Echte Profi-Hardware? Ein Arbeitstag mit dem Surface Pro 4

Kann sich das Surface Pro 4 im Arbeitsalltag beweisen? Kann sich das Surface Pro 4 im Arbeitsalltag beweisen? (© 2015 TURN ON)

Kann das Surface Pro 4 einen großen PC im Arbeitsalltag ersetzen? Microsoft sagt ja, aber wir wollten das lieber eigenhändig testen. Ein Redakteur im Surface-Selbstversuch.

Die Surface-Pro-Reihe wird von Microsoft als vollwertiges Arbeitsgerät vermarktet. Grund genug für uns, das neue Surface Pro 4 mal im tatsächlichen Arbeitsalltag zu testen. Einen ganzen Arbeitstag habe ich mich deshalb ausschließlich auf das Pro 4 verlassen und an meinem normalen Arbeitsrechner in der Zwischenzeit die längst überfälligen Windows-Updates durchlaufen lassen.

Der Start in den Arbeitstag – Setup ist das halbe Leben

Das Surface Pro 4 kommt ab Werk mit Windows 10, einem Betriebssystem, das ich privat seit Monaten auf mehreren Rechnern nutze. An der Arbeitstauglichkeit der Software selbst besteht für mich deshalb im Prinzip kein Zweifel mehr. Um das Surface fit für die tägliche Arbeit zu bekommen, muss ich dennoch ein paar Anpassungen machen.

Anders als sonst habe ich nur ein 12,3-Zoll-Display und keine zwei Monitore zur Verfügung. Somit ist beispielsweise der Chrome-Browser für mich unverzichtbar, da sich dort – anders als derzeit in Edge – auch einzelne Tabs anpinnen lassen. So kann ich deutlich mehr Tabs in einem Browserfenster überblicken. Aufgrund des fehlenden zweiten Bildschirms führt daran kein Weg vorbei.

Fotos_SurfaceTest-3
Ohne Maus geht nix: Zum Glück hat das Surface Pro 4 einen USB-Port.

Zudem brauche ich natürlich noch diverse Programme zum Schreiben und zur Bildbearbeitung. Hier erweist sich Windows 10 gleich schon Mal als Vorteil. Dadurch, dass auf dem Surface ein vollwertiges Windows läuft, gibt es praktisch keine Einschränkungen, was die Nutzung verschiedener Programme angeht – es läuft theoretisch einfach jede erdenkliche Windows-Software.

Zudem nutze ich die Möglichkeit und schließe eine Maus an den USB-Port des Surface Pro 4 an. Zwar funktioniert das Trackpad auf dem Tastatur-Cover wirklich gut, allerdings arbeitet es sich mit einer Maus einfach produktiver. Zudem ist eine Maus portabel und kann überall mit hingenommen werden. Damit erfüllt sie die Anforderungen, die auch das Surface selbst für sich beansprucht.

Arbeiten mit dem Surface – die erste Stunde

Eine Stunde, nachdem ich das Surface Pro 4 eingerichtet habe, bin ich bereits vollkommen im normalen Arbeitsalltag versunken und habe meinen ersten Artikel fertig geschrieben, redigiert und in das Content Management System von TURN ON eingestellt. Gab es irgendwelche Probleme oder Einschränkungen? Überhaupt nicht. Sobald ich die Arbeit aufgenommen hatte, ging diese praktisch genauso reibungslos vonstatten wie sonst auch. Produktivitätseinbußen sind für mich bislang nicht spürbar – und da sich die Kollegen noch nicht beschwert haben, haben auch diese wohl nichts an meinem Arbeitstempo auszusetzen.

Fotos_SurfaceTest
Während ich mit dem Surface arbeite, kann sich mein Hauptrechner in Ruhe updaten.

Mit dem Arbeitsrechner ins Meeting

Normalerweise gehe ich ins Redaktionsmeeting mit Schreibblock, Stift und Smartphone bewaffnet. Heute nehme ich das Surface Pro 4 mit. Meine Arbeitsprogramme lasse ich angeschaltet. Die Fenster werden jedoch minimiert und das Gerät in den Tablet-Modus versetzt. Die Tastatur brauche ich nicht. Ich nehme aber den Surface Pen mit, um mir ein paar Notizen zu machen. Dabei nutze ich die Outlook-Funktion, bei der das Programm meine Handschrift auf dem Display automatisch erkennt und in Maschinenschrift umwandelt. Mit Mühe schaffe ich es, so zu schreiben, dass Outlook meine Klaue entziffern kann.

Fotos_SurfaceTest-12
Im Meeting dient das Surface als Notitzblock.

An sich ist es ganz praktisch, dass ich meine Notizen direkt auf dem Rechner anlegen und speichern kann, an dem ich arbeite – trotzdem werde ich wohl in Zukunft erstmal bei Zettel und Stift bleiben. Das fühlt sich einfach natürlicher an. Außerdem ist das Schöne an einem Redaktionsmeeting, dass man dabei mal nicht am Rechner sitzt.

Was den Surface Pen an sich angeht, halte ich es wie Steve Jobs: "Wer will schon einen Pencil?", fragte dieser 2007. Ich jedenfalls habe bislang kein Bedürfnis, den Eingabestift übermäßig zu nutzen. Warum auch, wenn ich eine Maus anschließen kann?

Toller Workflow dank guter Performance

Die Mittagspause steht an und bislang kann ich mich nicht beschweren. Das Surface Pro 4 enttäuscht auch bei der Performance nicht. Mit einem Intel Core i5 und 4 GB RAM Arbeitsspeicher lässt sich die redaktionelle Arbeit ohne Probleme erledigen. Abgesehen davon, dass das Display viel kleiner ist als sonst, geht alles ganz locker von der Hand.

Da fehlen dann doch ein paar Anschlüsse

15 Uhr und ich habe endlich den Ratgeber zu den besten Video-Player-Apps für Android fertig – natürlich wieder mit vielen Screenshots. Die übertrage ich normalerweise gleich per Kabel vom Handy auf den PC. Im USB-Port des Surface steckt aber leider bereits die Maus – der erste Rückschlag. Natürlich ist das in dem Fall aber nur eine kleine Einschränkung, denn über den Cloud-Speicher bekomme ich die Daten dann doch auf den Rechner.

Fotos_SurfaceTest-10
Manchmal ist ein USB-Port einfach zu wenig.

Hier deuten sich aber bereits die Grenzen des Surface Pro 4 an. Ein USB-Port ist nett, dürfte aber in vielen Situationen nicht ausreichen. Was ist beispielsweise, wenn ich zusätzlich zur Maus auch eine Festplatte anschließen möchte? So ein Szenario ist im Alltag gar nicht unrealistisch. Da müsste dann zwangsläufig ein Hub her.

Multitasking: Warum sollte das ein Problem sein?

Gerade bei Tablets, die mehr sein wollen als reine Spaßmaschinen, hört man dieser Tage viel von Multitasking. Beim iPad Pro lassen sich beispielsweise zwei Apps nebeneinander auf dem Display darstellen, bei vielen Geräten anderer Hersteller geht das auch. Windows bietet diese Funktion ebenfalls seit einiger Zeit, doch tatsächlich braucht man sie allenfalls im Tablet-Modus. Sobald das Surface im Desktop-Modus arbeitet, ist es ein ganz normaler PC und bietet dank der Programm- und Browserfenster,Taskleiste und Shortcuts viel mehr Multitasking als jedes herkömmliche Tablet. Tatsächlich muss ich mir um solche Dinge gar keine Gedanken machen. Warum ich jetzt trotzdem darüber schreibe? Weil es ein wichtiger Punkt ist, den das Surface Pro 4 anderen Geräten voraus hat.

Fotos_SurfaceTest-6
Multitasking stellt das Surface nicht wirklich vor eine Herausforderung. Es ist eben ein PC.

Die Cloud hilft

Über das Anschließen externer Festplatten habe ich schon geschrieben. Was tatsächlich hilft, ist die Tatsache, dass ein Großteil meiner Arbeit bereits cloudbasiert funktioniert. Viele Dokumente muss ich daher nicht auf dem Rechner speichern, auf dem ich arbeite. Für Geräte wie das Surface Pro 4, die ohne große Festplatte daherkommen, ist das ein Segen. Mir ist klar, dass das nicht an jedem Arbeitsplatz und auch bei mir nicht an jedem Tag so funktioniert. Trotzdem lässt sich das Fazit ziehen, dass mobile Geräte wie das Surface definitiv vom Cloud-Trend profitieren.

Fazit: Ja, es ist ein Arbeitsgerät

17:30 Uhr und der Arbeitstag geht für mich pünktlich zu Ende. Allein das sagt schon viel aus. Mehr Zeit als sonst habe ich mit dem Surface Pro 4 nämlich nicht vertrödelt. Das Arbeitstempo mit dem kleinen Convertible ist erstaunlich gut – viel besser als gedacht. Bis auf den kleineren Bildschirm gab es quasi keinen Unterschied zur Arbeit an einem großen PC. Dank Windows 10 musste ich auf keines meiner liebgewonnenen Programme verzichten und wenn ich möchte, kann ich das Device sogar als Tablet mit mir herumtragen. Lediglich das Anschließen mehrere USB-Geräte gleichzeitig war nicht möglich, weil mir ein entsprechender Hub fehlte.

Alles in allem bekommt das Surface Pro 4 als Arbeitsgerät von mir aber beide Daumen nach oben. Es hat mich ehrlich überrascht, wie gut ich mit dem Gerät arbeiten konnte. Ich kann mir daher gut vorstellen, dass solche Rechner in Zukunft noch viel öfter an verschiedensten Arbeitsplätzen zu finden sein werden – auch weil andere Hersteller wie Lenovo, Toshiba, Acer und Co. das Konzept aufgreifen und eigene Geräte mit zum Teil attraktiveren Preisen auf den Markt bringen.