TURN ON Innovation: Cannybots – Autorennen zum Selberbasteln

Das Kickstarter-Projekt Cannybots will kleine Roboterautos entwickeln, mit denen man nicht nur Rennen fahren, sondern Spaß bei allerlei lustigen Familienspielen haben kann. Die kleinen Flitzer werden per App und Bluetooth gesteuert – und können vom Käufer selber zusammengebaut werden.

Wer früher eine Carrera-Bahn hatte, war wenigstens bei den männlichen Klassenkameraden schon ein Star. Bevor es Computer und Videospiele gab, versammelte sich die Jugend gerne mit den Plastiksteuergeräten um das Autorennen auf Schienen. Ich muss zugeben, dass ich nur eine Billigkopie der Rennbahn hatte – gewonnen bei meiner einzigen freien Auswahl an der Losbude auf dem Rummel. Da war ich zehn.

Kickstarter Cannybots
Mit den bunt blinkenden Cannybots lassen sich Rennen fahren. (© 2015 Cannybot)

Spielzeug von früher wird neu erfunden

Heute wird das ganze Spielzeug von früher neu fürs Internet und Apps  erfunden – und jetzt ist das Rennen mit kleinen, bunten Elektroautos dran. Die Cannybots suchen – und finden – auf Kickstarter nach Geldgebern. Und die Renner sind schon ganz schön schnell. Mit den mitgelieferten Standard-Triebwerken schaffen die Flitzer eine Geschwindigkeit von bis zu 1,2 Metern pro Sekunde – also über 4 Stundenkilometer, was für so ein kleines Gefährt eine ganze Menge ist. Man kann aber auf Hochgeschwindigkeitsmotoren aufrüsten, die dann locker den doppelten Speed aufs Parkett bringen: 2,4 Meter pro Sekunde.

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Die Cannybots sind für ihre Größe ganz schön flink. (© 2015 Cannybot)

Bei allem Temporausch sind die kleinen Rennboliden durchaus auch noch wendig. Denn der Cannybot hat separat angetriebene Räder, die das kleine Gefährt besonders agil machen. Drehungen im Stand und beim Fahren sind kein Problem. Witzig finde ich die Idee, dass man selber ganz einfach Rennstrecken auf den Fußboden kleben kann. Denn die Cannybots sind mit ihren optischen Sensoren in der Lage, einem schwarzen Streifen zu folgen. Das kann etwa ein Streifen aus Isolierband sein, den man aufs Parkett klebt, um eine Rennstrecke zu konstruieren. Zusätzlich gibt es einen weiteren Sensor, der Farben auf dem Boden erkennen kann. Damit lassen sich verschiedene Aktionen auslösen und steuern, etwa das Ziel einer Rennstrecke per Farbe festlegen.

Cannybots funken per Bluetooth

Gesteuert werden die Renner per Bluetooth LE, sodass zum Lenken viele verschiedene Geräte verwendet werden können – selbst von einer Pebble Watch wird die Bedienung der Autos möglich sein. Und es wird tatsächlich sogar eine App dafür entwickelt. Damit der ganze Spaß nicht allzuschnell vorbei ist, spendieren die Cannybots-Macher dem Auto einen Akku, der immerhin über eine Stunde Rennen durchhalten soll. Jedenfalls mit dem kleineren Motor. Und das Auto beherrscht etwas, wovon die Ingenieure von Apple und Google – und die von Mercedes sowieso – immer noch träumen: autonomes Fahren.  Per Gyro-Sensor und Beschleunigungsmesser können die Wagen sowohl die Richtung als auch die gefahrene Strecke bestimmen.

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Sensoren an der Unterseite sorgen für die richtige Richtung. (© 2015 Cannybot)

Um auch was für's Auge bieten zu können, hat jeder Cannybot ein sogenanntes "Mood Light". Der Fahrer kann die Farbe je nach Stimmung festlegen. Ohnehin lassen sich noch jede Menge mehr Aktionen programmieren. Die Cannybots beherrschen diverse Computersprachen, mit denen Programmierkundige allerlei Aktionen und Spiele selber kreieren können. Aber nicht nur Profis können selbst Programme schreiben, auch für Kinder wird es eine einfache Oberfläche geben, mit der sie den Cannybot programmieren können. Und den weiteren Gestaltungsmöglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Denn wer einen 3D-Drucker hat, kann sich andere Chassis-Modelle oder Tuning-Teile ausdrucken.

Steuerung der Flitzer per Joystick-App

Wer mit dem Cannybot spielen will, kann dazu die Joystick-App benutzen und einfach in der Gegend herumfahren. Dazu gibt es die Rennvarianten "Rund um die Acht", "NASCAR" und "Drag-Rennen". In der App werden Rundenzeiten und -zahlen festgehalten. Oder man duelliert sich mit den Cannybots, wie japanische Sumo-Ringer das tun. Wer sich selber Rennstrecken basteln will, macht das wie erwähnt mit schwarzem Klebeband. Da ist es möglich, auch Sprünge und Steigungen einzubauen, und ein weißer Strich auf dem Band aktiviert die Zeitnahme. Wer seinem Fußboden keine kleben will, der kann auch aus dem Internet Strecken herunterladen, ausdrucken und dann die einzelnen Bögen zusammenkleben. Oder man bestellt sich besonders große Strecken als Extra-Zubehör.

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Ein Cannybot wird als Bausatz geliefert. (© 2015 Cannybot)
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Man kann die Wagen mit diversen Aufklebern verschönern ... (© 2015 Cannybot)
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... oder sich ein eigenes Chassis am 3D-Printer ausdrucken. (© 2015 Cannybot)
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Wer will, kann auch einfache Programme per App entwickeln, um die ... (© 2015 Cannybot)
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... Beleuchtung der Autos zu regeln, was ... (© 2015 Cannybot)
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... tolle Effekte ergeben kann. (© 2015 Cannybot)

Besonders gut und spannend finde ich neben den ganzen technischen Möglichkeiten, dass die Cannybots eine Kombination aus modernster Technik und sozialem Spielvergnügen darstellen. Da kommen Technikfreaks ebenso auf ihre Kosten wie Kinder, die einfach nur mit einem fernsteuerbaren Auto spielen wollen. Für Familien ideal, denn man verliert sich beim gemeinsamen Spielen nicht aus den Augen und kann zusammen Spaß haben. Und das Spielzeug fördert dank der vielen Möglichkeiten, es selbst zu gestalten, umzubauen, Strecken zu erschaffen, auch die Kreativität – mit jeder Menge technischem Hintergrund.

Günstige Cannybots sind schon ausverkauft

Dass es die Autos tatsächlich geben wird, steht übrigens schon fest: Es sind zwar noch 41 Tage bis zum Ende der Finanzierungs-Kampagne, aber die geforderten 40.000 US-Dollar konnten weit übertroffen werden. 289 Unterstützer haben über 104.000 Dollar in die Kassen gespült. Das Team um die drei Gründer der Cannybot-Firma Anish Mampetta, Wayne Keenan und Sayit Pavithrasagar kann demzufolge mit der Entwicklung richtig durchstarten. Wer noch mitmachen will, bekommt für 89 Dollar einen und für 178 Dollar zwei Cannybots. Die günstigeren Angebote sind schon alle weg. Hätte ich kleine Kinder, würde ich sofort zuschlagen – auch jetzt noch.