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SmartHalo im Test: Das smarte Fahrrad-Gadget ist nicht smart genug

SmartHalo verspricht mehr Orientierung bei weniger Ablenkung. Klappt das?
SmartHalo verspricht mehr Orientierung bei weniger Ablenkung. Klappt das? (©Smarthalo 2017)

Mit SmartHalo wird nun auch der gute alte Drahtesel smart gemacht. Das Fahrrad-Gadget an der Lenkstange will viel und ist Navi, Licht, Diebstahlsicherung und Fitness-Tracker zugleich. Unterwegs mit dem Gerät zeigt sich aber schnell: Ganz ausgereift ist es noch nicht.

Bei Kickstarter räumte SmartHalo aus Kanada einst das Neunfache des angepeilten Finanzierungsziels ab, mittlerweile gibt es das Navigationssystem am Fahrradlenker auch für Nicht-Backer zu kaufen. Radfahrer, die sich schon lange einen elektronischen Lotsen für ihr Bike wünschen, könnten nun also auch spontan zugreifen und bekommen neben der Navigation auch noch eine Reihe weiterer nützlicher Features. Lohnt sich das? Wir haben uns die inneren Werte von SmartHalo im Praxistest angeschaut.

Design: Perfektes Understatement

Schon vor der ersten Fahrt beeindruckt das Gerät mit nahezu perfektem Design: Am Fahrrad montiert sieht das schwarze runde Touchpad, das mit ringförmig angeordneten LEDs in allen Regenbogenfarben beleuchtet werden kann, einfach elegant und zugleich zweckmäßig aus. An meinem schwarzen Fahrrad integriert es sich unauffällig und ist trotzdem jederzeit gut sichtbar und bedienbar, ohne dass ich dafür die Augen zu lange von der Straße nehmen muss. Weil es wetterfest ist, kann es jederzeit am Lenker bleiben. Nur zum Laden per USB-Kabel muss es mithilfe eines magnetischen Dongles, der am Schlüsselbund Platz findet, abgenommen werden. Der Akku hält aber bei normaler Benutzung locker zwei bis drei Wochen durch.

 Simples Bedienkonzept: Die Zielnavigation wird per App eingestellt, danach bleibt das Smartphone in der Tasche. fullscreen
Simples Bedienkonzept: Die Zielnavigation wird per App eingestellt, danach bleibt das Smartphone in der Tasche. (©TURN ON 2017)

Das Bedienkonzept durch Touch-Berührungen ist durchdacht, wenn auch naturgemäß eingeschränkt. Größere Einstellungen und Eingaben werden aber ohnehin über die zugehörige Smartphone-App vorgenommen, ohne die SmartHalo nichts weiter als ein schwarzer Kasten ohne wirkliche Funktion ist. Die App ist aber ähnlich intuitiv aufgebaut und listet die verschiedenen Funktionen übersichtlich auf.

Funktionen: SmartHalo überzeugt als Alarmanlage

Das überzeugendste Feature an SmartHalo ist interessanterweise nicht das Navi, mit dem der Hersteller hausieren geht. Es ist vielmehr der integrierte Alarm, der im Vergleich mit der Navigationsfunktion zunächst unspektakulär erscheint. Er ist aber von allen Funktionen am besten durchdacht: Per App-Befehl, durch Eintippen eines selbst festlegbaren Morsecodes auf der Oberseite des Gadgets oder durch bloßes Entfernen aus der Bluetooth-Reichweite lässt sich der Diebstahlschutz scharf schalten. Bewegt dann jemand das Fahrrad, gibt SmartHalo erst einige warnende Brummtöne von sich, bevor schließlich ein 100 Dezibel lauter Alarm losrasselt.

 Der Diebstahlschutz von SmartHalo droht erst ein paar Mal mit rotem Licht und Brummtönen, bevor er den Alarm auslöst. fullscreen
Der Diebstahlschutz von SmartHalo droht erst ein paar Mal mit rotem Licht und Brummtönen, bevor er den Alarm auslöst. (©TURN ON 2017)

Das ist in der Tat ziemlich laut und dürfte so manchen überraschten Dieb in die Flucht schlagen. In der App lässt sich sogar einsehen, wie oft der Alarm in Abwesenheit losgegangen ist. Hier wäre es natürlich sinniger gewesen, wenn das Gadget den Fahrradbesitzer im Moment des versuchten Diebstahls informieren würde. Wegen der beschränkten Reichweite von Bluetooth stößt das Gerät hier aber wohl an technische Grenzen.

Navi sorgt für gelegentliche Irrfahrten

Nicht ganz so durchdacht ist leider ausgerechnet die Navigation, die doch auf den ersten Blick so vielversprechend klingt. Allein mit Lichtsignalen und Pieptönen soll SmartHalo den Radler ans Ziel navigieren, ohne dass zwischendurch ein Blick auf die Karte in der App nötig wird. Oft funktioniert das auch gut, wenn man sich einmal an die Eigenarten der Navigation gewöhnt hat: Die zeigt durch blinkende grüne Balken links oder rechts zum Beispiel an, wann abgebogen werden soll – aber auch durch einen Balken vorne, wenn eine Straße überquert werden muss.

Das sorgt allerdings für Verwirrung, wenn etwa an großen Kreuzungen mehrmals hintereinander abgebogen werden muss. Ich war mir regelmäßig unsicher, in welche Richtung mich SmartHalo denn nun schicken möchte und bin öfter ziellos im Kreis gekurvt, als mir lieb war. Wenn dann doch wieder das Smartphone hervorgekramt werden muss, um die Route zu checken, ist das eigentlich eine Bankrotterklärung und ein Zeichen, dass es SmartHalo mit dem Minimalismus vielleicht ein wenig zu gut meint.

 Links abbiegen: SmartHalo fordert mit Lichtsignalen zum Richtungswechsel auf. fullscreen
Links abbiegen: SmartHalo fordert mit Lichtsignalen zum Richtungswechsel auf. (©TURN ON 2017)

Dazu kommt, dass SmartHalo zwar ein smartes Navi für Radfahrer sein will, aber nicht smart genug ist, um zu wissen, was Radfahrer wollen. So schickte es mich einmal durch ein völlig fahrradfeindliches Wohngebiet mit Kopfsteinpflaster, parkenden Autos und uneinsehbaren Rechts-vor-Links-Situationen. Parallel verlief eine nur wenige Meter längere, aber viel schönere und vor allem mit Fahrradwegen ausgestattete Parallelstrecke. In solchen Situationen fällt auf, dass es für ein echtes Fahrrad-Navi mehr braucht, als nur eine Halterung fürs Lenkrad. Immerhin: Für die Navigation gibt es auch einen Kompass-Modus, in dem SmartHalo nur die Richtung anzeigt, in der das Ziel liegt. Den Weg dahin darf ich mir dann selber suchen, was im Test oft die weniger fehleranfällige Variante war.

Außerdem nicht ganz unproblematisch: Zusätzlich zu Bluetooth müssen für die Navigation auch die mobilen Daten dauernd eingeschaltet sein – sonst lotst einen SmartHalo keine zwei Meter weit. Das zehrt nicht nur am Handyakku, sondern disqualifiziert das Gadget auch für sommerliche Radtouren durch Gebiete, in denen der Netzausbau nicht ganz so gut ist wie in der Stadt.

Beleuchtung & Fitness-Funktionen überzeugen nicht

Recht enttäuschend ist die eingebaute LED-Lampe. Dass sie an Bord ist und sich bei entsprechenden Lichtverhältnissen sogar automatisch an- und ausschaltet, ist ein nettes Extra. Mehr aber auch nicht: Selbst auf volle Helligkeit eingestellt – die Dimmfunktion ist per App steuerbar – ist das Licht eher trübe und ersetzt definitiv keine ordentliche Fahrradlampe.

 Die integrierte Lampe könnte heller sein. fullscreen
Die integrierte Lampe könnte heller sein. (©TURN ON 2017)

Auch die eingebauten Fitness-Tracker-Features sind nett, um ein gutes Gefühl nach dem Radfahren zu bekommen. Sonderlich genau ist die Berechnung des Kalorienverbrauchs, die auf Geschlecht, Größe, Gewicht und Geschwindigkeit beruht, aber nicht. Wie der Wert für "Eingespartes CO2" ermittelt wird, ist ebenfalls höchst fraglich: Eingespart im Vergleich zu was? Einer Kreuzfahrt? Einer Dampflok? Einem Elektroauto? In der Anleitung steht jedenfalls nichts dazu. Und solange es hier keine nachvollziehbaren Richtwerte gibt, liefert dieses Feature leider mehr Feelgood als Fakten.

Für Radfahrer, die ständig erreichbar sein müssen, ist die Benachrichtigungs-Funktion noch ganz nützlich. Die zeigt mit Lichtsignalen, wenn ein Anruf oder eine SMS ankommen. Wer mag, kann dann direkt anhalten und den Anruf annehmen und läuft nicht mehr Gefahr, ein wichtiges Gespräch zu verpassen, weil das Smartphone tief im Mantel steckt.

Fazit: Da geht noch was ...

SmartHalo ist ein tolles Hilfsmittel, um sich in einer Stadt, in der man sich schon ein bisschen auskennt, auch an noch ungewohnte Orte bringen zu lassen. Aber würde ich mich mit dem Fahrrad-Gadget ohne vorherigen Blick auf eine echte Übersichtskarte durch eine fremde Stadt schicken lassen? Eher nicht. Sich ohne Navigation zu verfahren, ist nervig. Sich mit oder sogar wegen der Navigation zu verfahren, ist schlichtweg ärgerlich. Die Diebstahlsicherung überzeugt da schon mehr. Ob ein Kaufpreis von gut 140 Euro dafür gerechtfertigt ist, sei aber mal dahingestellt. Wer ernst zu nehmende Fitness-Tracker-Werte will, greift auch besser zum Original am Handgelenk.

Unterm Strich ist SmartHalo somit eine gute Idee, die optisch wohl perfekt ausgeführt wurde. Allerdings benötigt sie noch etwas Feinschliff, bis das Navi am Lenker wirklich zum Must-Have wird.

TURN ON-Wertung: 3/5

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