TURN ON Talk: Unsere Auto-Industrie verschläft Connected Car

Alex meldet sich alle zwei Wochen mit seiner Kolumne zu Wort. Alex meldet sich alle zwei Wochen mit seiner Kolumne zu Wort. (© 2015 TURN ON)

Mal ehrlich. Ich als ach so hochgelobter, traditioneller, deutscher Autobauer würde mich grün und blau ärgern, dass Tesla (witzigerweise Tochterfirma von Mercedes-Benz) momentan mit den Model S-Autos einen technologischen Meilenstein nach dem anderen raushaut.

Welche das sein sollen? Digitales Cockpit, Hochleistungsakkus, elektrische Hochleistungsmotoren, Desktop-PC Ausstattung und Performance und regelmäßige Over-The-Air-Update-Funktion, die jüngst der Tesla-Flotte den sogenannten Autopiloten beschert hat.

Und was machen wir bei uns in Deutschland? Wir versuchen kaputte Unternehmen zu retten (Opel), schummeln uns ineffiziente und dreckschleudernde Motoren schön (VW) oder bauen teure Elektroautos, die so hässlich wie die Kandidaten bei "Schwiegertochter gesucht" sind (BMW) ... oder machen einfach gar nichts "Neuartiges" (Mercedes).

Deutsche Elektroauto-Projekte sind eher halbherzig

Selbst Apples Car Play ist immer noch nicht vernünftig in deutschen Autos verfügbar. Skandinavische oder fernöstliche Konkurrenz ist da bereits viel weiter. Okay, na gut. Es gibt Bestrebungen mancher Autohersteller der Öl-Lobby die Stirn zu bieten (oder auch nur zum Schein für die potenziellen Kunden). Volkswagen probiert sich an teuren Elektroautos, die es im Vergleich mit einer Akkuladung von der Haustür bis zum Bäcker um die Ecke schaffen. Die TU Braunschweig testet eher weniger zuverlässige, selbstfahrende Elektro-Autos unter dem Projektnamen "Stadtpilot". Die Idee ist in etwa: Eine selbstfahrende Siri, die aber mehr als gern herumzickt und Verkehrsregeln missachtet. Die Vorstellung liegt meiner Meinung nach irgendwo zwischen lustig und gefährlich. Und Tesla?

Nun, mit deren Autos kann man – durch ein clever angelegtes Netz an hauseigenen (Schnell-)Ladestationen – inzwischen quer durch Europa fahren und hat auch noch einen funktionierenden Autopiloten mit multimedialer Komplettausstattung mit an Bord, gepaart mit schickem Design und regelmäßigem Service. Das klingt ja fast wie ein Apple ähnliches Ökosystem, oder? Ja, gar nicht so falsch.

Sind deutsche Autobauer ZU traditionell?

Also, was ist passiert? Sind wir Deutschen SO sturköpfig traditionell, dass wir auf Teufel komm raus keine zumindest ansatzweise umweltschonenden Benzin- bzw. Dieselalternativen ins Programm nehmen wollen oder können? Hat die Öl-Lobby etwa SO VIEL oder ZU VIEL Mitspracherecht? Egal wie lange ich recherchiere, ich komme auf keine schlüssige Antwort. Selbst das Argument der "unsauberen Elektromotorproduktion" greift nicht mehr, da durch neue Herstellungsverfahren die effektive CO2-Emission pro Auto gegenüber einem klassischen Brennstoffmotor um bis zu 50 Prozent geringer ausfällt.

Hätte ich Möglichkeiten oder das entsprechende Geld, säße mein Hintern schon längst in einem Tesla. Der Umwelt zuliebe. Doch, wenn die Kollegen in jetziger Form bisher alleine an der Front der automobilen Neuausrichtung kämpfen, ist es nur logisch, dass aufgrund der fehlenden Konkurrenz – bei oben genannter Ausstattung – keine lebendigen Wettbewerbskämpfe stattfinden können.

Aber vielleicht soll es auch so sein, da sonst selbst beim Thema "Nachhaltiger Umweltschutz" irgendwann ein abstruses Geschäft mit dubiosen Ramsch-Elektroautos stattfindet, deren Qualität nicht sichergestellt werden kann und im Endeffekt mehr Schaden an Mensch und Umwelt anrichten, als eigentlich beseitigt werden soll.