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Garmin Vivosmart HR+ im Test: Fitness-Tracker oder Laufuhr?

Das Plus der Garmin Vivosmart HR+ steht für ihre GPS-Funktion.
Das Plus der Garmin Vivosmart HR+ steht für ihre GPS-Funktion. (©TURN ON 2016)

So langsam verschwinden die Grenzen zwischen Fitness-Tracker und GPS-Laufuhr. Das wurde uns beim Test der Garmin Vivosmart HR+ erneut vor Augen geführt. Warum sich das Wearable dennoch mehr für Freizeitsportler als für waschechte Lauffreaks eignet, erklären wir Dir.

Garmin Vivosmart HR+: Der Tracker mit dem "Plus"

Garmin zählt 2016 definitiv zu den aktivsten Herstellern, wenn es darum geht, den Markt mit neuen Fitness-Tracker-Modellen zu fluten. Daher wundert es gar nicht so sehr, dass einige Monate nach der Vivosmart HR ein Upgrade mit dem Namen Vivosmart HR+ bei den Händlern liegt. Was Besitzer des ersten Modells im Nachhinein ärgern dürfte, macht Käufer des zweiten Modells umso glücklicher: Der Navi-Hersteller spielte seine Stärke hier aus und ergänzte GPS beim neuen Fitness-Tracker. Das "+" in der Modellbezeichnung weist also tatsächlich auf ein Plus beim Funktionsumfang hin. Wie sich die Vivosmart HR+ damit im Vergleich zu anderen Fitness-Trackern oder zu GPS-Laufuhren? Das wollen wir im Test herausfinden.

Design & Komfort: Immer noch kein Eyecatcher

Schon das Design der Vivosmart HR hat uns im Test nicht wirklich vom Hocker gehauen. Die Vivosmart HR+ wurde zwar leicht überarbeitet, ein trendiger Eyecatcher ist aber auch das neue Modell nicht. Das Fitness-Gadget ist immer noch ein funktionales Tracker-Modell mit einem Armband aus Silikon. Allerdings hat Garmin das Armband beim Plus-Modell etwas weicher und strukturiert gestaltet. Das hat den Vorteil, dass der Tracker beim engen Tragen für die Rund-um-die-Uhr-Pulsmessung etwas bequemer sitzt. Nachteil ist, dass es nun mehr Staub anzieht und festhält. Zum Glück kann aber auch die Vivosmart HR+ beim Duschen und Schwimmen getragen werden, sodass sie ruckzuck wieder sauber wird.

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Im Vergleich zu anderen Fitness-Tracker-Modellen, die eine 24-Stunden-Herzfrequenzmessung bieten, fällt das Garmin-Wearable immer noch etwas klobiger aus. Allerdings gibt es aktuell wohl nur wenige Gadgets, die GPS und Pulsmessung in einer so kleinen und leichten Einheit von nur 31 Gramm bieten. Vergleichbar ist vielleicht die Samsung Gear Fit 2.

Tracking im Alltag: Inaktivitätsbalken & Notifications

Im Alltag erwarten die meisten Menschen von ihrem Fitness-Tracker, dass er ihre Schritte zählt und den Schlaf überwacht. Je nach Modell kommen noch weitere mehr oder weniger genaue Features wie eine errechnete Kalorienbilanz, Weckfunktionen, Pulsmessung oder die Anzeige von Smartphone-Benachrichtigungen. In diesem Bereich ist auch die Garmin Vivosmart HR+ sehr gut aufgestellt. Sie führt nicht nur genau Buch über die zurückgelegten Schritte des Nutzers, sondern zeigt ihm auch an, wenn es Zeit wird, sich mal wieder zu bewegen. Das hat der Hersteller sogar ziemlich clever in Form eines stetig wachsenden Inaktivitätsbalkens gelöst. Im Vergleich zu einem Inaktivitätsalarm per Vibrieren hat das den Vorteil, das man schon vor Erreichen des Inaktivitätsmaximums gegensteuern kann. Vibriert der Tracker nur kurz und passt es gerade nicht in den Alltag, dann ist die Aufforderung zur Bewegung nur allzu schnell wieder vergessen.

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Hilfreich, um sich einen Überblick über den eigenen Gesundheits- und Fitnesszustand zu verschaffen, sind auch die dauerhafte Herzfrequenzmessung und die Schlafüberwachung – wobei letztere trotz nächtlicher Pulsanalyse von anderen Modellen immer noch besser beherrscht wird. Die Herzfrequenzmessung lässt Rückschlüsse auf den Fitnessstand und die Herzgesundheit zu. Behält man seinen Ruhepuls über einen längeren Zeitraum im Blick, entdeckt man mitunter Hinweise auf zu viel Stress oder eine sich anbahnende Krankheit.

Nicht unerwähnt wollen wir die Tatsache lassen, dass die Vivosmart HR+ auch als Uhr, Benachrichtigungszentrale und Fernbedienung für den Smartphone-Musik-Player sowie zur Wettervorhersage genutzt werden kann. Das Wearable besitzt nämlich 25,3 x 10,7 Millimeter messenden LCD-Screen mit Always-on-Funktion sowie einige Basis-Smartwatch-Features. Sind Handy und Tracker via Bluetooth gekoppelt, laufen Smartphone-Benachrichtigungen und Wetterinfos zuverlässig auf der Vivosmart ein. Das Display ist im Alltag stets gut ablesbar und die Bedienung per Wischgesten und physischem Knopf erfolgt sehr intuitiv.

Tracking beim Sport: GPS ist das große Plus

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Ihr Plus gegenüber der Vivosmart HR kann die HR+ allerdings nicht im Alltag, sondern erst beim Training ausspielen. Und zwar insbesondere bei Ausdauersportarten wie Laufen, Fahrradfahren, Inlineskaten, Skifahren und Co. – eben alles, wo man eine bestimmte Strecke zurücklegt, die man aufzeichnen möchte. Dafür muss man eine Aktivität starten (zur Auswahl stehen Laufen, Gehen, Cardio oder Sonstiges) und sich im nächsten Schritt für oder gegen das Aktivieren von GPS entscheiden. Beim Laufen zum Beispiel wird dann nicht nur die Herzfrequenz aufgezeichnet, sondern auch die gelaufene Strecke mitverfolgt. Gegenüber der Vivosmart HR bietet das den Vorteil, dass man seine Pace stets im Blick behalten und anschließend gelaufene Rundenzeiten auswerten kann. Wer möchte, kann auch einen Virtual Pacer nutzen, der die aktuelle Pace mit einer selbst gewählten Zielvorgabe vergleicht.

Etwas schade ist die überschaubare Auswahl an Sportarten über den Tracker selbst. So bleibt etwa beim Fahrradfahren nur der Umweg über "Sonstiges" und das spätere Bearbeiten der Aktivität in der App. Einen speziellen Schwimmmodus bietet das Modell übrigens auch nicht. Die Daten, die man beim Schwimmen sammelt, wirken daher etwas generisch und nicht sportartspezifisch. Was die Genauigkeit der gemessenen Herzfrequenz angeht, liegt Garmin immer noch vor Konkurrent Fitbit, dessen Fitness-Tracker gerade bei hohen Intensitäten gefährlich untertreiben. Dass aber die zeitgleich getestete Garmin Vivoactive HR immer minimal abweichende Pulswerte anzeigte, führt die Grenzen der optischen Herzfrequenzmessung am Handgelenk erneut vor Augen. Das GPS der Vivosmart HR+ funktionierte hingegen einwandfrei und lieferte die gleichen Daten wie die Vivoactive, die nicht nur GPS, sondern auch GLONASS nutzt.

Garmin Connect Mobile: Datenauswertung per App

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Die zugehörige Smartphone-App Garmin Connect Mobile ist die zentrale Anlaufstelle, wenn es um die Auswertung sämtlicher Daten geht. Der Tracker selbst bietet stets nur einen ersten Überblick über Tag und Training. Die Übersichtsseiten der App können an die eigenen Vorlieben angepasst werden, sodass man nach kurzer Eingewöhnungszeit schnell findet, wonach man sucht. Wer möchte, kann andere Dienste wie MyFitnessPal einbinden, um die täglich aufgenommenen den verbrannten Kalorien gegenüberzustellen. Was man mit den Daten anfängt, bleibt aber nach wie vor dem Nutzer überlassen. Eine Art Coaching-Funktion oder Hinweise auf von der Norm abweichende Werte liefert Garmin nicht. Einen Community-Bereich, in dem man sich mit anderen Mitgliedern messen kann, bietet der Hersteller aber ebenfalls.

Akkulaufzeit: Durchaus konkurrenzfähig

Während die Fitness-Tracker von Garmin ohne Herzfrequenzssensor mehrere Wochen am Stück durchhalten, muss die Vivosmart HR+ etwa alle fünf Tage an die Steckdose. Damit bewegt sie sich aber durchaus auf dem Niveau der Konkurrenz. Berücksichtigt man die Tatsache, dass Workouts zusätzlich per GPS aufgezeichnet werden, was ordentlich am Akku saugt, hat das Modell etwa im Vergleich zum Fitbit Charge HR sogar leicht die Nase vorn. Bei dauerhaft aktiver GPS-Ortung reduziert sich die Akkulaufzeit drastisch auf maximal 8 Stunden. Um einen Ironman vollständig mitzutracken, greift man also vielleicht doch besser zum speziellen Lauf-Computer. Das Aufladen über das proprietäre Lade-Dock geht dann aber wiederum fix und dauert keine zwei Stunden.

Fazit: Einer der besten Allrounder mit Läufer-Plus

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Die Garmin Vivosmart HR+ kann im Test noch mehr überzeugen als die Vivosmart HR. (©TURN ON 2016)

Schon die Vivosmart HR konnte uns im Test als guter Allrounder überzeugen. Nur wenige Fitness-Tracker-Modelle bieten aktuell einen ähnlich großen Funktionsumfang im Alltag. Und die Vivosmart HR+ kann sogar noch mehr. Mit ihrem GPS-Feature umgarnt sie zusätzlich ambitionierte Läufer und solche, die es werden wollen. Allerdings ist sie mit einer UVP von 219,99 Euro auch gut 70 Euro teurer als die Vivosmart HR. Wer sich in diesen Preisregionen umschaut, könnte zudem schon mit der einen oder anderen spezialisierteren Laufuhr liebäugeln. Die Entscheidung sollte dann je nach Fokus gefällt werden: Wer sich mehr Einblicke und Bewegungsmotivation im Alltag erhofft, fährt mit der Vivosmart HR+ sehr gut. Genauere Trainingsdaten und zusätzliche Lauffunktionen bieten aber GPS-Laufuhren, wie zum Beispiel die Forerunner-Modelle von Garmin.

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