SNES wiederentdeckt: 5 Gründe, warum es noch immer cool ist

Das SNES erschien im August 1992 in Deutschland. Das SNES erschien im August 1992 in Deutschland. (© 2015 Public Domain)

Vor rund zwei Wochen habe ich bei meinen Eltern die SNES-Konsole wiederentdeckt – nach fast zwölf Jahren. Genau zum richtigen Zeitpunkt: In Japan feiert die Nintendo-Box derzeit ihr 25-jähriges Jubiläum. Einmal angestöpselt, ist sie auch sofort wieder da: die Begeisterung für die Retro-Spiele. Grund genug für mich, meine fünf Gründe niederzuschreiben, warum das SNES mich heute noch so wahnsinnig begeistern kann.

1. Viel Spielspaß trotz geringer Spieldauer

Wohl niemand kann abstreiten: Auf dem SNES gibt es verdammt großartige Spiele. Insbesondere von den Rollenspielen genießen heute viele einen regelrechten Kultstatus. Zum Beispiel "Secret of Mana" (1993) mit dem Helden-Trio bestehend aus Junge, Mädchen und Koboldmädchen, die das Imperium daran hindern müssen, die geheimnisvolle Manafestung zu reaktivieren. Oder "Terranigma" (1995), in dem der jugendliche Held Ark nach einem Fauxpas alles Leben auf der Erde auslöscht und anschließend durch die Welt reist, um Pflanzen, Tiere und Menschen zurückzuholen.

Ganz legendär für mich: das Cyperpunk-Rollenspiel "Shadowrun" (1993). Mit seiner düsteren Spielwelt, der tollen Musik und den umfangreichen Dialogen auf Stichwortbasis hat mich wohl kein Konsolenspiel so begeistert. Gut, vielleicht abgesehen von dem Rennspielklassiker "Super Mario Kart" (1992) – übrigens: Bowser ftw.

Allerdings habe ich in den letzten zwei Wochen Dauerzocken auch wieder gemerkt: Manche Spiele verklärt man über die Jahre doch stark. So habe ich nach dem Starten des Rollenspiels "Mystic Quest Legend" (1992) gerade einen Spielstand entdeckt, mit dem ich damals schon nach acht Stunden und 32 Minuten den Abspann gesehen habe – und das ohne beigefügten Spieleberater. Auch "Shadowrun" habe ich gerade erst in etwa zwölf Stunden durchgespielt, "Jurassic Park" (1993) in drei Stunden. Man bedenke: Die Spiele standen damals neu für 139 DM in den Regalen, was heute mehr als 70 Euro wären.

2. Verdammt bin ich alt: Wenn die Nostalgie zurückkehrt

Zocken auf der SNES - lange ist es her.
Zocken auf dem SNES – lange ist es her. (© 2015 Benjamin Bockholdt)

Auch wenn viele SNES-Spiele heute noch spielenswert sind, selbst wenn man nicht mit ihnen aufgewachsen ist: Bei mir mit Baujahr 1985 kommen wahnsinnig viele Erinnerungen zurück. Nach wenigen Momenten hat man die Steuerung wieder verinnerlicht oder es fallen die einen oder anderen Geheimräume und Kniffe wieder ein, die man sich damals eingeprägt hatte. Oder man erinnert sich an besonders frustrierende Momente oder Erfolgserlebnisse. Selbstverständlich hat auch das ganze Design der Konsole seinen Charme – etwa das laute Klacken der Power-Taste oder das Geräusch, das beim mechanischen Auswerfen der Kassetten ertönt.

Und wie umständlich es doch war, in Zeiten ohne Internet bei Problemen im Spielverlauf weiterzukommen. Nur wenige Spiele besaßen einen beigefügten Spieleberater als Komplettlösung (heute zu Höchstpreisen gehandelt), zudem gab es kostenpflichtige Hotlines und Magazine in Kiosks mit Tipps, Passwörtern und Tricks. Doch ein Eintippen von Cheats, wenn man wirklich gar nicht weiterkam? Fehlanzeige – zumindest bei vielen Spielen. Dafür war ein eigenes Modul namens Action Replay erforderlich, das zwischen Spielmodul und Konsole gesteckt werden musste.

Was hat man damals doch während der Schulpausen vor Freunden mit Erfolgen geprahlt, sich Tipps gegeben oder gemeinsam von neuen Spiele geschwärmt – da fällt einem doch erst jetzt wieder ein, in welchem Alter man die Games einst gezockt hat. Und man nach Schulschluss doch wahnsinnig viel Zeit hatte, auch wenn zumindest die Eltern dann doch darauf achteten, dass man täglich nicht länger als ein oder zwei Stunden vor der Mattscheibe saß.

3. Schwierigkeitsgrad für Gelegenheitszocker: Ist das euer Ernst?

Natürlich kamen einem vor 20 Jahren viele Spiele auf dem SNES  schwer vor – kein Wunder, wenn man erst acht oder neun Jahre alt war und seine ersten Gaming-Versuche bestritt. Aber auch mit heutiger Erfahrung als Zocker sind die Spiele doch zum Teil noch bockschwer, sofern man sie nicht gerade auf leicht spielt. Eines der vielleicht besten Beispiele: "Super Probotector - The Alien Rebels" (1992), das heute zu den härtesten SNES-Spielen aller Zeiten gezählt wird. Oder auch "Super Stars Wars" (mit haufenweise Gegnern, die es niemals in den Filmen gab) und das optisch damals imposante "Jurassic Park". Oftmals bedeutete schon ein falscher Schritt oder Sprung den Tod, und schon war eines der wenigen Leben verbraucht.

"Jurassic Park" war übrigens in erster Linie nicht aufgrund der Kämpfe oder Rätsel schwer. Vielmehr wurde man damals mitten ins Spiel geworfen, ohne dass einem gesagt wurde, was man eigentlich zu tun hat. Und das zu einer Zeit, wo es bei vielen Spielen keine Speicherfunktion oder Level-Passwörter gab und zumindest ich die Konsole das eine oder andere Mal über Nacht habe laufen lassen. Hohes Frustpotenzial also, aber wer den Dreh raus hat, spielt das Game in weniger als zwei bis drei Stunden durch.

4. Kult-Controller für Kult-Games

Nicht nur bei der Grafik hatte Nintendo damals mit dem SNES einen Schritt nach vorne getan – auch der Controller war nun deutlich ergonomischer als der des Vorgängers NES. War der noch ein sperriges, unpraktisches Rechteck, erhielt der SNES-Controller ein abgerundetes Design, das auch heute noch nach ein paar Stunden ganz gut in den Händen liegt. Und im Vergleich zu modernen Controllern war die Zahl der Tasten und die Belegung mit Befehlen auch sehr überschaubar: Steuerkreuz, vier Buttons, zwei Tasten an den Schultern plus Start und Select – mehr brauchte es nicht. Da sind heutige Bedienelemente zum Teil komplexer, auch weil die Spiele nun mehr Dimensionen haben. Für mich etwa ist ein Shooter auf der Konsole bis heute undenkbar – da bin ich über die Jahre einfach doch zu sehr zum PC-Gamer geworden.

5. Das Couch-Gefühl ist einfach unschlagbar

Eine der ganz großen Stärken des SNES gegenüber einem Gaming-PC ist aber: Wie schön ist es doch, sich gemütlich auf die Couch zu fläzen und eine Stunde vor sich hin zu daddeln? Wobei zumindest ich mich als Kind dann doch lieber mit einem Kissen auf dem Boden näher an den Röhrenfernseher gesetzt hatte. Natürlich muss ich hier auch anderen Konsolen zugestehen, dass auch sie ganz bequem vom Sofa aus genutzt werden können. Für mich aber war das SNES einfach die prägendste Konsole aller Zeiten.

Damit einher geht auch, dass ich bis heute lieber mal die Konsole aus dem Schrank hervorhole, als einen Emulator für den PC zu nutzen. Gerade bei Konsolenspielen möchte ich auf der Couch sitzen und das Retro-Gefühl auf dem großen Bildschirm genießen. Das spricht für mich ganz klar gegen Emulatoren, auch wenn die natürlich praktisch sind. Aber sie lassen doch etwas an Charme verlieren – trotz Gamepads für den PC oder einer Verbindung mit dem Fernseher.

Wie sieht es mit euren Erfahrungen aus: Habt ihr noch ein NES oder ein SNES im Schrank oder im Keller stehen? Oder zählt ihr zur Fraktion mit Sega Mega Drive? Und packt euch nicht die Lust, wieder den einen oder anderen Klassiker auszupacken? Auch Alex und Jens haben kürzlich ihre alten Konsolen hervorgekramt und ein sehenswertes Video hochgeladen.