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Tado: Das smarte Heizkörper-Thermostat im Test

Die smarten Heizungsthermostate von Tado sollen Heizkosten sparen.
Die smarten Heizungsthermostate von Tado sollen Heizkosten sparen. (©Tado 2017)

Mit den neuen smarten Heizkörper-Thermostaten von Tado lassen sich endlich so gut wie alle Wohnungen und Räume smart beheizen. Im Test haben wir geprüft, ob das wirklich so leicht ist, wie der Hersteller behauptet.

Wenn es um smarte Heizungssteuerung geht, ist Tado seit einigen Jahren dick im Geschäft. Allerdings hatten die Thermostat-Lösungen des deutschen Unternehmens lange Zeit eine entscheidende Schwäche, denn sie waren vor allem auf Wohnungen mit Raumthermostaten zugeschnitten, während Mieter, deren Wohnung über eine zentrale Heizungsanlage versorgt werden, praktisch überhaupt nicht von dem System profitieren konnten. Das hat sich vor einigen Monaten jedoch geändert. Mit den neuen smarten Heizkörper-Thermostaten von Tado können nun auch viele Mieter Heizkosten sparen.

Das Starter Kit für die smarten Heizkörper-Thermostate bietet der Hersteller für 199 Euro zum Kauf oder für eine Monatsmiete von 5,99 Euro an (im ersten Jahr beträgt der Preis aktuell nur 3,99 Euro). Das Kit enthält zwei Thermostate, eine Internet-Bridge, die zur Vernetzung der Thermostate notwendig ist, und alle nötigen Kabel sowie Montage-Materialien.

 Das Starter Kit von Tado kostet 199 Euro, kann aber auch gemietet werden. fullscreen
Das Starter Kit von Tado kostet 199 Euro, kann aber auch gemietet werden. (©TURN ON 2017)

Der Tado-Account: Das Tor zum Smart Home

Wer sich für Produkte von Tado entscheidet, sollte sich von vornherein bewusst sein, dass es sich bei der Smart-Home-Lösung um ein geschlossenes System handelt. Das bedeutet, dass sich die Thermostate nur mit einem Account auf dem Hersteller-Server über die beiliegende Internet-Bridge ansteuern lassen. Das Einbinden der Thermostate in ein eigens aufgesetztes Smart-Home-System ohne Verknüpfung zum Tado-Server ist somit nicht möglich. Immerhin ist das System grundsätzlich mit Amazon Echo, Apple Homekit und IFTTT (If this, then that) kompatibel und kann über die jeweiligen Oberflächen gesteuert werden.

Beim Anlegen des Accounts unter tado.com/start registriert sich der Kunde mit Name, Telefonnummer sowie Adresse und legt ein Nutzerprofil nicht nur für sich selbst, sondern auch für seine Wohnung an. Die einzelnen Tado-Geräte, die jeweils mit einer Seriennummer versehen sind, werden dabei im Profil registriert und der Wohnung zugeordnet. Diese Registrierung ist zwingend erforderlich, um die Komponenten später vom PC oder Smartphone aus fernsteuern zu können.

 Gesteuert wird per App über die Internet-Bridge (links im Bild). fullscreen
Gesteuert wird per App über die Internet-Bridge (links im Bild). (©TURN ON 2017)

Die Installation: Ein bisschen Handwerk ist gefragt

Installieren lässt sich das System mit relativ wenigen Handgriffen, da im Prinzip nur die bestehenden Heizungsthermostate durch die neuen smarten Thermostate ausgetauscht werden müssen. Das klappt in den meisten Fällen innerhalb weniger Minuten mit einer Rohrzange. Die Tado-Thermostate passen auf die meisten gängigen Aufsätze, zudem legt der Hersteller drei verschiedene Adapter bei. Wer mehr als die zwei im Starter Kit enthaltenen Thermostate nutzen möchte, kann das System übrigens jederzeit erweitern.

Zunächst muss das "alte" Thermostat abmontiert werden. fullscreen
Zunächst muss das "alte" Thermostat abmontiert werden. (©TURN ON 2017)
Mehrere Adapter liegen dem Starter Kit bei. fullscreen
Mehrere Adapter liegen dem Starter Kit bei. (© 2017)
Das Tado-Thermostat nimmt den Platz ein. fullscreen
Das Tado-Thermostat nimmt den Platz ein. (©TURN ON 2017)
In wenigen Minuten ist die Montage erledigt. fullscreen
In wenigen Minuten ist die Montage erledigt. (©TURN ON 2017)

Nutzer, die sich unsicher sind, wie die Montage der Thermostate durchzuführen ist, finden auf YouTube mehrere ausführliche Erklärvideos von Tado. Für Kunden, die sich das Ganze partout nicht selbst zutrauen, bietet der Hersteller sogar einen Installations-Service an. Dieser schlägt allerdings dann gleich mal mit 119 Euro zu Buche.

Ebenso wichtig, wie das Anbringen der Thermostate ist übrigens die Installation der Internet-Bridge. Diese wird allerdings nur per Ethernet-Kabel mit dem Router verbunden und anschließend über einen Button mit sämtlichen Tado-Thermostaten im Haus gepairt. Wer diese Schritte hinter sich gebracht hat, ist mit der Installation dann auch schon durch.

Ferngesteuert heizen, ein Kinderspiel

Sobald der Account angelegt und das Heizungssystem installiert ist, geht es endlich an die smarte Steuerung der Heizung. Das kann wahlweise über ein Webinterface unter my.tado.com, über eine Desktop-App am PC oder über eine Smartphone-App erfolgen. Letztere steht für Android, iOS und Windows Phone bereit. Dort loggt man sich jeweils mit seinem Account ein und erhält dadurch Zugriff auf das Steuerungs-Interface.

 Über die Tado-App kann jedes verbundene Thermostat ferngesteuert werden. fullscreen
Über die Tado-App kann jedes verbundene Thermostat ferngesteuert werden. (©Screenshot Tado/ TURN ON 2017)

Von dort aus lässt sich die Temperatur für jedes Zimmer, in denen ein Tado-Thermostat installiert ist, steuern. Jederzeit kann die Temperatur manuell auf einen bestimmten Wert festgelegt werden. Die App funktioniert dabei als Fernsteuerung. Sobald der Nutzer die neue Temperatur einstellt, wird diese über die Tado-Server und die Internet-Bridge an das jeweilige Thermostat durchgegeben, welches sich dann automatisch auf den neuen Wert einstellt.

Heizen nach Plan

Viel interessanter ist es jedoch, mit der App gleich ein Heizprogramm für den ganzen Tag oder sogar die ganze Woche zu schreiben. Dafür bietet Tado ein leicht zu bedienendes Interface an, in welchem jeder Wohnungsbesitzer die Heizungstemperatur je nach Tageszeit voreinstellen kann. Wer beispielsweise regelmäßig zwischen 8:00 Uhr und 18:00 Uhr außer Haus ist, kann einstellen, dass die Temperatur in dieser Zeit automatisch heruntergeregelt wird. So kann jeder User praktisch einen auf seinen Tages- und Wochenablauf optimierten Heizungsplan erstellen. Und sollte man doch mal außerplanmäßig etwas länger unterwegs sein, lässt sich die Temperatur vom Smartphone aus jederzeit manuell aus der Ferne steuern, sodass nicht sinnlos Energie zum Heizen der leeren Wohnung vergeudet wird.

 Das Erstellen von Heizplänen ist kein Problem. fullscreen
Das Erstellen von Heizplänen ist kein Problem. (©Screenshot Tado/ TURN ON 2017)

Die standortbasierte Heizung

Noch eleganter ist es, die Heizung vollständig zu automatisieren. Dazu nutzt Tado die Standortdaten des Smartphones, um festzustellen, wann der Wohnungsbesitzer zu Hause ist und wann er arbeitet oder sich anderweitig außer Haus befindet. Je nach Standort des Nutzers regelt das System die Heizungen in der Wohnung dann automatisch herauf oder herunter. Mit der Zeit lernt Tado den Tagesablauf des Nutzers immer besser kennen und kann die Heizungssteuerung optimal darauf abstimmen.

Auf Wunsch heizt Tado die Wohnung beispielsweise bereits vor, bevor man nach Hause kommt. Denn das System erkennt anhand der Smartphone-Position, dass sich der Besitzer seiner Wohnung nähert. Das entsprechende Programm nennt sich "Comfort". Alternativ kann der Nutzer aber auch das "Eco"-Programm wählen, bei dem Tado demonstrativ auf das Vorheizen der Wohnung verzichtet. Überflüssig zu erwähnen, dass sich mit dem "Eco"-Programm wesentlich mehr Heizkosten sparen lassen.

Sehr akkurate Heizungssteuerung – mit einem kleinen Haken

Nach unserem mehrtägigen Test lässt sich festhalten, dass die Heizungsteuerung über das Tado-System sehr akkurat funktioniert. So werden manuelle Änderungen der Temperatur am Smartphone umgehend an die jeweiligen Thermostate weitergeleitet und dort umgesetzt. Das gilt auch für das Einhalten der erstellten Zeitpläne. Diese Genauigkeit hat auch zur Folge, dass sich mit Tado in der Praxis einiges an Heizkosten einsparen lässt. Wer beispielsweise einen Zeitplan erstellt, der optimal auf den eigenen Tagesablauf angepasst ist, kann problemlos Heizkosten sparen, ohne jemals in der eigenen Wohnung frieren zu müssen. Noch akkurater klappt das natürlich, wenn Nutzer die Heizungssteuerung anhand ihres Standortes komplett automatisieren. Der Hersteller selbst gibt sogar eine Geld-zurück-Garantie auf seine Produkte, sollte man in den ersten 12 Monaten der Nutzung keine Energie gespart haben.

 Die Thermostate heizen umso kostensparender, je mehr Daten Tado zur Verfügung hat. fullscreen
Die Thermostate heizen umso kostensparender, je mehr Daten Tado zur Verfügung hat. (©TURN ON 2017)

Einen kleinen Haken gibt es natürlich. Je mehr Energie Tado tatsächlich sparen und je akkurater das System die Heizungssteuerung auf die Bedürfnisse des Kunden abstimmen soll, desto mehr Daten müssen erfasst werden. Im Prinzip muss Tado für die standortbasierte Heizungssteuerung die Bewegungen des Nutzers möglichst genau nachvollziehen. Auch wenn die Daten verschlüsselt an die Server des Herstellers gesendet werden, könnte dieser Umstand einige Nutzer abschrecken.

Fazit: Sehr gutes System mit einer Schwäche

Im Prinzip ist es mit Tado wie mit jedem smarten System: Je mehr Daten es sammeln und auswerten kann, desto besser funktioniert es. Wer sich für die smarten Heizkörper-Thermostate des Herstellers entscheidet, sollte sich deshalb bewusst sein, dass dieser dadurch in gewisser Weise auch Zugang zu den eigenen vier Wänden und zum Tagesablauf erhält. Der Lohn ist jedoch ein wirklich smartes Heizungssystem, das in seiner kompletten Handhabung und Funktionsweise auf den Alltag mit dem Smartphone abgestimmt ist.

Tado funktioniert auf Wunsch fast vollautomatisch oder lässt sich anhand von eigens erstellten Zeitplänen minutiös steuern. Der Nutzer ist dem Automatismus dabei allerdings zu keiner Zeit ausgesetzt, sondern kann immer manuell eingreifen. Hier unterscheiden sich die smarten Heizkörper-Thermostate in ihrem Funktionsumfang praktisch nicht von den schon länger erhältlichen Wohnungsthermostaten. Dass der Hersteller für die Nutzung seines Systems so wenige technische Schranken wie möglich aufbaut und eine App sowohl für Android und iOS als auch für Windows Phone anbietet, unterstreicht den nutzerfreundlichen Ansatz des Sytsems.

Etwas schade ist lediglich, dass Tado nur als geschlossenes System funktioniert und alle Daten zwangsläufig über die Server des Herstellers laufen. Dieser Umstand könnte einige Kunden eventuell auch davon abhalten, sich auf das ansonsten sehr gute und durchdachte Tado-System einzulassen. Natürlich sollte auch der Preis nicht außer Acht gelassen werden. Wer mit Tado an Heizkosten sparen will, muss erstmal Geld in die Hand nehmen – eine Investition, die sich erst über die Zeit rentiert.

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