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Samsung Gear Fit 2-Test: Der (fast) perfekte Fitness-Tracker

FoFoto_SamsungFitnessTracker (5 von 16)
FoFoto_SamsungFitnessTracker (5 von 16) (©TURN ON 2016)

Mit der Gear Fit 2 unternimmt Samsung den gewagten Versuch, Fitness-Tracker und Smartwatch zu vereinen. Im Test zeigte sich, dass sich der Hersteller mit der Samsung Gear Fit 2 viel besser schlägt als man vermuten würde.

Ich geb zu, mit Smartwatches kann ich nicht viel anfangen und auch von den Fitness-Trackern, die ich bislang testen durfte, war ich eher ernüchtert. Beste Voraussetzungen also, um die Samsung Gear Fit 2 zu testen – ein Wearable, mit dem Samsung die Eigenschaften beider Geräte kombinieren möchte. Große Erwartungen, das muss ich gestehen, hatte ich zu Beginn meines Tests deshalb nicht.

Optisch klassisch mit schickem Display

Optisch wagt Samsung keinerlei Experimente und liefert ein Wearable, das so deutlich nach Fitness-Tracker aussieht, wie es nur geht. Eine Besonderheit ist jedoch das relativ große und sehr stark gebogene AMOLED-Display, das sich dank seiner Wölbung recht elegant um das Handgelenk legt und dabei viel weniger wuchtig wirkt, als es bei dieser Größe zu vermuten wäre. Die Form kommt außerdem dem Tragekomfort zu Gute. Die Helligkeit des Displays lässt sich manuell einstellen. Lediglich bei starker Sonneneinstrahlung leidet die Ablesbarkeit des Screens, der ansonsten mit sehr knackigen Farben aufwarten kann.

Das Curved-Display ist ein Hingucker. fullscreen
Das Curved-Display ist ein Hingucker. (©TURN ON 2016)
Durch den gebogenen Screen wirkt der Tracker recht schlank. fullscreen
Durch den gebogenen Screen wirkt der Tracker recht schlank. (©TURN ON 2016)
Die Form sorgt für einen hohen Tragekomfort. fullscreen
Die Form sorgt für einen hohen Tragekomfort. (©TURN ON 2016)
Insgesamt gehört das Wearable zu den hübscheren Fitness-Trackern. fullscreen
Insgesamt gehört das Wearable zu den hübscheren Fitness-Trackern. (©TURN ON 2016)

Einrichtung als Standard-Prozedur

Eingerichtet wird der Tracker wie auch jedes andere Wearable seiner Art natürlich über das Smartphone und in diesem Fall speziell über die Gear-App von Samsung, die kostenlos im Google Play Store verfügbar ist. iOS und iPhone werden leider nicht unterstützt. Allerdings dient die App tatsächlich nur zur Einrichtung und zur Steuerung des Trackers. Um die Fitnessdaten auf dem Mobiltelefon zu verwalten, wird eine zusätzliche App benötigt, wofür wir im Test S Health von Samsung verwendet haben.

Features, Features, Features

Sobald die Samsung Gear Fit 2 zum ersten Mal in Betrieb genommen wird, dürfte es die große Überraschung geben. Der Funktionsumfang fällt für einen Fitness-Tracker nämlich recht beeindruckend aus. Allein im Fitness-Bereich bietet Samsung hier mit Schrittzähler, Höhensensor, Pulsmesser und Schlaf-Tracking das volle Programm auf. All diese Sensoren liefern natürlich die passenden Daten über die Bewegungen und Aktivitäten des Trägers und präsentieren diese entweder direkt auf dem Display des Wearables oder in der S Health-App auf dem Smartphone.

 Die Gear Fit 2 misst und berechnet ein ganzes Paket an Daten. fullscreen
Die Gear Fit 2 misst und berechnet ein ganzes Paket an Daten. (©TURN ON 2016)

Durch die Kombination der verschiedenen Messsensoren spuckt die Gear Fit 2 übrigens sogar noch mehr Daten aus. So ermittelt die Uhr dank Schrittzähler und Höhenmesser beispielsweise, wie viele Etagen der Träger durch das Steigen von Treppen überwindet (mit einem Fahrstuhl lässt sich die Messung übrigens nicht überlisten) und errechnet anhand der Bewegungsdaten außerdem die verbrannten Kalorien.

Joggen und Radfahren mit GPS

Nicht selbstverständlich ist der GPS-Sensor, den aber die Gear Fit 2 ebenfalls mitbringt. Dieser zeichnet unterwegs beim Joggen oder Radfahren die zurückgelegte Strecke auf, sodass dieser später auf dem Smartphone in einer Karte dargestellt wird. Die Zusammenarbeit zwischen dem Tracker und der S Health-App ist absolut vorbildlich, denn die App liefert auf wenigen Screens alle Informationen und Graphen, die ich als Nutzer über meine Trainingseinheit wissen möchte. Alternativ lassen sich sämtliche Informationen sogar auf dem Display der Samsung Gear Fit 2 selbst ablesen, dann allerdings aufgrund des kleinen Displays weniger übersichtlich. Trotzdem ist es vorbildlich, dass Samsung dem Nutzer so die Möglichkeit gibt, alle Daten im Blick zu behalten, auch wenn gerade kein Smartphone in der Nähe ist.

Die Samsung Gear Fit 2 als Smartwatch

Wer nun glaubt, die Gear Fit 2 hätte ihr Pulver schon verschossen, irrt gewaltig. Diese ist nämlich nicht nur ein Fitness-Tracker, sondern auch eine Smartwatch, mit der beispielsweise sämtliche Benachrichtigungen, die auf dem Smartphone ankommen direkt ans Handgelenk weitergeleitet werden. Welche der Android-Apps auf dem Smartphone Benachrichtigungen an die Samsung Gear Fit 2 senden dürfen, können Nutzer ganz individuell in der Gear-App festlegen.

 Smartwatch-Features wie einen MP3-Player gibt es ebenfalls. fullscreen
Smartwatch-Features wie einen MP3-Player gibt es ebenfalls. (©TURN ON 2016)

Im Test hat die Fitness-Uhr zudem automatisch die Wecker-Einstellungen vom Smartphone übernommen. Bleibt der Träger nach dem Wecken liegen und schläft wieder ein, erinnert die Gear Fit 2 als Wecker nach fünf Minuten über eine sanfte Vibration ans Aufstehen – ein smartes Feature, das unter Umständen wirklich Gold wert ist. Ebenfalls nett ist die Möglichkeit, den MP3-Player des Smartphones von der Uhr aus zu starten und zwischen einzelnen Songs hin und her zu wechseln.

Sogar einen App-Store gibt es für die Samsung Gear Fit 2. Dort finden sich hauptsächlich weitere Fitness-Anwendungen und vor allem Unmengen an Watchfaces, wobei ein Großteil wirklich schick gestaltet ist. Insgesamt ist das Angebot an Apps zwar begrenzter als jene für Android Wear oder die Apple Watch, dafür umfasst es jedoch auch nur solche Anwendungen, die für die Nutzung auf einer Fitness-Uhr Sinn ergeben.

Trainieren mit der Gear Fit 2

Wer mit dem Samsung Fitness-Tracker trainieren möchte, hat die Auswahl aus insgesamt 14 verschiedenen Sportarten und Aktivitäten wie Laufen, Radfahren, Stepper, Heimtrainer, Situps oder sogar Yoga. Vor jeder Trainingseinheit können Nutzer ihr Trainingsziel festlegen. Beim Joggen lässt sich so unter anderem eine anvisierte Zeit oder die Distanz festlegen. Während des Laufens informiert die Uhr dann in regelmäßigen Abständen über die Fortschritte, indem sie sich über eine leichte Vibration bemerkbar macht. Auf diese Weise wird es dem Träger leicht gemacht, sich exakt an die voreingestellten Trainingszeiten zu halten. Das ist im Alltag immer dann praktisch, wenn generell wenig Zeit zum Trainieren bleibt und diese Zeit möglichst effektiv genutzt werden soll.

S Health liefert umfangreiche Daten, die von der Gear Fit 2 erfasst werden. fullscreen
S Health liefert umfangreiche Daten, die von der Gear Fit 2 erfasst werden. (©Screenshot Samsung/ TURN ON 2016)
Angezeigt werden die Daten im hübschen Grafiken. fullscreen
Angezeigt werden die Daten im hübschen Grafiken. (©Screenshot Samsung/ TURN ON 2016)

Hilfreich ist die Gear Fit 2 übrigens nicht nur beim Trainieren, sondern auch in den Ruhephasen. Wer sich zu lange nicht bewegt, wird von der Uhr daran erinnert, dem Körper wieder etwas Action zu gönnen – und sei es nur, um sich kurz die Füße zu vertreten. Außerdem vergleicht der Fitness-Tracker automatisch die aktuelle Tagesleistung mit den Leistungen der vergangenen Tage und schafft so zusätzliche Motivation.

Ausbaufähige Akkulaufzeit

Alles in allem leistet die Samsung Gear Fit 2 also eine ganze Menge. Leider geht diese Leistung aber auch zulasten der Laufzeit. Im Test ging der Fitness-Uhr nach jeweils etwa zweieinhalb bis drei Tagen der Saft aus. Das ist zwar viel für eine Smartwatch, aber für einen Fitness-Tracker ein eher enttäuschender Wert. Insgesamt ist die Akkulaufzeit damit der wohl größte Schwachpunkt, den die Fitnessuhr aufzuweisen hat.

 Leider muss die Gear Fit 2 recht oft aufgeladen werden. fullscreen
Leider muss die Gear Fit 2 recht oft aufgeladen werden. (©TURN ON 2016)

Fazit: Fast perfekt

Fitness-Tracker oder Smartwatch? Das ist hier die Frage. Beim Versuch beides zu kombinieren, setzt sich Samsung bewusst der Gefahr aus, in beiderlei Hinsicht nur ein halbherziges Produkt abzuliefern. Doch glücklicherweise geschieht genau das nicht. Im Gegenteil: Mit der Gear Fit 2 liefern die Südkoreaner einer der bisher komplettesten Fitness-Uhren überhaupt ab und schaffen es zudem noch, die wichtigsten Smartwatch-Funktionen sinnvoll mit zu integrieren.

Das Ergebnis ist ein Fitness-Tracker zum Preis von 199 Euro, der dank umfassender Sensoren und GPS-Tracking wirklich als Trainingshilfe für den Alltag taugt und der sich zudem bestens mit Android-Smartphones versteht. Selbst die integrierten Smartwatch-Funktionen fügen sich nahtlos ins Gesamtgefüge ein und wirken zu keinem Zeitpunkt so aufgesetzt wie viele Android Wear- und Apple Watch-Features. Abgerundet wird das sehr gute Gesamtpaket von einem schlichten aber schicken Design.

Als großer Negativpunkt stach im Test lediglich die Akkulaufzeit hervor. Hier macht die Gear Fit 2 zwar eine wesentlich bessere Figur als die Apple Watch und ihre Smartwatch-Kollegen, kann jedoch mit vielen anderen Fitness-Trackern nicht ganz mithalten. Der hohe Funktionsumfang fordert also auch seinen Tribut. Für eine mögliche dritte Generation bleibt also immer noch etwas Optimierungsbedarf.

Meinung des Autors
Gratulation Samsung! Mit der Gear Fit 2 habt ihr es tatsächlich geschafft, meine Skepsis bezüglich Fitness-Trackern fast vollständig zu beseitigen. Zum ersten Mal bietet mir ein Wearable alles, was ich von einem Fitness-Gadget erwarte und verzichtet gleichzeitig auf überflüssigen Schnickschnack. Die Handhabung im Alltag fühlte sich für mich zu jeder Zeit intuitiv an. Es mag klischeehaft klingen, aber beim täglichen Training war mir die Gear Fit 2 tatsächlich eine Hilfe, allein schon, was das Zeitmanagement anbelangt. Die zusätzlichen Smartwatch-Funktionen fügen sich meiner Meinung nach hervorragend ins Gesamtkonzept ein und wirken weder störend noch aufgesetzt. Ich bin sogar etwas traurig, dass es sich bei meinem aktuellen Exemplar nur um ein Testgerät handelt, das ich bald wieder zurückgeben muss und denke derzeit ernsthaft darüber nach, mir die Samsung Gear Fit 2 auch privat zuzulegen.
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