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Milchstraße fotografieren: 7 Tipps für Sternenhimmel-Fans

Den Zauber der Milchstraße auf ein Foto zu bannen, ist gar nicht so einfach. Hier findest Du wertvolle Tipps!
Den Zauber der Milchstraße auf ein Foto zu bannen, ist gar nicht so einfach. Hier findest Du wertvolle Tipps! (©Thinkstock/den-belitsky 2017)

Hell leuchtende Sterne auf tiefschwarzem Nachthimmel: Was romantisch klingt, ist gar nicht so einfach einzufangen. Wenn Du die Milchstraße fotografieren möchtest, kommt es vor allem auf die richtigen Kameraeinstellungen an. Wir geben allen Sternenhimmel-Fans sieben Tipps zu Fotografie-Equipment und Settings.

Ist die Milchstraße nicht faszinierend? Ein Blick auf den Querschnitt unserer Galaxie rückt alles wieder ins rechte Verhältnis – viele Sorgen wirken plötzlich ganz klein, wenn man bedenkt, dass unser Sonnensystem mit der Erde nur einer von rund 300 Milliarden Sternen in der Milchstraße ist. Und auf einen Teil dieser 300 Milliarden Sterne blicken wir, wenn wir das hell leuchtende Band der Milchstraße am Nachthimmel entdecken.

Willst Du einen Teil dieser Faszination einfangen und die Milchstraße fotografieren, bedarf es einiger Vorbereitung. Auch wenn ein ausdrucksstarkes Bild des Sternenhimmels nicht in die Kategorie "Schnappschuss" fällt, so kannst Du Dich mit der folgenden Anleitung doch optimal dafür rüsten.

1. Die Wahl der Location

 Den besten Blick auf die Milchstraße hast Du in der freien Natur – fernab von hellen Städten. fullscreen
Den besten Blick auf die Milchstraße hast Du in der freien Natur – fernab von hellen Städten. (©Pixabay 2017)

Die erste Herausforderung: Nicht von überall aus ist die Milchstraße gut zu fotografieren. Je nach geografischem Standort können einige Faktoren das Bildergebnis negativ beeinflussen. Grundsätzlich gilt beim Fotografieren von Sternen: Die schönsten Bilder knipst Du in tiefschwarzer Nacht. Je mehr Umgebungslicht vorhanden ist, desto trüber wird das Foto. Der ideale Ort zum Fotografieren der Milchstraße befindet sich also weitab von smog- und lichtverschmutzten Städten. Auch die Höhe, auf der Du Dich befindest, macht einen Unterschied. In den Bergen etwa wird die Atmosphäre dünner und es gibt weniger reflektierende Partikel in der Luft – der Blick auf den Himmel wird somit noch klarer.

2. Der richtige Zeitpunkt

 Auf der Nordhalbkugel strahlt die Milchstraße in den Sommermonaten am hellsten. fullscreen
Auf der Nordhalbkugel strahlt die Milchstraße in den Sommermonaten am hellsten. (©Pixabay 2017)

Je nachdem, ob Du Dich auf der Nord- oder Südhalbkugel befindest, hast Du zudem nur ein bestimmtes Zeitfenster, in dem die Milchstraße nachts optimal zu sehen ist. Auf der Nordhalbkugel sind das vor allem die Sommermonate, in denen es jedoch erst spät richtig dunkel wird und auch nur kurz dunkel bleibt. In skandinavischen Ländern kann es daher schon schwierig bis unmöglich werden, die Milchstraße im Sommer einzufangen. Eine weitere Störquelle ist der Mond. Je heller er scheint, desto weniger Sterne sind sichtbar. Das schönste Foto vom Sternenhimmel wird Dir daher wahrscheinlich bei Neumond gelingen oder an Tagen, an denen der Mond erst spät aufgeht.

Das sind Dir bereits zu viele Faktoren, die zu berücksichtigen sind? Dann teste doch mal Apps wie Mobile Observatory oder Sky Map für Android beziehungsweise Redshift – Astronomie oder Star Walk HD für iOS.

3. Die Kamera & das geeignete Objektiv

 Fürs Fotografieren von Sternen ist ein lichtstarkes Objektiv mit geringer Brennweite gefragt. fullscreen
Fürs Fotografieren von Sternen ist ein lichtstarkes Objektiv mit geringer Brennweite gefragt. (©Pexels 2017)

Smartphone-Kameras und die meisten Action-Cams eignen sich in der Regel nicht, um wirklich eindrucksvolle Fotos vom Sternenhimmel zu schießen. Auch viele Kompaktkameras geraten hier an ihre Grenzen, da ihre Bildsensoren und Optiken zu klein sind, um ausreichend Licht einzufangen.

Am besten fotografierst Du die Milchstraße daher mit einer digitalen Spiegelreflexkamera (DSLR) mit Vollformatsensor. Die Kamera sollte kein Problem mit hohen ISO-Werten haben und Dir manuelle Einstellungen erlauben. Auch eine Systemkamera, bei der Du das Objektiv je nach Einsatzzweck wechseln kannst, kommt daher infrage. Für das Fotografieren bei Nacht benötigst Du nämlich eine möglichst lichtstarke Optik. Die Brennweite kannst Du je nach Geschmack wählen, mit einem Superweitwinkel bekommst Du aber mehr aufs Bild. Ein weiterer Vorteil kleiner Brennweiten: Du kannst an der Kamera längere Belichtungszeiten einstellen, ohne dass Sternspuren auf dem Bild sichtbar werden.

4. Das weitere Equipment

 Ohne ein Stativ werden Dir Langzeitbelichtungen verwackeln. fullscreen
Ohne ein Stativ werden Dir Langzeitbelichtungen verwackeln. (©Pexels 2017)

Ohne ein Stativ geht nichts, wenn Du mit langen Belichtungszeiten hantierst. Das gehört also definitiv ins Gepäck. Darüber hinaus ist das Fotografieren mit Fernauslöser optimal, dann verwackeln Dir Bilder nicht so schnell. Bist Du lange unterwegs, sind neben einer ausreichend großen Speicherkarte und einem Ersatzakku – je nach Jahreszeit und Standort – auch wärmende Kleidung, Decken, Heißgetränke und Co. empfehlenswert. Dein Smartphone kann Dir an abgelegenen Orten eine Hilfe beim Wiederfinden des Autos und ein Retter in der Not sein. Zu guter Letzt benötigst Du im Dunkeln eine Taschenlampe, um Dich zurechtzufinden und Dein Foto-Equipment aufzubauen.

5. Die Belichtung (ISO, Blende & Belichtungszeit)

Ist die DSLR auf dem Stativ startklar, geht es ans Wählen der passenden Einstellungen an der Kamera. Das Wichtigste beim Fotografieren des Nachthimmels ist wohl die Belichtung. Da diese jedoch von mehreren Faktoren beeinflusst wird – ISO-Wert, Blendenöffnung und Belichtungszeit –, kann es einige Versuche erfordern, bis Du die optimalen Einstellungen gefunden hast. Um die Milchstraße zu fotografieren, musst Du mit der Kamera möglichst viel Licht einfangen. Daher stellst Du einen kleinen Blendenwert ein, was heißt, dass die Blende weit geöffnet ist.

 Um nachts möglichst viel Licht einzufangen, musst Du die Blende weit öffnen. fullscreen
Um nachts möglichst viel Licht einzufangen, musst Du die Blende weit öffnen. (©Pexels 2017)

Die Belichtungszeit wählst Du möglichst lang, damit der Bildsensor viel Zeit hat, um Licht einzufangen. Ist die Belichtungszeit allerdings zu lang, werden die Sterne auf dem Bild Lichtspuren hinter sich herziehen. Das ist der Erdrotation geschuldet. Als Faustformel beim Fotografieren mit Vollformatsensor gilt:

500 : Brennweite = maximale Belichtungszeit.

Benutzt Du beispielsweise ein 11-mm-Objektiv, solltest Du also rund 45 Sekunden lang belichten können, ohne dass die Sterne verschmieren. Bei einer Kamera mit Sensor im APS-C-Format ersetzt Du die 500 in der Faustformel einfach durch den Wert 300.

 Mit dem ISO-Wert ist es oft eine Gratwanderung, bevor ein Rauschen sichtbar wird. fullscreen
Mit dem ISO-Wert ist es oft eine Gratwanderung, bevor ein Rauschen sichtbar wird. (©Pixabay 2017)

Schließlich gilt es noch, die Lichtempfindlichkeit des Sensors einzustellen. Grundsätzlich liefert ein höherer ISO-Wert ein helleres Bild. Allerdings wird aus dem Schwarz des Nachthimmels schnell ein verrauschtes Grau. Den Punkt zu finden, an dem das Bildrauschen noch nicht überhand nimmt, erfordert in der Regel etwas Ausprobieren. Je nachdem, wie lange Du mit der gewählten Brennweite belichten kannst, kannst Du beispielsweise mit einem ISO-Wert um 2000 beginnen und Dich langsam hochtasten.

6. Die Herausforderung des Fokussierens

 Nicht immer bringt der Autofokus das gewünschte Ergebnis. fullscreen
Nicht immer bringt der Autofokus das gewünschte Ergebnis. (©Pexels 2017)

Wer die Milchstraße fotografieren und einzelne Sterne klar und deutlich abbilden will, sollte sich nicht auf den Autofokus seiner Kamera verlassen. Befindet sich ein näheres Objekt im Bild, zum Beispiel ein Baum, kann es sein, dass die Kamera diesen scharf stellt und die Sterne im Hintergrund verschwimmen. Du solltest also manuell fokussieren und den Fokus auf unendlich stellen. Fotografierst Du im Live-View-Modus, kannst Du auch in einen Ausschnitt hineinzoomen und einen Stern genau fokussieren.

7. Die digitale Nachbearbeitung

 Mit einem Bildbearbeitungsprogramm noch Farben, Kontraste und Co. anpassen – fertig! fullscreen
Mit einem Bildbearbeitungsprogramm noch Farben, Kontraste und Co. anpassen – fertig! (©Pexels 2017)

Ist Dir bereits das perfekte Foto gelungen? Glückwunsch! Dann hast Du alles richtig gemacht. Allerdings handelt es sich vermutlich auch um einen Glückstreffer. Es ist nämlich nicht ungewöhnlich, das nachts geschossene Fotos noch Farbstiche, Verzerrungen oder andere Schönheitsfehler aufweisen. Die kannst Du im Nachhinein noch am Rechner ausbügeln – am besten natürlich, wenn Du im RAW-Format fotografiert hast. Dann lassen sich noch zahlreiche Anpassungen vornehmen, etwa am Weißabgleich, am Kontrast oder an der Helligkeit. Das ist übrigens kein Schummeln, sondern ausdrücklich erlaubt!

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