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Ob Du's magst oder nicht: 2018 war das Jahr von "Fortnite"

Höhenflug: "Fortnite" war 2018 einfach überall.
Höhenflug: "Fortnite" war 2018 einfach überall.

Auch wenn andere Games 2018 große Preise und fabelhafte Kritiken ernteten, war "Fortnite" wohl das "heimliche" beste Spiel des Jahres. Und das nicht nur wegen des finanziellen Erfolgs und der enormen Spielerzahlen: Kaum ein anderer Titel hatte dieses Jahr so viel kulturellen Einfluss, der sogar über die Grenzen der Gaming-Welt hinausging.

Bei den Game Awards 2018 ging der Hauptpreis zwar an Sony Santa Monicas "God of War", und in der Fachpresse dominierte Rockstar Games' "Red Dead Redemption 2" den Diskurs über Storytelling, realistische Spielwelten und fürchterliche Arbeitsbedingungen in der Spieleindustrie. Aber kein Videospiel hatte 2018 so großen Einfluss wie "Fortnite" – ein Third-Person-Shooter im Comic-Look, der von mittlerweile 125 Millionen Spielern auf Konsolen, dem PC und mobilen Geräten gezockt wird.

"Fortnite" wurde innerhalb weniger Monate zum popkulturellen Phänomen, das sich von den Schulhöfen der Welt über die Videostreaming-Plattform Twitch bis auf die Spielfelder der Fußball-Weltmeisterschaft bewegt hat. Zum Jahreswechsel zockt Twitch-Streamer Tyler "Ninja" Blevins nun sogar live auf dem Times Square in New York City "Fortnite" für seine etwa 13 Millionen Abonnenten – jede Menge prominente Überraschungsgäste haben sich angekündigt.

Dank Battle Royale: 2018 war "Fortnite" einfach überall

Nicht nur mein siebenjähriger Sohn (der noch nie einen Pixel von "Fortnite" gesehen hat) tanzt mittlerweile den "Floss-Dance" nach, den Epic Games als Emote ins Spiel einbaute, und den er auf dem Schulhof 'aufgeschnappt' hat. Selbst im WM-Finale 2018 war der "Take the L"-Dance auf dem Spielfeld zu sehen. Dass Epic Games mit der Monetarisierung dieser Emotes jede Menge Gewinn einfährt, ist mittlerweile auch den Urhebern dieser Tänze aufgefallen. Was als popkultureller Gag anfing, führte mittlerweile zu einer Reihe an Klagen gegen die Entwickler.

Dabei war der gigantische Erfolg von "Fortnite" zu Anfang alles andere als absehbar. Das Spiel startete im Sommer 2017 als reines Koop-Game, in dem man gemeinsam Zombiehorden abwehren musste, während man auf dem Spielfeld Ressourcen sammeln und mit diesen Strukturen basteln konnte. Eine nette Idee, die zunächst mäßig erfolgreich war. Zeitgleich interessierte sich die Gaming-Welt nämlich viel eher für Survival-Shooter wie "Playerunknown's Battlegrounds" – das Spiel machte den Battle-Royale-Spielmodus zum Welterfolg und brach regelmäßig Rekorde in Sachen Spielerzahlen.

Epic Games schaut hin: Zur richtigen Zeit den Umbruch gewagt

Allerdings kostet "PUBG" bis heute Geld und Entwickler Bluehole hinkt in den Augen vieler Spieler mit dem Support hinterher – eine Lücke, die Epic Games im richtigen Moment erkannt hat: Ende September 2017 kam "Fortnite: Battle Royale" als kostenfreier Spielmodus für PS4, Xbox One und PC auf den Markt. 2018 folgten Umsetzungen für iOS, Android und schließlich Nintendo Switch. Als Urheber der verbreiteten Unreal Engine, einer wichtigen Software-Plattform die in vielen Videospielen genutzt wird, hat Epic Games die Technik zudem voll im Griff.

Sogar Sony, die sich bis zuletzt gegen eine Öffnung ihres PS4-Netzwerks für das Zusammenspiel mit Xbox- oder Nintendo-Konsolen gewehrt hatten, brachen unter dem Druck der Öffentlichkeit zusammen. Vor allem wegen des Hypes um "Fortnite" erlaubte der PlayStation-Hersteller schließlich widerwillig Crossplay zwischen PS4 und anderen Konsolen.

Im Jahr 2018 ging es mit den Spielerzahlen stetig aufwärts: "Fortnite" ist auf so gut wie jeder Plattform kostenfrei spielbar. Dank Crossplay-Feature sogar zusammen mit Spielern auf andersartigen Geräten. Das Spielprinzip ist leicht verständlich und bietet, etwa durch verschiedene Modi und parallele Herausforderungen, dennoch Gameplay-Tiefe. Der Aufstieg von populären Streamern zu modernen Popstars macht "Fortnite" zum Vehikel im aktuellen Zeitgeist der Jugend.

Noch dazu reagieren die Entwickler von "Fortnite" auch auf aktuelle Geschehnisse – dank des Baukasten-Prinzips, mit dem sich mittlerweile auch jeder selbst eigene Spielmodi basteln kann, können sehr schnell  neue Gaming-Trends integriert werden. Auch andere popkulturelle Phänomene werden ganz einfach in die bunte Spielwelt eingebaut. Zum Release des Kino-Blockbusters "Avengers: Infinity War" war zum Beispiel in Zusammenarbeit mit Disney für kurze Zeit Superschurke Thanos in der bunten Welt von "Fortnite" spielbar.

"Epic 4.0": Von "Gears of War" zum "Freemium"-Modell

Laut TechCrunch hat Epic Games, das Entwicklerstudio hinter "Fortnite", 2018 einen Gewinn (nicht Umsatz!) von etwa drei Milliarden US-Dollar eingefahren. So viel Erfolg in so kurzer Zeit – Zufall? 2012 verkaufte Epic Games 40 Prozent seiner Unternehmensanteile für 330 Millionen US-Dollar an den chinesischen Software-Giganten Tencent. Grund für diese Entscheidung war die Erkenntnis, dass Blockbuster-Games, wie Epic Games' erstes "Gears of War", immer weniger rentabel sind.

Stattdessen werden Service-basierende Spiele, wie "League of Legends" – dessen Entwickler Riot Games übrigens ebenfalls Tencent gehören – und Mobile-Games immer wichtiger. Epic Games benötigte ein finanzielles Polster, um den Sprung in Richtung "Freemium Games" zu schaffen. Unternehmenschef Tim Sweeney nennt diese Strategie "Epic 4.0". Der Plan ging auf, aber auch, weil Epic nach dem ursprünglichen "Fortnite"-Release auf die Zeichen der Zeit reagierte.

Epic Games will mehr: Wird 2019 noch größer?

Nun nutzt das Studio seinen Erfolg, um langfristige Stabilität zu erreichen: Nicht nur verschenkt Epic Games seine Crossplay-Technologie an Entwickler. Auch der Epic Store, eine Download-Plattform für Spiele, ist nun für andere Hersteller nutzbar – zu weit günstigeren Konditionen als etwa Steam. Man will also vom Engine- und Spiele-Entwickler zum Publisher aufsteigen. Es wird sich zeigen, ob Epic Games auch 2019 und darüber hinaus von seinem goldenen "Fortnite"-Jahr profitieren kann.

An diesem Silvesterabend werden bei Sweeney und Co. aber auf jeden Fall die Champagner-Korken knallen – zurecht!

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