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Bose Sleepbuds im Test: Auf dem Klangteppich ins Reich der Träume?

Noise-Masking statt Noise-Cancelling: Verbessern die Bose Sleepbuds den Schlaf?
Noise-Masking statt Noise-Cancelling: Verbessern die Bose Sleepbuds den Schlaf? (©TURN ON 2018)

Mit den Sleepbuds möchte Bose Deinen Schlaf verbessern. Der Clou: In den smarten Ohrstöpseln kommt nicht etwa Noise-Cancelling zum Einsatz – auch wenn diese Technologie viele Bose-Kopfhörer auszeichnet. Die Sleepbuds verfügen über eine Funktion namens "Noise-Masking", das störende Geräusche überdeckt. Ob und wie gut das funktioniert, habe ich über mehrere Nächte getestet.

Auch ich dachte zuerst, dass es sich bei den Bose Sleepbuds um Noise-Cancelling-Kopfhörer im Miniaturformat handelt. Aber ich lag falsch: Die kleinen weißen Stöpsel sind keine Kopfhörer im allgemein bekannten Sinne. Obwohl die kabellosen Ohrstecker per Bluetooth eine Verbindung zum Smartphone herstellen können, ist es nicht möglich, mit ihnen Musik zu streamen – dazu sind die Sleepbuds von Bose allerdings auch gar nicht gedacht.

Stattdessen bietet der US-amerikanische Hersteller hier ein System für Nutzer mit Schlafschwierigkeiten. Laute Geräusche abzuschirmen ist dabei aber nur ein Teil des Konzepts der Bose Sleepbuds – stattdessen sollen die Störfaktoren per "Noise-Masking" überdeckt werden. Zum Einschlafen spielen die Ohrstöpsel flächige Sounds ein, die mein Gehirn von Lärm ablenken sollen.

Das Prinzip erinnert mich an kleine Kinder, die bevorzugt bei brummendem Automotor einschlafen. Oder an Menschen, die zum Einnicken Hörspiele laufen lassen, wohl wissend, dass sie vom eigentlichen Inhalt kaum etwas mitbekommen werden. Mein Gehörsinn wird abgelenkt – mein erschöpfter Geist kann sich auf ein gleichbleibendes Geräusch konzentrieren, anstatt zum Beispiel auf den Straßenlärm.

Funktionsumfang und Features: Fühlt sich gut an

Auf den ersten Blick bieten die Bose Sleepbuds das, was ich auch von True-Wireless-Kopfhörern erwarten würde: Eine App, über die ich die weißen Stöpsel per Bluetooth mit meinem Smart-Device verbinde, und ein Etui zur Aufbewahrung, das die darin verstauten Sleepbuds auch ohne Verbindung zum Stromnetz wieder auflädt und selbst per USB geladen wird.

Bei vollständiger Ladung lassen sich die Sleepbuds etwa 16 Stunden nutzen, bevor sie wieder Saft benötigen. Da man sie nach Gebrauch ohnehin wieder im Transportetui verstaut, wird die Akkulaufzeit fühlbar verlängert. All das kenne ich zum Beispiel auch von meinen Apple Air Pods. Erwähnenswert ist aber, wie gut sich das Etui anfühlt. Die hochwertige Aludose mit Schiebedeckel und Gummiboden ist toll verarbeitet und "saugt" die Sleepbuds beim Einsetzen mittels kleiner Magneten an.

Das wertige Etuit mit Ladefunktion ist im Lieferumfang enthalten. fullscreen
Das wertige Etuit mit Ladefunktion ist im Lieferumfang enthalten. (©TURN ON 2018)
Der Deckel gleitet wie von selbst in die offene Position. fullscreen
Der Deckel gleitet wie von selbst in die offene Position. (©TURN ON 2018)
Kleine LEDs zeigen den Ladezustand des Sleepbuds-Etuis an. fullscreen
Kleine LEDs zeigen den Ladezustand des Sleepbuds-Etuis an. (©TURN ON 2018)

Im Lieferumfang enthalten sind außerdem drei Größen von Ohr-Einsätzen aus Gummi, die über die kleinen elektronischen Plastikknöpfe gespannt werden. Mit einer Art Gummiabdichtung werden so Geräusche ausgesperrt. Ein flexibler Silikon-Flügel in der Ohrmuschel hilft dabei, dass die Sleepbuds richtig sitzen.

Wie bereits erwähnt, lässt sich trotz der äußerlichen Ähnlichkeit zu aktuellen True-Wireless-Kopfhörern mit den Bose Sleepbuds keinerlei Musik abspielen. Stattdessen koppeln sich die Stöpsel nur zur Konfiguration mit der Bose-Sleep-App für Android oder iOS. In dieser lassen sich Klangkulisse, Wiedergabedauer und auf Wunsch eine Weckfunktion einstellen.

Endlose Ruhe: Die Sounds

Verschiedene Klangteppiche sollen beim Einschlafen helfen. (© 2018 TURN ON)

Bisher stellt Bose zehn Sound-Teppiche zur Verfügung, aus denen ich mir vor dem Einschlafen einen aussuchen darf. Später will der Hersteller weitere Klänge zur Verfügung stellen. Das ist auch nötig, denn die aktuelle Auswahl empfinde ich als sehr begrenzt. Einige der Klänge wirken auf mich persönlich gar nicht entspannend. Andere Menschen, die ich im Rahmen des Tests befragte, finden meine Favoriten dagegen fürchterlich. Entspannung ist eben eine sehr individuelle Sache, etwas mehr Variation wäre da schon schön.

Folgende Optionen stehen zurzeit zur Auswahl (Stand: Oktober 2018):

  • Regenschauer
  • Meereswogen
  • Höhenflug (Bord-Summen eines Flugzeuges)
  • Kaskade (Rauschen von Stromschnellen)
  • Zirkulation (Surren von Windrädern)
  • Bachlauf
  • Sanftes Rauschen
  • Windrascheln
  • Stille (sphärische Klänge)
  • Lagerfeuer

Auf Wunsch kann ich vor dem Schlafengehen die Dauer der Wiedergabe festlegen. Vom Minimum von 30 Minuten bis zur Berieselung die ganze Nacht hindurch lässt sich die Zeit beliebig einstellen. Wer Sorge hat, seinen Wecker aufgrund der Sleepbuds zu überhören, kann auch eine interne Weckfunktion verwenden – dann wird man durch eine Art Tür-Gong aus den Träumen zurückgeholt.

Die Bose Sleepbuds sind also auf Kunden ausgelegt, die Probleme beim Einschlafen oder Durchschlafen aufgrund von störenden Geräuschen haben. Wer generell an Schlafstörungen leidet, darf daher nicht zwangsweise auf "Heilung" durch die Sleepbuds hoffen. Wie Produktmanagerin Liz Dylewicz auf der Bose-Website angibt: "Es gibt unzählige Dinge, die Menschen beim Einschlafen oder Durchschlafen stören. Wir konzentrieren uns darauf, welche Rolle Lärm dabei spielt."

Mit Noise-Masking gegen Schnarchen & Straßenlärm – kann das gehen?

Statt Noise-Cancelling also Ruhe durch Überlagerung mit weiteren Geräuschen? Ich bin neugierig darauf, ob das funktionieren kann.

Ich wohne zentral in Hamburg, an einer Kreuzung von Hauptverkehrsstraßen zwischen Reeperbahn und dem Szene-Viertel Sternschanze. Besonders an Wochenenden im Sommer ist das Schlafen mit offenem Fenster daher gelinde gesagt "eine Herausforderung".

Zwar lungern vor dem Haus keine Party-Horden herum. Was mich aber zu Nächten mit geschlossenen Fenstern zwingt, sind laute Fußgängergruppen unter Alkoholeinfluss, Autofahrer, die ihre stark motorisierten Luxusschlitten in beiden Kiezen vorführen möchten, oder Notfallfahrzeuge, die für die entsprechende Ordnung sorgen.

Genau für dieses Szenario erscheinen mir die Bose Sleepbuds daher wie gemacht. An einem warmen Spätsommerabend findet also mein erster Testdurchlauf statt.

Die zweite Testrunde mit den Sleepbuds dreht dann meine Frau, die seit Jahren unter meinem starken Schnarchen leidet. Dank diagnostizierter Schlafapnoe, die auch durch einen operativen Eingriff nicht geheilt werden konnte, schlafe ich meist mit spezieller Atemmaske. Diese ist zwar unangenehm zu tragen, verhindert aber das laute und durchgängige Schnarchen. Meine Frau dagegen hat sich angewöhnt, nur noch mit Ohrstöpseln zu schlafen.

Einstellen, Einsetzen, Bluetooth kappen: Einfache Bedienung

Die Einrichtung über die kostenlose App funktioniert ohne Probleme, die Sleepbuds werden automatisch per Bluetooth erkannt, sobald ich sie aus dem Etui entnehme. Die Sleep-App wirkt zwar etwas spartanisch ausgestattet, ist aber dafür einfach in der Bedienung.

Das Einsetzen der Sleepbuds in meine Ohren funktioniert auch problemlos. Die Stöpsel sind so ausgelegt, dass sie im Schlaf nicht herausfallen oder unangenehm drücken, wenn man auf dem entsprechenden Ohr liegt. Sie stehen also im Optimalfall nicht aus dem Ohr hervor und sind kaum spürbar. Damit eignen sich die Sleepbuds natürlich deutlich besser zum Schlafen als etwa Overear-Kopfhörer mit aktivem Noise-Cancelling.

Die Ohrstecker sind komplett mit Gummi überzogen. Diese Silikon-Einsätze werden in drei Größen mitgeliefert. (© 2018 TURN ON)

Auch ohne eingespielten Klangteppich dichten die Sleepbuds, wenn alles passt, dank der Gummi-Einsätze spürbar gegen Dauerlärm ab – laute Geräusche kann ich aber dennoch hören. Nach der Auswahl des gewünschten Sounds kann ich nun noch die Lautstärke verstellen. Die App weist mich dabei darauf hin, dass ich die Klänge nur so laut einstellen soll, dass Geräusche, die ich möglicherweise hören will, nicht überdeckt werden. Dafür gibt es auch einen empfohlenen Lautstärke-Wert.

Nachdem dann alles eingestellt ist, kappe ich die Bluetooth-Verbindung und versetze mein Smartphone in den Flugmodus. Die Strahlung von Bluetooth-Geräten ist zwar ausgewiesen schwach, ich möchte mich ihr aber dennoch nicht auch noch nachts über aussetzen, wenn ich es nicht muss – noch ein Vorteil gegenüber vollwertigen Kopfhörern, die auf eine entsprechende Verbindung oder störende Kabel angewiesen sind.

Die Bose Sleepbuds im Feldversuch: So war meine Nacht

Der Tragekomfort im Schlaf ist bei mir nach kurzer Eingewöhnung gut. Ich habe allem Anschein nach aber sehr durchschnittliche Ohren und verwende auch den mittleren Gummi-Einsatz. Zur Referenz: Die Apple AirPods und EarPods passen bei mir vorzüglich, bei anderen Nutzern habe ich dagegen schon Beschwerden wegen der Passform gehört. Ein Drücken oder sogar Schmerzen habe ich beim Tragen der Bose Sleepbuds nicht gespürt.

Meine Frau dagegen verwendet zunächst eine unpassende Größe der Gummi-Überzüge, woraufhin die Sleepbuds etwas überstehen und im Liegen drücken. Wer ausgefallen große oder kleine Ohren hat, könnte hier aufgrund von lediglich drei Standard-Größen vor einem Problem stehen. Da hilft nur: Ausprobieren.

Nicht meine Frau, aber die Sleepbuds passen im Test wie in der Bose-Werbung. (© 2018 Bose)

Und ja, das Prinzip des Noise-Masking, von dem der Hersteller hier spricht, hat bei mir mehrere Nächte hintereinander tatsächlich funktioniert. Klar, laute Geräusche von der Straße habe ich auch vor dem Einschlafen noch immer herausgehört, aber im Allgemeinen wurde der Lärm von den Sleepbuds effektiv überdeckt. Ich wurde nicht von lauten Geräuschen geweckt und fühlte mich am nächsten Morgen gut erholt – auch wenn das Schlafen bei durchgehendem Klangteppich für mich persönlich zunächst etwas gewöhnungsbedürftig war.

Als Sound habe ich mich für die Einstellung "Höhenflug" entschieden. Die Sleepbuds simulieren hier das Summen eines Flugzeugs. Für manche vielleicht eine ungewöhnliche Wahl, aber Einschlaf-"Klassiker" wie die sphärischen Klänge der Einstellung "Stille" wollten mich so gar nicht in sanften Schlaf wiegen. Ob und wie die Sounds, wie von Bose angegeben, wirklich "für die Lärmunterdrückung optimiert" wurden, mag ich nicht beurteilen. Aber sie lenken genügend von Störfaktoren ab, um mich leichter einschlafen zu lassen.

Meine Frau war während des zweiten Testlaufs überrascht davon, dass sie mein Schnarchen dank der Bose Sleepbuds nicht mehr wahrgenommen hat. Nachdem sie allerdings in der Nacht aufgewacht war, fand sie aufgrund der ungewöhnlichen Klänge nicht mehr in den Schlaf zurück und griff dann doch lieber wieder zu den vertrauten Stöpseln Marke Ohropax. Auch hier ist zu sehen: Schlaf und Entspannung sind bei jedem Menschen sehr unterschiedlich.

Hohe Produktqualität hat einen Preis

Können Reisenden beim besseren Einschlafen helfen: Die Bose Sleepbuds. (© 2018 TURN ON)

Sind die Bose Sleepbuds also empfehlenswert? Ich kann sie mir sehr gut als Hilfsmittel für Menschen vorstellen, die oft auf Reisen sind und beispielsweise von dünnen Hotelzimmer-Wänden geplagt werden. Durch die beruhigenden Geräusch-Teppiche helfen sie auch, wenn man zu ungewohnten Zeiten zur Ruhe finden will – etwa nach Nachtarbeit oder auf Flügen. Je nach Intensität und Empfindlichkeit der Betroffenen ist das Produkt sicher auch einen Blick wert, wenn man von Schnarchen betroffen ist.

Entscheidender Faktor ist ganz sicher auch der Preis – mit etwa 270 Euro ist dieser nämlich trotz der fühlbar hohen Produktqualität hoch. Aber: Wer ein echtes Schlafproblem hat, wird diese Summe gerne zahlen, sollte er dafür wieder erholsame Nächte genießen können. Weniger empfehlen würde ich die persönlich die Bose Sleepbuds Menschen, die zum Beispiel an medizinisch diagnostiziertem Schlafmangel leiden.

Fazit: Für die Mütze Schlaf – auch in lärmender Umgebung

Eines habe ich während meines Tests der Bose Sleepbuds immer wieder bemerkt: Erholsamer Schlaf ist ein höchst individuelles Thema, ein Patentrezept gibt es nicht. Was den einen entspannt, hält den anderen wach.

Wer aber aufgrund von bestimmten äußeren Umständen Schwierigkeiten mit dem Einschlafen hat, könnte mit den Bose Sleepbuds durchaus wieder eine Mütze Schlaf bekommen. Vorausgesetzt, die Geldbörse ist gut gefüllt und das Tragen von Ohrstöpseln im Bett wird nicht als störend wahrgenommen.

Hier noch einmal meine Eindrücke zu den Bose Sleepbuds in der schnellen Übersicht:

Das hat mir gut gefallen Das hat mir weniger gefallen
+ Geräusche und Schnarchen werden effektiv überdeckt

+ Guter Sitz bei normalen Ohren, dadurch störungsfreier Schlaf

+ Bluetooth-Verbindung im Betrieb nicht nötig

+ Wertiges Lade-Etui

+ Hochqualitative Verarbeitung

+ Einfache Bedienung

- Schlaf ist individuell: Effekt kann nicht garantiert werden

- Verhältnismäßig hoher Preis

- Bisher nur zehn Klangteppiche verfügbar (Stand: Oktober 2018)

- Kein Quick-Charging-Netzteil in der Box

Die Bose Sleepbuds sind hier bei SATURN online bestellbar.

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