WhatsApp blockiert Links zur Konkurrenz-App Telegram

WhatsApp blockiert Links zu einem Konkurrenten. WhatsApp blockiert Links zu einem Konkurrenten. (© 2015 TURN ON)

Das populäre Chat-Programm WhatsApp blockiert anscheinend zumindest unter Android Links zum wesentlich kleineren Konkurrenten Telegram. Nutzer haben jetzt bemerkt, dass WhatsApp die Adressen zu Telegram.me zwar zeigt, diese aber nicht in anklickbare Links verwandelt.

Die Links zu Telegram sind in der Android-Version von WhatsApp nicht nur keine Hyper-Links, Nutzer können entsprechende Adressen auch nicht in andere Apps kopieren. Faktisch behandelt damit der Kommunikationsriese WhatsApp mit weltweit etwa eine Milliarde Nutzern einen kleineren Konkurrenten, als ob dieser schädliche Malware oder unerwünschte Werbung sei. Das Verhalten wurde nicht auf jedem Android-Gerät beobachtet, wenn es aber auftrat, war der seltsame Effekt durchgängig vorhanden, berichtet The Verge und beruft sich dabei auf Beiträge im Reddit-Forum. Auf den betroffenen Geräten wurden sowohl die Namen der Nutzer wie auch Links zu individuellen Nachrichten und Chat-Räume blockiert. Bei der iOS-Version von WhatsApp konnte die Link-Blockierung im kurzen TURN ON-Check nicht festgestellt werden.

Telegram bestätigt die Blockade von Links durch WhatsApp

Der kleine Chat-Anbieter Telegram bestätigte die seltsamen Phänomene, die anscheinend mit einem unbemerkten Update begannen. Die letzte Versionsnummer von WhatsApp 2.12.367 wurde einfach erneut ausgeliefert, erklärte ein Nutzer, hat aber offenbar noch nicht jede Installation auf jedem Smartphone erreicht. Betroffen durch die Maßnahme ist auch die Adresse telegram.com einer völlig unbeteiligten Zeitung im US-Bundesstaat Massachusetts.

Derartige Blockaden sind für den WhatsApp-Eigentümer Facebook durchaus typisch – aber auch sehr umstritten. So hatte Facebook bereits 2010 Links zur Raubkopier-Plattform Pirate Bay in seinem Messenger nicht zugelassen, ebenso wie jede Erwähnung des sozialen Netzwerks Tsu.com, das jedem Nutzer für Postings einen Anteil der Gewinne auszahlt. Doch bei WhatsApp ist die jetzige Sperre die erste derartige Aktion.

Es bleibt jetzt abzuwarten, ob die Aktion eher ein Versehen war oder ein Versuch, die Konkurrenz klein zu halten. Telegram sieht die Sache gelassen: "Nach einem entsprechenden Medienecho ruderte Facebook zurück und macht das intelligente Filtersystem für das Problem verantwortlich", erklärt ein Firmensprecher nicht ohne Ironie. "Wir erwarten, dass das auch jetzt wieder geschieht." Eine Stellungnahme von Facebook oder WhatsApp gibt es bislang nicht.