bis die erste Krankenversicherung spezielle Tarife auf den Markt bringt, bei der sich die Beitragshöhe an der Anzahl der Schritte bemisst, ist es wohl auch nur eine Frage der Zeit.

Zusammenfassung

  1. Derzeit stecken die meisten Sensoren noch in Smartwatches und Fitness-Armbändern
  2. Dank der zunehmenden Miniaturisierung von Mess- und Rechentechnik lassen sich die Sensoren aber auch in der Kleidung unterbringen
  3. Schon heute existiert eine Vielzahl an Kleidungsstücken, die Herzfrequenz, Temperatur oder das Stress-Level des Trägers ermittelt und verarbeitet
  4. Während derzeit noch der Sportbereich und das Gesundheitswesen im Fokus der Hersteller und Forscher liegen, ist es nur eine Frage der Zeit bis immer mehr Sensorik auch in gewöhnlicher Alltagskleidung landet
  5. Neben klassischen, elektronischen Sensoren bringt die Forschung aber auch neue Materialien hervor, die intelligent auf die Anforderungen des Trägers reagieren
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