Meinung

9 Technik-Trends, die Du 2016 auf dem Schirm haben solltest

Virtual Reality dürfte auch 2016 ein großer Trend sein.
Virtual Reality dürfte auch 2016 ein großer Trend sein. (©Samsung 2015)

Natürlich erwarten wir 2016 das iPhone 7 und das Galaxy S7. Eine Technik-Vorschau, die sich um das Naheliegende und Greifbare dreht, wäre aber wenig interessant. Wir wagen daher einen tiefergehenden Blick in die Zukunft und präsentieren Dir neun große Technik-Trends, die sich bereits jetzt für das kommende Jahr abzeichnen.

Wohin wird uns die Entwicklung führen? Mit Sicherheit lässt sich diese Frage natürlich nicht beantworten. Zwar wagen viele Experten einen Blick in die naheliegende Zukunft – zum Beispiel das Marktforschungsinstitut Gartner, das jährlich einen neuen Technik-Ausblick auf das kommende Jahr veröffentlicht. Letztendlich wird es aber nur die Zeit zeigen, was davon eintritt und was nicht. Auch unsere Jahresvorschau mit neun großen Trends ist daher ohne Gewähr...

1. Smartphones: Lernfähige Apps & Assistenten

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Mit Windows 10 fürhte Microsoft Cortana ein – auch auf Smartphones. (©YouTube/calloftreyarch 2015)

Unsere Mobiltelefone sind bereits smart. 2016 könnten aber auch deren Inhalte – Apps, Assistenten und sonstige Software – noch einmal intelligenter werden. Die Sprachassistenten Siri, Cortana, Google Now und Co. dürften in naher Zukunft immer eigenständiger werden. Dank den Errungenschaften im Bereich der Künstlichen Intelligenz werden die virtuellen Mittler zwischen Mensch und Maschine zunehmend besser darin, Situationen selbstständig zu analysieren und Bedürfnisse für den Nutzer daraus abzuleiten. Künftig sollten wir mit immer mehr Apps sprechen können, Buttons und Touch-Befehle werden irgendwann überflüssig – wenn auch noch nicht im kommenden Jahr. Ja, auch das iPhone 7 könnte wieder mit dem altbekannten Home-Button auf den Markt kommen.

Womit wir 2016 ebenso wenig wie mit einem Apple-Smartphone ohne Home-Button rechnen, ist bedeutend mehr Akkulaufzeit bei mobilen Geräten – leider. Denn während die Weiterentwicklung von Prozessoren und Speichern in der Vergangenheit ein wahnwitziges Tempo an den Tag legte, kommt als Energiespeicher in Smartphones immer noch eine (wenig weiter entwickelte) Technik aus dem Jahr 1991 zum Einsatz. Da neue Handy-Modelle zudem immer dünner werden, bleibt auch immer weniger Platz für den Akku. Schade.

2. Wearables: Der Doc am Handgelenk

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Viele Menschen leiten ihr Wohlbefinden schon heute von Fitness-Trackern & Apps ab. (©TURN ON 2015)

Smartphones sind längst nicht mehr die einzigen smarten Geräte, die viele Menschen tagtäglich mit sich herumtragen. Smartwatches, Fitness-Tracker und smarte Kleidungsstücke spielen schon heute eine große Rolle. Das Interesse an entsprechenden Geräten wird 2016 sicher noch wachsen – ebenso wie deren Funktionsumfang.

Ob Smartwatches im kommenden Jahr endlich der Durchbruch gelingen wird, den die erste Apple Watch 2015 noch nicht brachte, wird von mehreren Faktoren abhängen. Damit die schlauen Uhren gerne getragen werden, sollten sie nicht nur schick und komfortabel sein. Sie müssen ihren Besitzern auch einen Mehrwert bieten, zum Beispiel indem sie alltägliche Dinge vereinfachen: Wenn sie nur die wichtigsten Infos von unseren chaotischen Smartphones auf einen Blick anzeigen oder andere Dinge wie Fernbedienungen, Fitness-Tracker oder Kreditkarten überflüssig machen, dann könnte es Smartwatches gelingen, den Schritt zum Mainstream-Produkt zu schaffen. Allerdings sollten die Hersteller unbedingt noch das Problem mit der geringen Akkulaufzeit in den Griff bekommen.

Eine wachsende Bedeutung dürften Wearables 2016 auch im medizinischen Bereich erfahren. Herzfrequenz überwachen, Blutzuckerspiegel, Sauerstoffgehalt im Blut, Hauttemperatur oder Hirnströme messen – immer feinere Sensoren können immer mehr leisten und beinahe unmerklich in Armbänder oder Kleidungsstücke integriert werden. Ob das zum Schutz der Gesundheit oder der Überwachung von Versicherten eingesetzt wird, wird letztendlich davon abhängen, was mit den erhobenen Daten passiert und wie diese geschützt werden können.

3. 3D-Technik: Ich druck' mir die Welt, wie sie mir gefällt

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Auf der IFA 2015 waren bereits gedruckte Schokolade und Plätzchen zu sehen. (©TURN ON 2015)

Im Bereich der smarten Wearables könnte vieles von neuen Materialien und deren Verfügbarkeit abhängen. Eine zunehmend wichtige Rolle dürften 2016 daher auch 3D-Druck-Technologien spielen. Neue Materialien eröffnen neue Möglichkeiten und Anwendungsbereiche für die Technik. Schon heute können selbst biologische Produkte von speziellen 3D-Druckern gefertigt werden – auf der IFA 2015 gab es etwa ausgedruckte Plätzchen und Schokoladenformen zu bestaunen. In der Medizin, der Luftfahrt, der Automobilbranche, der Mode, aber natürlich auch bei den Consumer Electronics sowie in vielen weiteren Branchen könnten 3D-Drucker die Herstellungsprozesse revolutionieren – und vielleicht ja auch endlich für mehr Nachhaltigkeit sorgen.

4. Gaming: Virtual & Augmented Reality

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Die Samsung Gear VR verspricht lebensechte Bilder und ein 360-Grad-Seherlebnis. (©Samsung 2015)

"Nicht nur zuschauen, sondern da sein", könnte das Motto von Virtual Reality lauten. Dieses Thema, das derzeit vor allem in der Gaming-Branche für Aufbruchstimmung sorgt, soll zu den ganz großen Trends des Jahres 2016 gehören. Viele Hersteller arbeiten mit Hochdruck daran, ihre ersten VR-Headsets im kommenden Jahr auf den Massenmarkt zu bringen. Zu den Vorreitern zählt etwa Facebook-Tochter Oculus mit ihrer Rift. Aber auch HTC will die Vive und Sony die unter dem Namen Project Morpheus entwickelte PlayStation VR 2016 als Zubehör für die PS4 herausbringen, Konkurrent Microsoft sorgte 2015 mit der HoloLens für Aufsehen. Diese geht sogar noch einen Schritt weiter. Statt als VR-Brille für eine Gaming-Konsole tobt sich Microsoft mit der HoloLens auf dem spannenden Feld der Augmented Reality aus.

Mit einer AR-Brille nimmt man die Umgebung um sich herum weiterhin wahr, sie wird lediglich um virtuelle Inhalte erweitert. Das ist etwas, das VR-Headsets für den Gaming-Bereich nicht leisten können. Bei ihnen taucht der Spieler dafür vollkommen in die künstliche Umgebung ein, für seine Umgebung wird er blind. So bringen beide Varianten der künstlichen Realität ihre ganz eigenen Vor- und Nachteile mit sich und eignen sich daher auch für unterschiedliche Anwendungsbereiche. Während Virtual Reality-Geräten bereits für 2016 ein gewaltiges Wachstumspotenzial im Gaming-Sektor vorhergesagt wird, könnten beide Technologien zunehmend auch in den Alltag der Menschen Einzug halten. So ist es denkbar, dass man künftig virtuelle Rundgänge durch Hotels macht, bevor man sie bucht, Autos vor dem Kauf per VR-Headsets probefährt oder bei Stadtrundgängen passende Infos zu Sehenswürdigkeiten per AR-Brille erhält.

5.  Film & Foto: Drohnen für Jedermann

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Die Parrot Bebop 2 macht Luftaufnahmen mit 14 Megapixeln und filmt in Full HD. (©Parrot 2015)

Die Drohnenauswahl ist schon jetzt gewaltig: Von schwimmenden über springende bis hin zu fliegenden Modellen gibt es alles, was das Hobbyfilmer-Herz begehrt – und das Portemonnaie hergibt. Während teure High-End-Quadcopter wohl auch weiterhin hauptsächlich von Filmprofis genutzt werden, wird der Consumer-Markt für Drohnen 2016 weiter stark wachsen. Die Quadcopter werden nämlich nicht nur erschwinglicher, sondern auch immer smarter und einfacher in der Handhabung. Jedermann wird künftig in der Lage sein, Drohnen zu fliegen und Routen zu definieren, denen die Quadcopter per GPS automatisch folgen werden. Drohnenmarktführer DJI präsentierte im November etwa eine Vision einer Echtzeitverfolgung via Tablet oder Apple Watch und ein idiotensicheres Starten durch einfaches In-die-Luft-werfen.

Spätestens wenn Karma, die erste Drohne des Action-Cam-Herstellers GoPro, auf den Markt kommt, wird das Interesse gewaltig steigen. Dann wird es aber auch ernsthafte Diskussionen um die Flugsicherheit und eindeutige Reglungen für Hobby-Drohnenflieger geben müssen.

6. TV: Die Zeichen stehen auf OLED

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Die OLED-Technologie bietet einige Vorteile gegenüber LCD. (©Panasonic 2015)

Erst wurden Fernseher farbig, dann immer dünner und schließlich auch noch schlau: Kaum ein Modell kommt heute ohne Smart TV-Funktionen auf den Markt. Dieser Trend wird sich auch 2016 fortsetzen und Betriebssysteme speziell für Fernseher wie Samsungs Tizen oder Android TV immer größere Bedeutung gewinnen. Der Fernseher der Zukunft ist daher mehr PC als Mattscheibe.

Ein anderes Kapitel ist die Bildqualität der Geräte. Während 4K-Fernseher noch längst nicht in jedem Wohnzimmer angekommen sind, stehen schon die ersten 8K-Modelle in den Startlöchern. Doch mit immer mehr Pixeln wird nicht automatisch auch das Bild immer besser. Mehr Vorteile könnte hier die OLED-Technologie bringen, die nach wie vor in ihren Kinderschuhen steckt. Im Gegensatz zu LCD-Fernsehern liefert sie ein wirklich reines Schwarz, da die einzelnen Bildpunkte von sich aus leuchten und keine Hintergrundbeleuchtung benötigen. Im Vergleich zur Plasma-Technologie sind OLED-Modelle zudem sehr viel energieeffizienter. Und die Technik bietet einen weiteren großen Vorteil: Sie ermöglicht eine extrem dünne, leichte und flexible Bauweise. Curved-TVs gibt es daher nur mit OLED-Technik. Allerdings muss die Reise da nicht stoppen. Aufrollbare Fernseher sind schon längst keine reine Zukunftsvision mehr...

7. Haushalt: Das Internet of Things im Smart Home

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Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt – nicht mein Mann, sondern Samsung. Und alle anderen Hersteller von Saugrobotern, Smart Home-Devices oder intelligenten Haushaltsgeräten anderer Art. Der Trend, dass uns moderne Technik immer mehr Arbeit im Heim abnehmen will, wird sich auch 2016 weiter fortsetzen. Ein weiterer Begriff, der in diesem Zusammenhang zunehmend an Bedeutung gewinnt: das Internet of Things (IoT), auch Internet der Dinge genannt. Ehemals banale Dinge wie Glühlampen werden künftig durch intelligente Lichtsysteme ersetzt, die mit anderen Geräten vernetzt und zentral gesteuert werden können. Kühlschränke, Kameras, Entertainmentsysteme mit Internet- oder App-Anbindung eröffnen völlig neue Möglichkeiten.

Noch steht das Smart Home aber vor einer großen Herausforderung – eine Hürde, die es 2016 endlich überwinden könnte. Damit die vernetzten Geräte am Massenmarkt ankommen, sollten sie alle in ein einheitliches und vor allem einfaches System integriert werden. Niemand möchte sich mit unzähligen einzelnen Apps für verschiedene Haushaltsgeräte herumschlagen müssen. Eine zentrale, verständliche und sichere Steuerung muss also her.

8. Auto: Highspeed-Internet im Connected Car

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Elektroautos, autonomes Fahren, Connected Cars: Was erwartet uns 2016? (©TURN ON 2015)

Am Steuer zu telefonieren ist nicht nur in Deutschland verboten. Da das Smartphone aber in der Regel trotzdem mitfährt, machen sich die Autohersteller das zunutze und bauen Infotainmentsysteme in ihre Fahrzeuge ein, die sich mit dem Handy vernetzen. Connected Cars nutzen die Internetverbindung des Smartphones oder haben sogar eigene GSM-Module integriert. Das bietet schon heute viele Vorteile, zum Beispiel Echtzeit-Verkehrsinformationen, könnte künftig aber noch bedeutender werden. Ab 2016 dürfte zunehmend 4G in Autos Einzug halten. Mit eigener Highspeed-Internetverbindung eröffnen sich viele weitere Möglichkeiten: Die Passagiere im Fond könnten während der Autofahrt ihre Lieblingsserie streamen, das Auto selbst könnte neue Funktionen via OTA-Update zugespielt bekommen. Bei Tesla funktioniert das schon heute gut.

Das Internet wird Autos aber nicht nur mit der Welt, sondern auch untereinander vernetzen. Künftige Fahrzeugmodelle können Informationen über ihre exakte Position, die Bewegungsrichtung und ihre aktuelle Geschwindigkeit an andere Fahrzeuge übermitteln. Damit wollen die Autobauer nicht nur die Sicherheit auf den Straßen deutlich erhöhen, sondern auch eine Zeitersparnis für den Fahrer rausschlagen – etwa dadurch, dass die Autos mit Verkehrsanlagen wie Ampeln oder Schranken kommunizieren. Bevor wir also vollkommen autonom fahrende Autos wie das Google Car auf den Straßen sehen werden, müssen erst einmal alle Fahrzeuge eine Verbindung zu ihrer Umgebung aufnehmen.

9. Big Data: Künstliche Intelligenz & Sicherheit

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Sicherheit versprechen sie alle – doch was passiert wirklich mit unseren Daten? (©TURN ON 2015)

"Big Data" oder "Information of Everything" – es gibt viele Namen für die Datenflut, die durch die Vernetzung von immer mehr Geräten entsteht. Das Problem dabei, das 2016 wieder mehr in den Fokus rücken MUSS: Viele der Bereiche, in denen diese Daten erhoben werden, sind privat. Der smarte Kühlschrank oder die vernetzte Lampe stehen bei uns Zuhause, den Fitness-Tracker oder die smarte Kleidung tragen wir sogar direkt am Körper. Sie sammeln Informationen über uns, die wir verständlicherweise in sicheren Händen wissen wollen. Niemand möchte auf undurchsichtige Weise überwacht werden. Nur allzu oft wird die Möglichkeit steigender Krankenkassenbeiträge für Menschen, deren Smartwatches und Tracker auf ein höheres Gesundheitsrisiko hinweisen, als denkbares Schreckensszenario angeführt. Das Gleiche gilt für Autoversicherungen, die den Beitrag für Bleifuß-Fahrer eines Connected Cars erhöhen.

Auf der anderen Seite bringen viele Daten auch viele Möglichkeiten mit sich: Automatisierung von Prozessen, Personalisierung von Informationsangeboten, Vorhersage von Katastrophen und so weiter. Ohne Automatisierungsprozesse keine Künstliche Intelligenz. Doch auch hier gilt: Neben den Vorteilen sind immer auch die Gefahren im Blick zu behalten. Manipulation, Diskriminierung und Ausbeutung dürfen nicht die Folge von Massendaten sein und Künstliche Intelligenz darf nicht den kritischen Punkt überwinden, vor dem nicht nur Stephen Hawking warnt. Wenn sich die KI vom Menschen unabhängig macht, hat vielleicht unser letztes Stündchen geschlagen. Hoffen wir mal, dass es 2016 noch nicht so weit sein wird...

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