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"Anthem": Neuer Bericht deckt große Probleme bei der Entwicklung auf

Hinter den Kulissen von "Anthem" ging so einiges schief ...
Hinter den Kulissen von "Anthem" ging so einiges schief ...

"Anthem" war über sechs Jahre lang in Entwicklung, startete im Februar aber trotzdem mit massiven Problemen. Ein neuer Bericht des Journalisten Jason Schreier beleuchtet nun die Arbeit an dem Loot-Shooter von BioWare. Er zeigt: Offenbar hatte das Studio gewaltige Probleme, die von der verwendeten Technik bis zu einer führungsschwachen Chefetage reichten.

Für seinen langen Report bei Kotaku hat Jason Schreier mit 19 Personen gesprochen, die an "Anthem" mitgearbeitet haben. Der Text zeichnet ein einigermaßen düsteres Bild von den Vorgängen hinter den Kulissen.

Ziellose Entwicklung & massiver Zeitdruck

Den Großteil der langen Entwicklungszeit war offenbar den meisten BioWare-Entwicklern gar nicht bewusst, was für ein Spiel sie eigentlich entwickeln. Aus der Führungsebene kamen selten klare Ansagen, ständig wurden Features, Handlungsstränge und Designideen gestrichen oder umgeworfen.

Erst mit dem auf der E3 2017 gezeigten Ankündigungs-Trailer formte sich eine Art Vision. Entsprechend fand der Großteil der eigentlichen Entwicklung unter Hochdruck in den verbleibenden 18 Monaten bis zum Release statt – vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass viele Teile von "Anthem" wirken, als seien sie mit sehr heißer Nadel gestrickt.

Frostbite-Engine verschärft die Probleme

Weiter erschwert wurde die Arbeit durch die Verwendung der Frostbite-Engine, die Publisher EA allen seine Studios vorschreibt – eine Programmumgebung, die für die "Battlefield"-Reihe entworfen wurde und für ein Spiel wie "Anthem" sehr umständlich zu nutzen ist. Wie so oft im Gaming-Sektor waren intensive Überstunden-Phasen für die Entwickler die Folge, was bei BioWare in den vergangenen Monaten mehrfach zu ärztlich verordnetem "Stress-Urlaub" führte.

BioWare antwortet auf kritischen Artikel

Das Studio hat sich mit einem Statement zu Schreiers Artikel geäußert, das allerdings kaum konkrete Verbesserungsvorschläge macht oder Probleme auch nur anerkennt. Stattdessen wird der Bericht selbst heftig kritisiert: "Wir sehen keinen Wert darin, uns gegenseitig herunterzuziehen oder die Arbeit von anderen schlecht zu machen. Wir glauben nicht, dass Artikel, die das tun, unsere Industrie und unser Handwerk verbessern", heißt es dort.

Das sagt David:
Dass bei der "Anthem"-Entwicklung einiges schief gelaufen ist, war schon zu erahnen. Regelrecht enttäuscht bin ich von BioWares Antwort auf Schreiers Artikel: Berichte wie dieser leisten einen wichtigen Beitrag, um die verschlossene Spieleindustrie und ihre grotesk miesen Arbeitsbedingungen zu verbessern. Einem Journalisten seine gute Arbeit zum Vorwurf zu machen, ist ein Unding. Schämt euch, BioWare!
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