TURN ON Talk: Schluss mit dem 3D-Wahn!

Alex meldet sich alle zwei Wochen mit seiner Kolumne zu Wort. Alex meldet sich alle zwei Wochen mit seiner Kolumne zu Wort. (© 2015 TURN ON)

Mal ehrlich, wozu brauchen wir 3D? 3D im Kino, 3D zu Hause, 3D am Handy und 3D zum Ausdrucken. Selbst der neueste "Star Wars" lief für die Presse und zur Premiere ohne mit der Wimper zu zucken in 3D. Außer in Provinzkinos. Sonst eben: einfach zu teuer.

Erinnert ihr euch noch an die Zeit, in der ausnahmslos jeder Hersteller und jeder Händler dieser Welt jeden noch so kleinen auch nur ansatzweise 3D-fähigen Mist mit riesigen 3D Stickern beklebt
hat? Ja, richtig, das war die Zeit NACH riesigen HD(-Ready) und VOR gigantischen 4K(/UHD) Stickern. Ganz egal, ob es der Kunde versteht, braucht oder ob es überhaupt gut funktioniert.

Was hat es uns gebracht? Nichts. Wo sind wir mit 3D inzwischen angekommen? Nirgends. Ein Drittel der Menschen können 3D gar nicht vernünftig sehen, ein weiteres Drittel hat keine Lust
darauf und das letzte Drittel fand das auch nur 24 Stunden cool. Es soll eine Dunkelziffer geben, die 3D absolut fantastisch und sinnvoll findet. Das sind aber auch genau die, die auf Facebook mit
lustigen Profilbild-Overlays ihr Beileid bei Anschlägen bekunden oder per Pinnwand-Post gegen die schon wieder aktualisierten AGBs des Unternehmens protestieren. Einfach zu begeisternde
beziehungsweise zu manipulierende Tunneldenker.

Trotz 3D kein Mut zu Experimenten

Wo ist die Zeit, in der mit 3D etwas probiert wurde? Ich erinnere mich noch genau, mein erster 3D Film im Kino war "My Bloody Valentine". Cheesy Horror, aber visuell eine Granate. Wie hier Körperteile, Folterinstrumente und Flüssigkeiten durch das Bild und somit durch den Zuschauersaal flogen, war reinste Kunst. Und jetzt, über fünf Jahre später, sitze ich in einem modernisierten Multiplex-Kino und schaue mir zum zweiten Mal den siebten "Star Wars"-Streifen an und denke mir: Wozu sitzt diese nervige 3D-Brille auf der Nase, die (immer noch) das Bild unnötig verschlimmbessert?

Schwammiges Bild, Bildüberlagerungen, im Gehirn unkoordinierbares Bild bei schnellen Bewegungen ... und dann "begeistert" mich der Film mit nur einem einzigen 3D-Effekt: ein fünf Sekunden lang stehendes Bild eines Sternenkreuzers. Mitten im Weltraum, nichts tut sich. Wow. Da zahl ich natürlich gerne fast 20 Euro für ein Kinoticket...

Und dann wundern sich Verleiher und Kinobetreiber, warum die generellen Besucherzahlen in Kinos schwanken beziehungsweise stagnieren. Mein Tipp: Popcorn-Cola für 5 statt 17,50 Euro, Filme ohne Schnickschnack für 5 bis 8 Euro statt 20 Euro für sinnlos beigemüllte Extras wie 3D. Kino heißt nicht, Erlebnisse künstlich herbeizaubern wollen, da der Film selbst nicht begeistern kann, sondern den Zuschauer in den Bann des Fiktiven ziehen, den jeder Film innehat ... außer Produktionen von und mit reinrassigen YouTubern, das sind nur Werbefilme über Personenkulte.

Alex und Jens sind nicht nur auf YouTube für TURN ON aktiv und testen dort die neuesten Produkte. Die beiden kommentieren hier wöchentlich auch schriftlich aktuelle Entwicklungen, Produkte oder Trends aus der Tech-Welt.