Angst vor Terror: Sony Pictures stoppt "The Interview"

Randall Park spielt im Film "The Interview" den Diktator Kim Jong-un. Randall Park spielt im Film "The Interview" den Diktator Kim Jong-un. (© 2014 YouTube/Sony Pictures Entertainment)

Rund einen Monat nach dem Hackerangriff auf Sony Pictures stoppt das US-Filmstudio den für den 25. Dezember geplanten Release von "The Interview". Grund sind erneute Drohungen der Hacker. Diese kündigten einen "zweiten 11. September" an, sollte die Nordkorea-Komödie veröffentlicht werden.

Kein Kino-Release, keine Veröffentlichung auf DVD oder Blu-ray und keine Fernsehwerbung mehr: Sony Pictures hat den jüngsten Terrordrohungen der Hacker nachgegeben und den Release des Films "The Interview" gestoppt. Das berichtet Deadline. Eigentlich sollte die Komödie mit James Franco und Seth Rogen in den Hauptrollen am 25. Dezember in den USA anlaufen. Nachdem Hacker nun aber mit Terroranschlägen in der Größenordnung des 11. September 2001 drohten, stellte Sony Pictures es den großen Kinoketten des Landes zunächst frei, den Film zu zeigen. Da sich alle großen Unternehmen dagegen entschieden, stoppte die US-amerikanische Sony-Tochter die Veröffentlichung nun komplett.

"Wir stehen zum Recht auf freie Meinungsäußerung"

In einem Pressestatement gegenüber Deadline äußerte sich Sony Pictures zur Entscheidung der Kinos: "Wir respektieren und verstehen die Entscheidung unserer Partner, und teilen natürlich deren Interesse, die Sicherheit ihrer Angestellten und Kinobesucher zu gewährleisten." Im Anschluss verurteilte das Filmstudio den Hackerangriff harsch: "Diejenigen, die uns angegriffen haben, haben unser geistiges Eigentum, private E-Mails und sensibles sowie geheimes Material gestohlen, und versucht, unseren Geist und unsere Moral zu zerstören – all das anscheinend nur, um die Veröffentlichung eines Films zu verhindern, den sie nicht mögen." Das sei nicht nur ein Angriff auf das Unternehmen, sondern auch auf die US-amerikanische Öffentlichkeit. Sony Pictures werde weiterhin hinter seinen Filmemachern und deren Recht auf freie Meinungsäußerung stehen.

Kontroverse um die Tötung Kim Jong-uns

Die Entscheidung, den Film nicht zu veröffentlichen, bedeutet einen erheblichen finanziellen Verlust für Sony Pictures. Deadline schätzt, dass bereits rund 60 bis 70 Millionen US-Dollar in die Produktion und das Marketing für "The Interview" geflossen sind. Da allerdings auch diese Aktivitäten eingestellt werden, wächst der Verlust aber wohl immerhin nicht weiter.

Die Komödie "The Interview" wurde bereits am 25. Juni von der staatlichen Korean Central News Agency verurteilt. Die nordkoreanische Regierung drohte mit Vergeltung, sollte der Film veröffentlicht werden. In der Komödie werden Seth Rogen und James Franco von der CIA dazu angestiftet, ein Attentat auf Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un zu verüben. Vorab geleakte Filmszenen vom Tod des Diktators mögen Anlass für die Terror-Drohungen der Hacker gewesen sein. Bislang streitet Nordkorea allerdings ab, hinter den Hackerangriffen auf Sony Pictures zu stecken.