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10 Jahre "Red Dead Redemption": Als der Western auf die Konsole kam

"Red Dead Redemption" transferiert das Western-Genre erfolgreich ins Videospiel.
"Red Dead Redemption" transferiert das Western-Genre erfolgreich ins Videospiel.

Mit "Red Dead Redemption" feiert eines der bemerkenswertesten Videospiele überhaupt seinen zehnten Geburtstag. Wir schenken ihm einen liebevollen Rückblick und klären, warum Rockstars Outlaw-Epos nicht nur für Gamer einen Blick wert ist.

Obwohl es kaum ein historisches Setting gibt, das sich besser für Videospiele eignet, haben die Entwickler den Wilden Westen lange Zeit stiefmütterlich behandelt. Nur wenige Titel wie "Desperados" und "Call of Juarez" wagten sich überhaupt ins Western-Genre. Der große Durchbruch blieb ihnen jedoch verwehrt. Das änderte sich auch nicht, als das "GTA"-Entwicklungsstudio Rockstar Games 2004 mit "Red Dead Revolver" seinen ersten Anlauf unternahmen, Western und Videospiel zu vereinen. Der Wilde Westen, so schien es, gehörte nicht nur auf der Kinoleinwand einem aussterbenden Genre an.

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Der Wilde Westen hatte in der Gaming-Welt lange einen schweren Stand.

Ein Western zum Spielen

Das änderte sich schlagartig, als 2010 der Quasi-Nachfolger "Red Dead Redemption" erschien. Das Spiel schlug ein wie eine Bombe und stellte aus Sicht vieler Kritiker sogar das zuvor erschienene "GTA IV" in den Schatten. Auch zehn Jahre später gilt der Titel als einer der ganz großen Gaming-Meilensteine. Für mich persönlich war "Red Dead Redemption" sogar so etwas wie mein eigenes Western-Revival: Die Erzählweise und das World-Building erinnerten mich eindeutig an das Genre, wie ich es aus Kinofilmen von Sergio Leone und Clint Eastwood kannte.

Der Nachfolger

Mit "Red Dead Redemption 2" erschien 2019 der von Kritikern hochgelobte Nachfolger, der bei SATURN für PS4, Xbox One und PC erhältlich ist.

Ein wunderschönes, aber raues Land

Mir fallen nur wenige Spiele ein, die stärker von der Ästhetik und Erzählweise des Kinos inspiriert sind als "Red Dead Redemption". In diesem Fall natürlich vor allem von Western. Das beginnt bei der Spielwelt, die keine Hochglanzkulisse voller Helden und edler Indianer bietet, sondern ein schönes, aber auch raues Land zeigt, in dem das Leben noch immer hart ist. Ebenso rau wie das Land sind die Menschen, von denen viele in einer Zeit aufgewachsen sind, in der Recht und Gesetz nicht selbstverständlich waren.

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Die Spielwelt von "Red Dead Redemption" fängt das Flair der Western-Filme hervorragend ein.

Eine ähnliche Darstellung des Wilden Westens hat sich im Kino seit den späten 1960ern verfestigt: wunderschöne Landschaften in einem wilden und freien Land, dass aber vornehmlich von verrohten Menschen bewohnt wird, die bestenfalls zu Antihelden taugen. Interessanterweise waren es vor allem europäische Filmemacher, die diese Ästhetik des Westerns etabliert haben, die später auch von Hollywood übernommen wurde.

Der unaufhaltsame Siegeszug der Moderne

Die Handlung von "Red Dead Redemption" ist im Jahr 1911 angesiedelt, also zu einer Zeit, in der der Wilde Westen schon fast Geschichte war und die moderne Zivilisation in rasender Geschwindigkeit bis in die entlegensten Gegenden Nordamerikas vordrang. Als Symbol für den unaufhaltsamen Fortschritt dienen im Spiel die ersten Automobile, die in einer Welt mit Pferden und Planwagen wie Fremdkörper wirken. Aus der Geschichte wissen wir, dass dies nicht sehr lange so bleiben sollte.

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Die Moderne hat auch vor dem Wilden Westen nicht haltgemacht.

Das Ende der Westernzeit und der Übergang in die Moderne ist ein Szenario, das im klassischen Western gern aufgegriffen wird. In Sergio Leones Klassiker "Once Upon a Time in the West" ist es beispielsweise die Eisenbahn, die Fortschritt und Zivilisation in das wilde Land zwischen Mississippi und Pazifik bringt. Mit ihr kommen neue Menschen aus dem Osten, während die Revolverhelden vergangener Tage langsam verschwinden. Oft schwingt in der Erzählweise dieser Filme eine gewisse Melancholie mit, die sich aus der Romantisierung der "guten alten Zeit" und dem einfachen Leben vergangener Tage speist.

Ein Antiheld, der aus der Zeit gefallen ist

Dann ist da noch John Marston, der Protagonist aus "Red Dead Redemption" – ein ehemaliger Gesetzloser, der sesshaft geworden ist und mit Frau und Kind ein ruhiges Leben führt. Marston wird von seiner Vergangenheit eingeholt und von Gesetzeshütern erpresst. Er soll die Mitglieder seiner alten Bande aufspüren und einen nach dem anderen aus dem Weg räumen. Am Ende erwischt es natürlich auch ihn selbst, und der gesetzlose Wilde Westen wird mit ihm sinnbildlich zu Grabe getragen.

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John Marston ist von seinem Leben als Gesetzloser geprägt.

Auch das ist ein erzählerisches Element, das sich in vielen Western wiederfindet. In "The Unvorgiven" mimt Clint Eastwood einen ergrauten Revolverhelden, der sich längst auf seiner Farm zur Ruhe gesetzt hat, sich von einem Bewunderer aber zu einer letzten Kopfgeldjagd überreden lässt. In "Mein Name ist Nobody" gibt Henry Fonda den alternden Outlaw, der seinen Ruhestand genießen will, dabei jedoch immer wieder von alten Weggefährten und Feinden getrieben wird. Der aus der Zeit gefallene Antiheld, der von seiner Vergangenheit heimgesucht wird, ist ein typisches Element des Western-Kinos.

"Red Dead Redemption" ist mehr als eine Hommage ans Western-Kino

Das sind nur einige Elemente, die sich "Red Dead Redemption" aus dem Western borgt. Kenner des Genres werden an vielen Stellen Referenzen finden und dürften sich von der Atmosphäre, dem Soundtrack, den Charakteren und der Story des Spiels auch nach zehn Jahren noch angesprochen fühlen. Bei allen Reminiszenzen verkommt "RDR" nicht zur bloßen Hommage, sondern kreiert aus vielen Elementen eine ganz neue Art von Western für ein neues Medium. Ich lehne mich sogar so weit aus dem Fenster und sage: Wäre "Red Dead Redemption" als Kinofilm erschienen, hätte es die eine oder andere Oscar-Nominierung abgestaubt.

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Wer kann zu so einer Kulisse Nein sagen?

Technisch macht das Spiel übrigens heute noch eine passable Figur, wenn man die Ansprüche an Grafikpracht ein wenig zurückschraubt. Das größte Problem von "Red Dead Redemption" ist seine Verfügbarkeit: Offiziell erschien der Titel nur für Xbox 360 und PlayStation 3 und wurde niemals für andere Systeme umgesetzt.

Immerhin: Dank Abwärtskompatibilität ist das Game auf der Xbox One spielbar, über den Cloud-Dienst PlayStation Now auch auf der PS4 und dem PC. Ein modernes Remake mit der Hochglanz-Grafik des Nachfolgers "Red Dead Redemption 2" wäre aber definitiv angebracht. Einen Klassiker wie "RDR" sollten auch zukünftige Generationen von Gamern noch spielen können.

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