iOS-Entwickler packt aus: So spioniert die Games-Industrie

In den App-Stores stehen kostenlose Spiele ganz oben. Mit diesen Titeln sammeln die Hersteller massiv Daten. In den App-Stores stehen kostenlose Spiele ganz oben. Mit diesen Titeln sammeln die Hersteller massiv Daten. (© 2014 picture alliance / HOCH ZWEI)

Kostenlose Smartphone-Games – ob für iOS oder Android – dienen vor allem dazu, Daten über die Nutzer zu sammeln, um daraus später ein lukratives Geschäft machen zu können. Dies hat jetzt ein iOS-Entwickler ganz offen zugegeben.

Unter der beunruhigenden Überschrift "Ihr gehört uns" hat ein natürlich anonymer iOS-Entwickler jetzt auf der Webseite TouchArcade aus dem Nähkästchen geplaudert. Wichtigster Punkt: Die kostenlosen Spiele auch großer Hersteller dienen nicht dazu, die Zocker glücklich zu machen, sondern dazu Daten zu sammeln. Und das auf eine Weise, die weitaus aggressiver und umfangreicher ist, als etwa per Spyware in den 90ern. Das alles diene dem Ziel, Verkäufe innerhalb der Apps so weit wie möglich zu steigern.

iOS-Entwickler: Bei In-App-Käufen möglichst viel ausgeben

Bei kostenlosen Spielen geht es auch darum, diese so zu gestalten, dass die Spieler per In-App-Kauf möglichst viel Geld ausgeben. Die Hersteller gehen aber noch weiter: Die Unternehmen sind in der Lage, einzelne Spieler sehr gezielt erkennen zu können. "Wir und unsere Partner wissen alles über Dich. Wir wissen, wo Du lebst und wie viel Du verdienst. Wir wissen alles über Deine Beziehungen, Deine Lieblingsmannschaften und Deine politischen Ansichten. Wir wissen wo und wann du arbeitest. Wir können speziell für Dich Events starten, wenn wir wissen, dass Du ein langes Wochenende hast. Du gehörst uns", so der iOS-Fachmann.

Um diese Daten sammeln und auswerten zu können, bauen die Programmierer Analyse-Tools in die Spiele ein, die nahezu alles aufzeichnen, was im Game passiert. Selbst wie oft man geschossen hat und wie viele Meter man gelaufen ist. Aber vor allem geht es um Daten, wie die Spieler dazu bewegt werden können, mehr und mehr In-App-Käufe zu machen. Und mit Facebook wurde das Sammeln von Daten laut iOS-Entwickler noch perfekter: "Man kann heute nicht mehr so viele Informationen wie früher aus Facebook über die Spieler bekommen, aber es ist immer noch viel. Wir sammeln über einen Zocker so viele Infos wie es geht – und dank Facebook haben wir tonnenweise Daten", so das schonungslose Geständnis. Und auch mit dem neuen iOS 9 wird das nicht viel anders sein. Microsoft beispielsweise hat das Update auf Windows 10 auch dazu genutzt, sein Betriebssystem in eine Datenkrake zu verwandeln. Immerhin lässt sich die Windows-Schnüffelei zum Teil abschalten.

Daten werden von speziellen Abteilungen ausgewertet

Die gesammelten Daten-Massen werden von eigens dafür geschaffenen Abteilungen in den Firmen ausgewertet. Bei manchen Spielen werden dafür 20 GB an Spielerdaten pro Tag gesammelt und ausgewertet. Andere Hersteller kommen auch auf bis zu 300 GB – an einem einzigen Tag. Dazu kommen noch bis zu 30 verschiedene Anbieter, deren Anwendungen in ein Spiel eingebaut werden – und die dann ebenfalls fleißig Daten ernten. Natürlich sind diese Anbieter größtenteils miteinander vernetzt, so dass sich die gesammelten Informationen leicht kombinieren und Profile erstellen lassen.