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Atmotube Plus: Der handliche Luftverschmutzungssensor im Alltagstest

Der Luftsensor Atmotube Plus misst die Luftqualität in Echtzeit.
Der Luftsensor Atmotube Plus misst die Luftqualität in Echtzeit. (©TURN ON 2018)

Ein Luftverschmutzungssensor für die Hosentasche? Mit diesem Beinamen wurden Atmotube Plus und sein großer Bruder Atmotube Pro auf der IFA 2018 beworben. Was der kleine Sensor kann und wie nützlich er wirklich ist, erfährst Du in unserem Test.

Abgase, Zigarettenqualm und Feinstaub – die Luft ist heute so verschmutzt wie nie. Doch auch wenn wir das aus Nachrichten und Dokumentationen wissen, ist uns nicht wirklich bewusst, wie sehr die Luft in unserer unmittelbaren Umgebung tatsächlich belastet ist. Um das zu ändern, wurde Atmotube entwickelt.

Luftverschmutzung als Auslöser für Krankheiten

Der Luftverschmutzungssensor für die Hosentasche soll dem Nutzer aufzeigen, wie es um die Luftqualität in seiner direkten Umgebung bestellt ist – sowohl in Innenräumen als auch im Freien. Und das nicht nur, um den Wissensdurst zu stillen. Mit der Kenntnis der genauen Luftqualität kann der Nutzer bei Bedarf Gegenmaßnahmen ergreifen und damit Kopfschmerzen, Allergien, Atemerkrankungen und Asthma vorbeugen, wie es vom Hersteller in einer Pressemitteilung heißt.

Schon 2015 wurde das erste Modell des Mini-Luftverschmutzungssensors unter dem schlichten Namen Atmotube vorgestellt und über Indiegogo erfolgreich finanziert. Jetzt, drei Jahre später, sind die Hersteller mit den zwei Nachfolgemodellen Atmotube Pro und Atmotube Plus zurück und haben uns Letzteren zu Testzwecken bereitgestellt.

Farbcode zeigt auf Knopfdruck Luftqualität an

Atmotube Plus ist auf den ersten Blick sehr unauffällig. Der kleine Zylinder aus Titan misst nur 66 mal 22 Millimeter und passt so problemlos in jede Hosentasche. Im Lieferumfang ist ein Karabinerhaken enthalten, der sich dank einer entsprechenden Öffnung in den Atmotube einhaken lässt. Damit kann der handliche Sensor bequem an Tasche, Rucksack oder Hosenbund befestigt und verwendet werden.

Am unteren Ende des Zylinders befindet sich das sogenannte Atemfluss-Netz, über das der Sensor die Luft zum Analysieren bezieht. Zum Aufladen wird ein mitgeliefertes Mikro-USB-Kabel verwendet. Während des Ladens leuchtet das LED-Lämpchen orange, sobald es voll aufgeladen ist, grün. Laut Hersteller hält Atmotube Plus eine Woche durch. Während meiner Testphase waren es eher rund 5 Tage, doch ich habe in dieser Zeit auch wirklich ständig auf den so verlockenden Knopf gedrückt. 

Der zylindrische Sensor zeigt auf Knopfdruck die Luftqualität an. fullscreen
Der zylindrische Sensor zeigt auf Knopfdruck die Luftqualität an. (©TURN ON 2018)
Über das Luftstrom-Gitter "bekommt der Sensor Luft". fullscreen
Über das Luftstrom-Gitter "bekommt der Sensor Luft". (©TURN ON 2018)
Die genaue Luftqualität lässt sich über die App einsehen. fullscreen
Die genaue Luftqualität lässt sich über die App einsehen. (©TURN ON 2018)

Dieser schwarze Knopf, der über dem RGB-LED verbaut wurde, ist für den Nutzer tatsächlich am interessantesten. Ein Druck auf den Button zeigt einem in Echtzeit über einen Farbcode die Luftqualität an. Dabei gibt es fünf Abstufungen für den sogenannten Luftqualitätsindex, der von 0 (ernsthaft verschmutzt) bis 100 (gut) reicht. In der Farblegende sieht das folgendermaßen aus:

  • Blau (81 -100): Gut
  • Grün (61 - 80): Mittel
  • Gelb (41 - 60): Verschmutzt
  • Orange (21 - 40): Sehr verschmutzt
  • Rot (0 - 20): Ernsthaft verschmutzt

App gibt Einblick in Luftbeschaffenheit

Leuchtet das LED also beispielsweise blau auf, weißt Du, dass die Luftqualität zufriedenstellend ist und kein oder nur ein sehr geringes Risiko besteht. Atmotube funktioniert über die Farblegende zwar auch ohne App, doch welche genauen Werte in Deiner Umgebung auftreten, erfährst Du erst in der zugehörigen Hersteller-App, an die die aktuellen Werte via Bluetooth übertragen werden. Sie ist sowohl für iOS als auch Android verfügbar. Hier siehst Du auf einer kreisförmigen, farbigen Skala den genauen Wert auf dem Luftqualitätsindex.

Neben dem Luftqualitätsindex hat man in der App Einblick in Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Temperatur. fullscreen
Neben dem Luftqualitätsindex hat man in der App Einblick in Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Temperatur. (©TURN ON 2018)
Zusätzlich zum Verlauf kann man auch sehen, wie gut die Luft an den besuchten Orten der Stadt ist. fullscreen
Zusätzlich zum Verlauf kann man auch sehen, wie gut die Luft an den besuchten Orten der Stadt ist. (©TURN ON 2018)

Die App gibt weitere, tiefer gehende Werte zur Luftbeschaffenheit und Verschmutzung. So misst der Atmotube Plus Kohlenmonoxidwerte sowie über 50 organische flüchtige Verbindungen (sogenannte VOCs), um die Luftqualität zu bestimmen. Die Konzentration dieser beiden Faktoren wird in der App in der Hilfsmaßeinheit ppm (abgekürzt für "parts per million", Deutsch: "Anteile pro Million") angegeben. Auch hier macht ein Farbschema deutlich, was die Werte konkret zu bedeuten haben.

  • Blau (0 - 0.3 ppm): Gut
  • Grün (0.3 - 1 ppm): Mittel
  • Gelb (1 - 2.5 ppm): Verschmutzt
  • Orange (2.5 - 5.5 ppm): Sehr hoch
  • Rot (über 5.5 ppm): Gefährlich

Darüber hinaus gibt die App in einem Barometer-Feature Auskunft über den Luftdruck und zeigt Dir zudem die Lufttemperatur in Grad und die Luftfeuchtigkeit in Prozent an. Tippst Du einen dieser Werte an, wird Dir der Verlauf der Werte über den Tagesverlauf angezeigt. Besonders interessant ist das Kartenfeature: Es sammelt mit der Zeit die Luftqualitätswerte an den verschiedenen Orten, an denen Du Dich aufhältst. Orte mit starker Verschmutzung lassen sich – auf diese Weise sensibilisiert – besser meiden.

Alles im grünen bzw. blauen Bereich

So weit, so gut. Das klingt nach einem vielversprechenden Paket für den kleinen Sensor. Doch trotz der vielen Features in der App, war für mich das spannendste, einfach ständig auf den Button zu drücken und zu sehen, welche Farbe angezeigt wird. Das erwies sich zwar als beruhigend, aber zugleich etwas langweilig: Denn während des Tests bekam ich nur die Farben blau (gut) und kurzzeitig auch grün (mittel) zu sehen. In den Gebieten rund um Arbeit und Wohnung ist die Luftqualität also ganz anständig (ca. 83 bis 85), was mich natürlich freut.

Der Atmotube Plus lässt sich dank eines Karabinerhakens gut transportieren ... fullscreen
Der Atmotube Plus lässt sich dank eines Karabinerhakens gut transportieren ... (©TURN ON 2018)
... und an Rucksack oder Hosenbund hängen. fullscreen
... und an Rucksack oder Hosenbund hängen. (©TURN ON 2018)
Dabei sollte man immer darauf achten, dass das Gitter frei bleibt. fullscreen
Dabei sollte man immer darauf achten, dass das Gitter frei bleibt. (©TURN ON 2018)

Besser wird es natürlich in der Natur, zum Beispiel im Botanischen Garten (92-94) oder am Alsterlauf (94-95). Den Bestwert gab es mit 98 wenig überraschend im baumreichen Eppendorfer Moor. Was mich jedoch sehr erstaunte, ist, dass die Luft auf der Reeperbahn ebenso wohltuend sein soll wie im Naturschutzgebiet: 97 wurde mir auf der runden Skala angezeigt.

Tiefstwerte im kleinen Konferenzraum

Die Office-Werte hingegen drifteten leider zeitweise unter die 80er-Marke und damit in die mittleren Werte ab. Da sich das Büro, in dem ich arbeite, in Hafennähe mit entsprechend starker Schifffahrt befindet, hatte ich sogar noch stärkere Ausschläge nach unten erwartet.

Den Tiefstwert bekam ich hier während eines Team-Meetings in einem beengten, gläsernen Konferenzraum ohne Fenster angezeigt: 78 auf der Skala, obwohl es sich für mich, um ehrlich zu sein, noch viel schlimmer anfühlte. Vielleicht hat tatsächlich die einsame Zimmerpflanze im Raum entgegenwirken können. Auch in den heimischen Innenräumen gibt es größtenteils Entwarnung.

Farbgebung ist gewöhnungsbedürftig

Bei mir zu Hause ist alles im grünen – Sorry, blauen – Bereich. Diese Farbgebung finde ich übrigens unglücklich gewählt. Grün wird traditionell als Signalfarbe gebraucht, um anzuzeigen, dass etwas positiv, ordnungsmäßig oder unproblematisch ist. Dennoch haben die Atmotube-Macher Blau an den äußersten, positiven Bereich der Skala gesetzt. Grün zeigt, wie gesagt, nur eine mittlere Luftqualität an.

Als ich den Sensor in Betrieb nahm – noch bevor ich die Zeit hatte, die App mit der Legende runterzuladen – nahm ich automatisch an, dass grün der Bestwert ist, und entdeckte erst später, dass das nicht stimmte. Ein Feature konnte ich allerdings nicht testen: Ist die Luftqualität nämlich tatsächlich sehr schlecht, warnt Atmotube den Nutzer über einen Alarm. Das konnte ich leider – oder man muss vielleicht eher zum Glück sagen – nicht überprüfen. Selbst an einer stark befahrenen Straße blieb die Skala immer über 80.

Einige Werte nicht selbsterklärend

Generell muss man darauf achten, dass sich der Sensor in unmittelbarer Reichweite des Smartphones befindet, damit die Übertragung funktioniert. Die App bietet jedoch noch einiges mehr als nur den Luftqualitätsindex. Doch während der Luftqualitätsindex selbsterklärend war, musste ich beim VOC-Wert immer wieder gucken, was der Wert jetzt genau bedeutet.

Atmotube Plus ist als ständiger Begleiter gedacht. fullscreen
Atmotube Plus ist als ständiger Begleiter gedacht. (©igor mikhnenko/Atmotube 2018)
So lässt sich immer und überall die Luftqualität messen. fullscreen
So lässt sich immer und überall die Luftqualität messen. (©Atmotube 2018)

Beim Luftdruck ging es mir ähnlich: 1018,5 hPa? Um mit solchen Werten etwas anfangen zu können, musste ich sie immer erst googeln. Dann hab ich jedoch schnell herausgefunden, dass 1013,25 hPa offenbar der normale Wert ist. Das lässt mich die Zahl vielleicht besser einordnen, aber sagt mir noch nicht viel. Hier wäre es hilfreich, zu erfahren, was diese Werte für mich bedeuten können. Ansonsten haben wohl nur Hobbymeteorologen ihre Freude daran. 

Atmotube als kleine, mobile Wetterstation

Das Temperaturfeature ist nicht uninteressant, denn anders als die normale Wetter-App auf dem Smartphone gibt sie die Lufttemperatur Deiner direkten Umgebung in Echtzeit an – z. B. muckelige 25 Grad am Büro, während es draußen laut Wetter-App nur frische 18 Grad hat. Die Luftfeuchtigkeitsanzeige in Prozentzahl ist zum Glück selbsterklärend. Dass Temperatur und Luftfeuchtigkeit angezeigt werden, kann zum Beispiel sehr hilfreich sein, wenn man in seinem Heim Schimmelprobleme bekämpfen möchte. So kann Atmotube locker die Wetterstation ersetzen. 

Fazit: Handlicher Indikator mit kleinen Schwächen

Atmotube Plus ist ein nützliches Gadget, das einen für die Gefahren der Luftverschmutzung sensibilisiert. Es war interessant zu erfahren, wie die Luftqualität in den verschiedenen Bereichen meines Wohnorts beschaffen ist. Wie korrekt diese immer angezeigt wird, vermag ich jedoch nicht zu beurteilen, da einige Werte (siehe Reeperbahn) mich eher überrascht haben. Wirklich interessant wäre es, den Sensor in Städten zu testen, die bekanntermaßen mit starker Luftverschmutzung zu kämpfen haben.

Erst in Megacitys wie Mumbai, Peking und Co. dürfte Atmotube Plus sein wahres Potenzial ausspielen. Dort kann es abhängig von den Messwerten des Sensors tatsächlich sinnvoll sein, besonders "verschmutzte" Orte zu meiden, um seine Gesundheit zu schützen. Dennoch ist Atmotube Plus auch hierzulande ein guter Indikator für die Umgebungsluft, die es gilt, für zukünftige Generationen möglichst sauber zu halten.

Das hat mir gut gefallen Das hat mir weniger gefallen
+ handlich - nicht alle Daten sind selbsterklärend
+ geringes Gewicht - genau Daten nur in Reichweite des Smartphones
+ auch ohne App nutzbar - Farblegende ist irritierend
+ ist gleichzeitig eine Wetterstation

 

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