TURN ON Innovation: Mit SteadXP keine Wackel-Filme mehr

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Selbstgedrehte Videos per Action-Cam oder einfach mit der Digitalkamera sind in Mode – keine Frage. Aber ein bislang noch ungelöstes Problem ist, dass die Streifen meist wie Wackelpudding rüberkommen. Für die Bildstabilisierung gibt's jetzt eine clevere Lösung auf Kickstarter.

Das Projekt SteadXP bietet seine Bildstabilisierung praktisch für jede Art von Kamera an: Egal ob es sich um eine dicke Spiegelreflex handelt oder um eine kleine Action-Cam wie die GoPro und selbst mit vielen normalen Digitalkameras funktioniert die Sache laut den Erfindern ziemlich gut. Es wird aber in jedem Fall zwei Versionen geben, eine für die GoPro und eine andere für alle anderen Kameras.

Bildstabilisierung durch kleinen Kasten und Nachbearbeitung

Kern der Erfindung ist ein kleiner Kasten, den ich hinten an die Action-Cam stecke oder auf den Blitzschuh meiner Kamera schiebe. Dieser Kasten zeichnet nun sehr exakt die Bewegungen auf, die ich beim Filmen mache – also ob mir die Hände zittern oder auch waghalsige Kamerafahrten. In einer Nachbearbeitung werden dann meine hektischen Bewegungen und der Film neu miteinander berechnet und ausgeglichen, wodurch sich wesentlich weichere Kamerabewegungen ergeben. Die Beispielvideos, die die Erfinder zeigen, belegen recht eindrucksvoll, was da möglich ist. Die Behauptung jedenfalls, dass eine neue Ära der Video-Stabilisierung startet, halte ich nicht für völlig übertrieben.

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Nur ein kleiner Kasten: Das Gerät wiegt nur 34 Gramm – in der GoPro-Version.

Die Erfinder aus Frankreich geben schließlich auch an, jahrelang mit verschiedenen Stabilisierungs-Technologien experimentiert zu haben. Und nachdem alles nicht cool genug aussah, beschlossen die Tüftler, den völlig neuen und eigenen Ansatz auszuknobeln. Mit SteadXP gibt's eine 3-Achsen-Stabilisierung, die im Gegensatz zu SteadyCam-Gestellen leicht und unsperrig ist und auch noch sehr einfach zu benutzen sein soll. In dem Gerät sind, wie in einem Smartphone auch, ein Beschleunigungsmesser und ein Gyroskop eingebaut, womit die Kamerabewegungen beim Filmen exakt aufgezeichnet werden. Wenn man seinen Film beendet hat, schließt man SteadXP einfach an den Computer an und kann sich in Ruhe ansehen, wie das Gerät die Aufnahmen entwackelt. Die Hersteller versprechen selbstbewusst, dass auf diesem Weg jede aus dem Handgelenk geschossene Aufnahme sich in ein Kino-Erlebnis verwandeln lässt – zumindest was den Wackelfaktor betrifft.

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Wasserdichte Sache: Sogar in das Unterwassergehäuse passt der Bildstabilisator. (© 2015 SteadXP)

Vorteil: Kamera braucht zur Bildstabilisierung kein Gestell

Der große Vorteil dieser Idee ist es, dass man seine Kamera nicht in schwere und sperrige Rahmen einspannen muss, um entspannt und wackelfrei filmen zu können. Man kann auch besonders abgefahrene Kamerabewegungen machen und später entscheiden, wie stark diese dann abgefedert werden. Das Abfedern passiert durch eine mitgelieferte Nachbearbeitungs-Software, die auch das Hochladen, Auspacken und Anwenden der Wackel-Daten übernimmt, die das Gerät aufgezeichnet hat. Die Software kann in nur wenigen Sekunden entscheiden und Vorschläge machen, wie die Neuberechnung möglichst sinnvoll angewendet werden soll. Dafür stehen je nach Wunsch verschiedene Profile zur Verfügung, mit denen unterschiedliche Styles realisiert werden können. Es sollen sich aber auch eigene Profile, je nach Bewegungsmuster, erstellen lassen.

Aber die Software soll nicht alleine Filme stabilisieren können, sondern bringt auch zusätzliche optische Effekte wie das Einfrieren des Horizonts und ein Neuberechnen des Films mit. Dabei soll es nicht Mal nötig sein, dass man zunächst einen Testfilm macht. Dadurch wird die Rechenzeit, die man für gute Filme braucht, sehr reduziert. Die Erfinder sagen, dass grundsätzlich selbst die Berechnung von 4K-Videos in Echtzeit klappt. Diese Option könnte ein Zusatzziel der Finanzierungs-Kampagne sein.

SteadXP: Geräte sind federleicht

Das Gerät für die GoPro – "SteadXP@" –  wiegt nur 34 Gramm und bekommt Strom aus dem Kamera-Akku. Es wird mit einem 32-Bit-Prozessor betrieben, hat ein Gyroskop und einen Beschleunigungssensor sowie einen Slot für eine SD-Karte und einen USB-Anschluss. Und: Es passt sogar in das Unterwassergehäuse der GoPro. Die andere Variante – "SteadXP+" ist genauso ausgestattet, wiegt aber etwa 60 Gramm, auch wegen des Montagesockels für den Blitzschuh und der Stromversorgung.

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Statt Blitz: Bei anderen Kameras ist die Montage denkbar einfach. (© 2015 SteadXP)

Die Kickstarter-Gemeinde scheint von der Idee ziemlich angetan zu sein: 23 Tage vor dem Ende der Finanzierung sind statt der nötigen 150.000 Euro schon knapp 280.000 zusammengekommen – also mehr als reichlich. Die einfachsten und billigsten Prämien, eben die SteadXP-Geräte, sind auch alle schon vergriffen, sodass man nun für die GoPro-Variante 170 Euro anlegen muss und für das Universal-Gerät 180. Wenn die Geldgeber noch die 350.000 Euro knacken, dann programmieren die französischen Erfinder Adrien Farrugia, Stan Borkowski und Mathias Lopez aus Grenoble auch noch eine Funktion, mit der sich einzelne Objekte zielgerichtet verfolgen lassen.

Bildstabilisierung auch für 360-Grad-Videos

Was auch spannend ist: Bei 360-Grad-Videos sind stabile Bilder ebenfalls ziemlich wichtig. Auch für diese Filme bietet sich die Lösung an, denn normale Stabilisierungs-Methoden funktionieren bislang hier noch nicht.

Mein Fazit: SteadXP ist ein hochspannendes Gerät für jeden, der gerne Videos dreht – auch wenn es nur die vom Urlaub oder Kindergeburtstag sind. Denn die Filme sehen mit einer professionellen Bildstabilisierung einfach besser aus. Jede Wette, dass große Hersteller den spannenden und innovativen Ansatz der französischen Tüftler bald in ihre Geräte fest einbauen.